Motorsport

Im Bikini neben Klum, auf dem Podest über den Männern

Von Jürgen Kalwa, New York

Bei der “Launch Party“ der “Sports Illustrated“-Bademodenausgabe, in der Patrick als Bikinimodell posierte

Bei der "Launch Party" der "Sports Illustrated"-Bademodenausgabe, in der Patrick als Bikinimodell posierte

21. April 2008 Als der Rapper Jay-Z vor einer Weile seine erfolgreiche Musikkarriere wiederbelebte, dachte er sich für das erste Video „Show Me What You Got“ ein fiktives Autorennen in den Hügeln oberhalb von Monte Carlo aus. In das eine Cabrio, einen schwarzen Ferrari F430, setzte er Dale Earnhadt jr., den Sonny-Boy der amerikanischen Stock-Car-Welt. Für den anderen, einen silbernen Pagani Zonda, buchte er eine Frau. Sie heißt Danica Patrick und verdient ihr Geld in der Indy Racing League (IRL), einer der Formel 1 ähnlichen amerikanischen Serie.

Der Wettbewerb diente zwar nur einer Glamourinszenierung. Trotzdem war das Szenario so etwas wie Programm. Die 26jährige Pilotin versucht seit Jahren zu beweisen, dass sie in einer Männerdomäne wie dem Motorsport eine Rolle spielen kann. Um nicht zu sagen eine Hauptrolle, wie am Sonntag auf dem 2,4 Kilometer langen Oval des Twin Ring im japanischen Motegi, wo sie in ihrem 50. IRL-Rennen erstmals siegte.

Wegen ihr sei ein Mindestgewicht eingeführt worden, sagt sie

Es war auch ein Taktik-Erfolg, bei dem das Andretti Green Racing Team zeigte, dass es im Rennen um den letzten Tropfen Sprit besser rechnen kann als die anderen. Aber das schmälert nicht die Bedeutung des Resultats. Mit Nickligkeiten kämpft die 1,52 Meter große und nur 47 Kilogramm schwere Frau Patrick immer wieder. Zuletzt, als die Aufsichtsgremien eine auf Patrick zugeschnittenes Mindestgewicht einführten. Ihnen war aufgefallen, dass sie 30 Kilogramm leichter ist als Ed Carpenter, der schwerste Fahrer der Serie, in der alle mit dem gleichen Motor (Honda) und dem gleichen Chassi (Dallara) unterwegs sind.

Der Unterschied lässt sich auf rund 1,5 Kilometer pro Stunde in einer Runde hochrechnen. Das IRL–Management dementierte zwar, dass die neue Bestimmung nur wegen Danica Patrick eingeführt wurde. Aber die ambitionierte Frau, die mit 16 den Mittleren Westen verließ und nach England ging, um an Aufbauwettberben wie Formel Ford und Formel Vauxhall teilnehmen zu können, sah das anders. „Es gibt keine Gewichtsgrenze im Football und keine Größenbeschränkung im Basketball“, argumentierte sie. Vergeblich.

„Intelligent, frech, sexy, lustig, hübsch“ - und längst erfolgreich

Mit ihrem Erfolg ließ sie übrigens nicht nur zwei weitere Frauen hinter sich, die in der IRL – hinterher – fahren. Sie rückte auch ein ähnliches Phänomen in den Schatten: die Golferin Michelle Wie, die sich gerne mit Männern misst, aber noch nie ein Turnier von Bedeutung gewonnen hat. Ihre Leistung lässt sich am ehesten mit der von Jockey Julie Krone vergleichen. Die gewann 1993 als erste Frau mit den Belmont Stakes ein Rennen der Triple-Crown-Serie, einem der bedeutendsten Termine der Saison für den Derby-Jahrgang. Sie stellte im Laufe ihrer Karriere mit mehr als 3000 Siegen ihr Können oft genug unter Beweis. Aber weil sie sich im Scheinwerferlicht unwohl fühlte, wurde sie nie zum Aushängschild einer Frauen-Bewegung.

Danica Patrick hingegen scheint die Linsen der Fotografen förmlich zu suchen. So posierte sie neulich mit Wonne für die Bikinimoden-Ausgabe der Zeitschrift „Sports Illustrated“ neben ausgewachsenen Supermodels wie Heidi Klum und Marisa Miller. „Das Mädchen ist ein Hitzkopf“, sagt Redakteurin Diane Smith nach dem Phototerin: „Sie ist intelligent, frech, sexy, lustig, hübsch.“ Exakt die Merkmale, die sich Marketingfachleute von einer Frau wünschen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP

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