Mein Fitness-Kick

Ich muss besser werden, um weniger zu trainieren

Von Michael Horeni

05. Februar 2008 Joachim Löw stimmt gerade die Nationalspieler auf die Europameisterschaft ein. Er hat auch verraten, wie das geht. Oder genauer gesagt: Was er von Fußballprofis erwartet, die im Sommer Europameister werden wollen. Neben dem normalen Training in ihren Vereinen sollen sie zusätzlich an sich arbeiten. Das könne man von Spielern, die „zur Elite zählen“, wie der Bundestrainer sagt, auch erwarten.

Da hat Joachim Löw natürlich vollkommen Recht - und vermutlich auch die gesamte Eliteforschung auf seiner Seite. Von der Elite darf und muss man ja einiges erwarten, auch wenn der Elite-Begriff zu einem ziemlich schillernder Begriff geworden ist. Aber schillernd können Fußballprofis ja bekanntlich auch sein. Löw formulierte daraufhin seine Erwartung gegenüber der Fußball-Elite so: „Wir haben die Spieler aufgefordert, mehr zu investieren.“ Das klingt gut.

Nur am Mittwoch eine Extraschicht

Als Hobby-Fitness-Sportler war ich natürlich sehr gespannt, welchen zusätzlichen Aufwand der Bundestrainer den Fußball-Profi-Fitness-Sportlern abverlangt wird. Im Kopf bin ich dann schon mal meine durchschnittlichen Dienstzeiten durchgegangen und überschlug sie kurz mit den durchschnittlichen Arbeitszeiten eines deutschen Elitefußballprofis, zum Beispiel beim FC Bayern München und Werder Bremen. Die haben am Sonntag nämlich ihr Spitzenspiel, und wenn die Bayern gewinnen, kann das schon eine Vorentscheidung um die Meisterschaft sein.

Dafür kann man als Elite schon mal etwas tun. Machen die Bayern und die Bremer auch - einmal am Tag. Nur am Mittwoch macht Trainer Ottmar Hitzfeld eine Ausnahme und bittet die bayerische Elite auch noch mal am Nachmittag zu einer Extraschicht. Das war´s, mehr ist nicht. So steht es zumindest auf den Webseiten der Klubs (Änderungen möglich). Ohne Änderungen macht das in München bei einer geschätzten Trainingsdauer von eineinhalb Stunden pro Einheit an sechs Tagen immerhin zehn Stunden und 30 Minuten, bei Werder kommt man als Eliteprofi diesmal auf neun Stunden in der Woche.

Kess und populistisch

Aber nicht vergessen: Die 90 Minuten Spitzenspiel am Sonntag kommen noch dazu. Da kann man als Mitglied der „Masse“, des „Durchschnitts“ oder des „Normalbürgers“, die ja ganz gerne als Gegenbegriffe zur Elite in Stellung gebracht werden, getrost mal kess und populistisch behaupten: Soviel habe ich bestimmt auch schon mal in einer verdammt harten Woche geschuftet.

Und dann noch die Zusatzschichten, die der Bundestrainer bis zur Europameisterschaft fordert! „Es ist entscheidend, in welcher Verfassung sie zur Vorbereitung auf die EM kommen“, sagte Löw. Und da wäre es sehr wichtig, wenn die Nationalspieler nun nochmals „zwanzig bis dreißig Minuten“ in ihre Zusatzübungen investierten. Nicht täglich, sondern „zwei- bis drei Mal in der Woche.“

Ich auch mal so trainieren wie die Elite

Das hat mir sehr gefallen. Denn an diesem Montag haben mir die Fitness-Trainer Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe meinen vierten Trainingsplan in meinem EM-Jahr erstellt. Ich zähle nun schon zu den Fortgeschrittenen, die Übungen sind jetzt variantenreicher, komplizierter, intensiver und damit auch zeitverkürzter: Ich bin jetzt wie die Nationalspieler bei nur noch dreißig Minuten pro Einheit angelangt. Aber ich soll das fünf Mal die Woche machen.

Aber wenn ich einmal groß bin als Fitnesssportler, will ich auch mal so trainieren wie die Elite. Ich muss eben noch viel besser werden, um weniger zu trainieren.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: ddp

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