Von Michael Horeni
30. Oktober 2007 Das mit den Omega-Wellen, die meinen Fitnesszustand recht schonungslos erfasst haben und woraus Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe nun ein schönes neues Trainingsprogramm abgeleitet haben, fand ich als Hobbysportler ja ziemlich beeindruckend. Aber ich habe gemerkt, dass man nicht unbedingt dieser Meinung sein muss, auch wenn man ebenfalls Hobbysportler ist.
Ein Leser aus Frankfurt hat das vergangene Woche ziemlich deutlich zum Ausdruck gebracht. Er hält die ganz Sache mit diesen Fitnesstrainern und diesem Selbstversuch für ausgemachten Blödsinn, denn letztlich würde das ja nur bedeuten, dass man um das unsägliche Expertenwesen gar nicht mehr herumkäme, selbst bei so einer schlichten Sache, wie fit zu werden oder fit zu bleiben. Mit einem bisschen gesunden Menschenverstand bekomme man das doch auch sehr gut alleine hin, einfach Laufschuhe anziehen und loslaufen, und wenn man dann doch irgendwann mal einen gut Rat benötige oder nette Gesellschaft, dann gebe es ja auch noch die Lauftreffs in den Sportvereinen, und mit einem Jahresbeitrag von 25 Euro sei die Sache geritzt. Da könne man sich neben einer Menge Geld auch diesen ganzen Zeitgeistkram sparen.
Joggen ist kein Spaß, sondern Laufarbeit
Ich finde diese selbstverantwortliche Haltung sehr sympathisch, um nicht zu sagen: vorbildlich. Und das mit dem Zeitgeist ist wahrscheinlich auch nicht so falsch. Bisher habe ich es in den vergangenen Jahren auch immer wieder mal mit der Methode gesunder Menschenverstand probiert, aber leider bin ich nach einer gewissen Zeit immer wieder daran gescheitert. Meistens so um diese Jahreszeit, wenn es draußen kalt und eklig wird. Irgendwann verflüchtigte sich dann die Eigenmotivation, und das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Laufen für mich nicht unbedingt immer etwas mit Spaß zu tun hat, sondern auch viel mit Laufarbeit, wie man das in Fußballsprache so treffend sagt.
Ein bisschen zusätzliche Motivation durch hübsch ausgearbeitete Trainingspläne, an denen man sich gezielt abarbeiten kann, ist jedenfalls für mich, gerade jetzt, wo der verdrießliche November beginnt, gar nicht schlecht, und auch nicht so ein warmes und regendichtes Fitness-Studio. Wenn ich jetzt noch zugebe, dass ich auch ganz gerne warm dusche, ist das vermutlich auch keine große Überraschung mehr.
Rational vorgehen und reich und fit werden
Ich gehöre also ganz offensichtlich nicht zu diesen Menschen, die sich einfach nicht durch äußere Umstände abschrecken lassen, die genug Energie und Willen aufbringen auch noch ganz rational und alleine ihr Sportprogramm durchziehen. Solche ganz und gar vernünftigen Lauftipps, die so stark die Vernunft ansprechen und so unwiderlegbar klingen, erinnern mich dabei ein bisschen auch an diese klugen Finanzanalysen, die so wunderbar exakt darlegen können, wie man auf lange Sicht das meiste aus seinem Geld macht.
Man muss dabei, grob gesagt, nur über zwanzig, dreißig Jahre ganz rational vorgehen, und der Homo oeconomicus, der das tut, wird dann irgendwann ganz automatisch reich sein und der Homo sporticus fit. Aber wenn ich es recht bedenke, sind mir so richtig viele reiche und fitte Menschen in den vergangenen Jahren im Park eigentlich auch nicht über den Weg gelaufen. Mal sehen, ob mir welche im Fitness-Studio begegnen.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Wonge Bergmann
