Von Michael Horeni
27. November 2007 Ein bisschen nervös bin ich jedes Mal, wenn ich Oliver Schmidtlein und Shad Forstyhe treffe. Seit wir Anfang September mit dem Fitnessprogramm begonnen haben, sehen wir uns einmal im Monat. Das Gefühl dabei ist ein bisschen wie vor Prüfungen, bei denen man nicht so sicher ist, ob man sich auch genügend darauf vorbereitet hat.
Einerseits hofft man, dass es schon gut gehen wird, aber gleichzeitig weiß man im Stillen doch sehr genau, dass man dafür ruhig etwas mehr hätte tun können. In diesem Fall vor allem für meine Problemzone. Es handelt sich um die Schulterpartie. Dort sieht alles noch etwas schwächlich aus, nicht sehr belastbar. Mit diesen Schultern kann man eigentlich noch immer nicht viel anfangen. Oliver und Shad sagen das natürlich nicht so deutlich, dafür sind sie viel zu freundlich. Außerdem denken wir ja immer positiv.
Ein Journalist mit A… in der Hose
Beim Rest des Körpers sieht es nach gut drei Monaten mittlerweile etwas besser aus, denn hinzu kommen ja noch die gut zwei Monate, in denen ich mich im Park alleine mit Jogging in eine etwas annehmbare Ausgangslage für das Fitnessprogramm bringen wollte. Mit der Ausdauer ist es seither besser geworden, und an Bauch und Beinen kehrt allmählich Muskulatur zurück. Zudem hat sich mein Gewicht im letzten halben Jahr um etwa fünf Kilo reduziert. Aber am besten gefällt mir eigentlich, dass auch das verschollene Gefühl zurückgekehrt ist, dass mir nun wieder etwas fehlt, wenn ich zwei, drei Tage keinen Sport gemacht habe.
Oliver und Shad sagen, sie seien zufrieden, wir hätten jetzt eine neue Stufe erreicht. Bei einer Übung, einer Standwagenübung mit gestrecktem Bein, begutachtet mich Oliver wie immer sehr genau, und stellt dabei grinsend fest, wenn ich so weiter machen würde, werde er in seinem Leben wohl doch noch einmal einen Journalisten mit einem (Verzeihung) A… in der Hose kennenlernen. Ich halte das natürlich für eine sehr überflüssige Bemerkung.
Mein Rücken gehörte der S-Klasse an
Manches Lob ist erschütternd. Auch eine Nachbarin, die ich bisher eigentlich für eine sehr sympathische Frau gehalten habe, hat meine Fortschritte bemerkt. Sie ließ im Gespräch mit meiner Frau beiläufig fallen, sie habe all die Jahre ja gar nicht gewusst, dass ich soo groß sei. Es sollte ein Kompliment sein. Tatsächlich bin ich aber überhaupt nicht groß, sondern vollkommen durchschnittlich. Vor hundert Jahren wäre ich vielleicht groß gewesen, da kamen deutsche Rekruten auf 1,64 Meter, heute sind sie bei 1,78 Meter gelandet, ein Zentimeter weniger als in meinem Pass angegeben.
Ich weiß aber natürlich sehr genau, worauf meine Nachbarin anspielt, denn meine gefühlte Körpergröße lag in der Vergangenheit wohl darunter. Tatsächlich ist es so, dass sich erst durch die korrigierenden und kräftigenden Übungen von Oliver und Shad im letzten Vierteljahr meine Körperhaltung verändert hat. Mein Rücken war vorher eine ziemlich ungesunde runde Sache, die Wirbelsäule gehörte eindeutig der S-Klasse an. Und so bin ich eigentlich immer ein bisschen arg gebückt durchs Leben gegangen.
Die schöne, blonde Nachbarin
Auch die früheren Hinweise meiner Ärztin, dass ich irgendwann mit dem Rücken Probleme bekommen würde, wenn ich nichts dagegen unternähme, hatte ich jahrelang überhört. Worte wie Krankengymnastik hatten keinen allzu großen Reiz auf mich ausgeübt.
Wenn ich aber nun an die schöne, blonde Nachbarin denke, wäre es wohl besser gewesen, ich hätte mich früher um meinen Rücken gekümmert. Sie sagte, sie wäre bisher der Meinung gewesen, meine Frau und ich wären etwa gleich groß. Tatsächlich aber ist meine Frau vierzehn Zentimeter kleiner, exakt 1,65 Meter. Ich habe mir jetzt vorgenommen, bis zum Sommer eins neunzig zu werden.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Wonge Bergmann