DOSB lehnt Nominierung ab

Friedek zieht in die nächste Instanz

22. Juli 2008 Der Traum des ehemaligen Dreisprung-Weltmeisters Charles Friedek von seiner vierten Teilnahme an Olympischen Sommerspielen ist aller Voraussicht nach geplatzt, doch sein Heidelberger Anwalt Michael Lehner will weiter für ihn kämpfen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird den 36 Jahre alten Leichtathleten nach sid-Informationen wohl nicht für Peking nominieren.

Letzte rechtliche Schritte, die sein Verein Team Referenznetzwerk Leverkusen vor Ablauf der Nominierungsfrist am Mittwoch eingeleitet hatte, schlugen am Dienstag fehl. „Das Landgericht Frankfurt hat eine Einstweilige Verfügung gegen die Nicht-Nominierung abgelehnt. Charles ist fix und fertig. Er geht gerade durch die Hölle“, sagte der Vereinsvorsitzende Manuel Grahmann dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Nächste Instanz Oberlandesgericht

Trotzdem gibt Anwalt Lehner nicht auf: „Wir ziehen weiter vors Oberlandesgericht“, sagte er. Ein möglicher Erfolg dort könnte jedoch zu spät kommen, denn bis 23. Juli (Mittwoch) müssen alle Olympiastarter namentlich beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) gemeldet werden. Friedek hatte am Samstag per Einstweiliger Verfügung vor dem Deutschen Sportschiedsgericht in Köln erwirkt, dass er vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nachträglich noch für Peking vorgeschlagen worden war.

Doch der DOSB, der seine Entscheidung erst am Mittwoch bekannt geben will, nahm die Nominierung zumindest bislang nicht vor. Das Schiedsgerichtsurteil war für ihn nicht bindend. „Das ist ein Riesenskandal und ein Schlag ins Gesicht für die deutsche Sport-Schiedsgerichtsbarkeit“, meinte Lehner.

Der DLV-Präsident will mündliche Verhandlung

Erst im Januar hatte das Sport-Schiedsgericht bei der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit (DIS) seine Arbeit aufgenommen. Es war vom DOSB mitinitiiert worden. Sport-Schiedsrichter Marius Breucker hatte in seiner Begründung festgestellt, dass Friedek laut DLV-Nominierungsrichtlinien die doppelt geforderte Olympianorm von 17,00 bei einem Wettkampf am 25. Juni im niederrheinischen Wesel mit Sprüngen auf 17,04 und 17,00 zweimal erreichte.

Der DLV pochte aber auf Erfüllung bei zwei Veranstaltungen, was aus seinen Nominierungsrichtlinien jedoch nicht eindeutig hervorging, laut DLV-Präsident Clemens Prokop aber im Regelwerk so verankert ist. Prokop kündigte am Wochenende an, der DLV werde auch vor dem Sport-Schiedsgericht noch auf einer mündlichen Verhandlung des Falls beharren, um die Frage grundsätzlich zu klären.

Schiedsgerichte sichern juristisch die Autonomie des Sports ab und schließen den Rechtsweg über staatliche Gerichte im Rahmen ihrer Zuständigkeit aus. Diese Forderung ist auch im Code der Welt-Antidoping-Agentur WADA festgeschrieben. Der DLV hat seine Sportgerichtsbarkeit ans Sport-Schiedsgericht ausgelagert und die Zuständigkeit in den Athletenvereinbarungen verankert. Diese gelten jedoch nicht für den Zuständigkeitsbereich des DOSB, weshalb Friedek und das Team Referenznetzwerk am Dienstag vors Landgericht Frankfurt gezogen waren.

FAZ.NET mit sid



Bildmaterial: AP

 
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