29. März 2008 Der THW Kiel beherrschte bisher den deutschen Handball. Diesen Status untermauerten die Norddeutschen beim Pokalfinal-Wochenende in Hamburg. Gegen die aufstrebenden Rhein-Necker-Löwen gewann Titelverteidiger THW am Samstag im Halbfinale mit 38:34 (24:19) und steht am Sonntag dem HSV Hamburg im Endspiel um den deutschen Pokal gegenüber (Live von 14.05 Uhr an im FAZ.NET-Liveticker). Doch die nationalen Rivalen holen auf. Nicht nur die am Samstag unterlegenen Löwen, auch Hamburg rüstet mächtig auf, um die Kieler Vormachtstellung zu brechen. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht THW-Manager Uwe Schwenker über Millionäre im Handball, übertriebene Ablösesummen und eine eigene Europaliga.
Wie groß ist Ihre Angst vor der vermeintlich reichen Konkurrenz aus Hamburg und Mannheim?
Ich habe keine Angst. Man muss nur verstehen, dass sie uns schon überholt haben, was die Finanzen angeht. Ihre Möglichkeiten sind einfach größer. Wenn ich sehe, dass der HSV mal eben den Flensburger Rückraum mit Lijewski und Lackovic kauft - das könnten wir nicht.
Sie haben doch vor der Saison auch Börge Lund und Filip Jicha aus laufenden Verträgen in Nordhorn und Lemgo gekauft. Und der THW ist immerhin der Meister aller Klassen, die unbestrittene Nummer eins seit Jahren.
Ja. Aber es ist ja nirgends festgeschrieben, dass es für immer so bleibt. Wir werden auch in den nächsten Jahren oben bleiben. Aber wir müssen unsere Sponsoreneinnahmen steigern. Das A und O ist, unsere jungen Spieler wie Karabatic, Kavticnik oder Kim Andersson im Wettbewerb deutscher und spanischer Klubs hier in Kiel zu halten. Und dafür müssen wir uns im Budget sehr strecken. Der internationale Erfolg wie der Gewinn der Champions League 2007 ist nun mal sehr teuer.
Wie bewerten Sie den Einstieg von Millionären wie Andreas Rudolph oder der Hopp-Familie in den Handball beim HSV Hamburg und den Rhein-Neckar-Löwen?
Ich sehe das grundsätzlich positiv, wenn solche Unternehmer den Weg zum Handball finden. Ich finde es gut, wenn sich im Handballgeschäft etwas bewegt. Die Konkurrenz belebt. Dadurch holt die ganze Sportart auf. Aber für uns beim THW Kiel heißt das: Wir müssen unsere wirtschaftliche Basis verbreitern.
Ihr Kader ist gespickt mit Stars, Sie stehen in allen drei Wettbewerben hervorragend da - ist Ihre Sorge nicht übertrieben?
Sicher sind wir für die nächsten ein bis zwei Jahre sehr gut aufgestellt. Aber es geht jetzt schon um die Zeit danach. Und da müssen wir einfach sehen, dass wir mit den Rhein-Neckar-Löwen, dem HSV Hamburg und auch dem TBV Lemgo mithalten können. Ich habe uns immer als das gallische Dorf gesehen und tue es jetzt erst recht. Wir bewegen uns nicht wie andere in einem prosperierenden wirtschaftlichen Umfeld.
Die Konkurrenz sagt: In Kiel müssen sie nur das Licht in der Ostseehalle anmachen, und 10.250 Leute kommen ...
Das stimmt so nicht ganz. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf machen in etwa 55 Prozent unserer Einnahmen aus. Insofern müssen wir die Werbeerlöse steigern.
Gibt es keine anderen Argumente mehr als Geld?
Doch. Wenn Nikola Karabatic sagt, der Handball sei in Kiel zu Hause, ist das ein Argument. Ein Trainer wie Noka Serdarusic ist auch ein Argument. Aber wenn im Spitzenhandball schon für 18-jährige Spieler sechsstellige Ablösesummen bezahlt werden, müssen wir sehen, wo wir bleiben.
Bisher haben Sie vor allem auf regionale Sponsoren gesetzt. Jetzt soll im Modeschmuckhersteller KasiGroup ein dänisches Unternehmen auf die THW-Brust drängen und vier Millionen Euro für drei Jahre zahlen. Wie weit sind die Verhandlungen?
Wir haben einen bis 2010 laufenden Vertrag mit unserem Hauptsponsor, der Provinzial. Die KasiGroup würde gern Hauptsponsor beim THW Kiel werden. Sie wollen auf den deutschen Sportmarkt. Aber zuerst müssen wir die Situation mit unserem langjährigen Partner erörtern. Wir wollen die Provinzial natürlich nicht verlieren. Doch wird sie kaum die Summen aufrufen können, die die KasiGroup aufruft.
Es soll ein Kieler Farmteam im Kopenhagener Vorort Glostrup geben?
Nein. Das ist falsch herübergekommen. Der Geschäftsführer der KasiGroup will das Team aus Glostrup in die erste Liga Dänemarks bringen. Es ist derzeit drittklassig. Das hat mit uns erst mal nichts zu tun.
Um mehr Geld zu verdienen, wollen die europäischen Großklubs eine eigene Europaliga gründen und die von der EHF veranstaltete Champions League ablösen. Wird sie kommen?
Das hängt vom Europäischen Handballverband ab. Wir hätten schon jetzt die Möglichkeit, die Spielrunde selbst zu veranstalten. Der schnellste Weg wäre, etwas zu zerstören. Das wollen wir nicht. Wir setzen auf den Dialog. Aber wir lassen uns nicht mit Versprechungen von der EHF abspeisen. Im Grunde könnten wir Vereine ja sagen: Wir haben das Geld, wir entscheiden. In der nächsten Saison wird es die Champions League geben wie gehabt. Aber schon 2009/2010 könnte es anders sein. Ich hoffe weiterhin auf eine einvernehmliche Lösung mit der EHF.
Glauben Sie, dass die Fans dieses neue Vereinsprodukt annehmen würden?
Die Fans hätten weiter die Möglichkeit, die besten Klubs mit den besten Spielern zu sehen. Das erscheint mir aus Sicht der Handball-Interessierten das Wichtigste zu sein.
Das Gespräch führte Frank Heike.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa, picture-alliance/ dpa
Nach der Kartellamtsentscheidung: Die Liga ![]()
Mosley gewinnt Prozess gegen Boulevardzeitung
DFL-Modell abgelehnt: Kartellamt besteht auf Free-TV am frühen Abend
Sollte im TV mehr Randsport gezeigt werden?
