01. November 2007 Markus Baur, der Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft, wechselt als Trainer nach Lemgo, wird aber seine Bundesligakarriere als Spieler dort nicht fortsetzen. Bundestrainer Heiner Brand will aber weiter auf ihn bauen.
Markus Baur wird ab Januar 2008 Trainer und sportlicher Direktor beim TBV Lemgo. Wird er trotzdem Nationalspieler bleiben und an den Olympischen Spielen 2008 in Peking teilnehmen?
Ich halte das für eine realistische Variante. Wir haben lange geredet und waren ständig im Gespräch über seine Situation. Es ist sicher nicht ideal, wenn er in der Bundesliga nicht zum Einsatz kommt. Aber wir haben ja eine lange Vorbereitungszeit.
Ist es nicht sehr riskant, wenn der Spielmacher der Nationalmannschaft quasi kalt nach Peking fährt? Der Lemgoer Geschäftsführer Volker Zerbe hat ja ausgeschlossen, dass Baur für den TBV in der Bundesliga spielen wird.
Da kenne ich die Einzelheiten nicht. Aber ganz so, wie Sie sagen, ist es ja nicht. Markus Baur wird bei der Europameisterschaft Anfang 2008 in Norwegen spielen. Dann sind es noch dreieinhalb Monate, in denen er nicht spielt, bis die Vorbereitung für die Olympischen Spiele beginnt. Ich traue Markus das auf jeden Fall zu. Wenn ein Spieler verletzt ist, gebe ich ihm ja auch die Chance, sich zu qualifizieren, ohne dass er vorher gespielt hat. An fehlender Fitness wird es bei Markus Baur sicher nicht scheitern.
Bekommt Baur als erfahrener Spieler und Kopf des Teams mit seinen 36 Jahren eine Extrawurst gebraten?
Nein. Er wird alle Tests mitmachen müssen. Jeder Spieler muss sich Konkurrenz stellen. Das gilt natürlich auch für Markus Baur. Es ist auch klar, dass wir mit der Mannschaft über die Situation reden werden. Aber Markus hat solch einen hohen Stellenwert im Team, dass es da keine Probleme geben wird. Er hat einen ausgeprägten Handball-Sachverstand wie kaum ein anderer, hinzu kommen seine menschlichen Fähigkeiten, sein ehrlicher Charakter und das nötige Durchsetzungsvermögen. Wir werden es versuchen und dann sehen, ob es hinhaut. Wir hatten etwas Ähnliches ja früher mit Zerbe, der zum Ende seiner Laufbahn nur bei den großen Turnieren für das Nationalteam spielte. Das hat ganz gut funktioniert.
Haben Sie Markus Baur zugeraten, von Pfadi Winterthur, wo er seit dem Sommer als Spielertrainer arbeitet, nach Lemgo zu wechseln?
Nein, aber ich kann die Entscheidung nachvollziehen. Es ist eine Riesenchance für ihn, in verantwortungsvoller Position nach Lemgo zu gehen, wo er das Umfeld aus seinen Zeiten als Spieler kennt.
Viele sehen in Baur schon Ihren Nachfolger als Nationaltrainer.
Das habe ich nicht zu bestimmen. Außerdem könnte das ja noch etwas dauern, weil ich meinen Vertrag gerade erst verlängert habe. Darüber sollte man jetzt auch nicht spekulieren. Markus hat jetzt genug Dinge zu klären.
Die zweite spannende Handball-Personalie handelt von Holger Glandorf. Hat es Sie überrascht, dass er bei der HSG Nordhorn bleibt, und nicht zur SG Flensburg-Handewitt wechselt?
Nicht so sehr. Ich habe auch mit ihm gesprochen, und es zeichnete sich ab, dass er in Nordhorn bleibt. Das ist das ideale Umfeld für ihn. Holger ist sehr gefestigt inzwischen und hat als Spieler beim Supercup noch einmal einen richtigen Sprung nach vorn gemacht. Er weiß, wie er sich zu entscheiden hat. Nordhorn ist ja inzwischen ein Spitzenverein. Die verlieren zwar jedes Jahr viele gute Spieler, holen sich aber immer wieder gute neue Leute.
Die Diskussionen und Spekulationen um die deutschen Handballstars haben schon fast Fußball-Ausmaße angenommen. Überrascht Sie das?
Vor einem Jahr hätte es mich überrascht. Seit der Weltmeisterschaft habe ich mich auf vieles eingestellt.
Die Fragen stellte Frank Heike.
Text: F.A.Z.
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