09. September 2009 Schlecht gespielt, verloren und doch gejubelt: Die neu formierte deutsche Basketball-Nationalmannschaft hat nicht nur langfristig eine Zukunft. Sie bleibt auch kurzfristig im Spiel. Bei der Europameisterschaft in Polen zog sie trotz der 62:68-Niederlage gegen Lettland am Mittwoch in Danzig in die Zwischenrunde ein, in der sie ab Freitag erst auf Griechenland, dann auf Mazedonien und Kroatien treffen wird. Ich habe mich noch nie so über eine Niederlage gefreut, sagte Demond Greene, mit 16 Punkten erfolgreichster Deutscher.
Erst in den letzten 23 Sekunden der Begegnung gelang es den Deutschen, den Rückstand auf sechs Punkte zu reduzieren. Mit neun wären sie ausgeschieden. Maßgeblich für das Weiterkommen war der direkte Dreier-Vergleich zwischen Russland, Lettland und Deutschland. Die Russen hatten Lettland 81:68 geschlagen, Deutschland wiederum Russland 76:73 besiegt.

Gut gegen Frankreich gespielt, überzeugend Russland geschlagen und dann gegen Lettland eins auf die Nase kriegen? Als Patrick Femerling (5) in den ersten Minuten blutend zwischenzeitlich vom Feld musste, konnte niemand die symbolische Wirkung der Verletzung ahnen: Platzwunde an der Nasenwurzel. Schon die Härte des entscheidenden Spiels in der Gruppe B lähmte den Fluss der Begegnung.
Schwach gespielt und doch am Ziel: Auch das ist eine Stärke
Schieben, Drücken, Halten und Schlagen - von Basketball war nicht nur im ersten Viertel (13:14) wenig zu sehen. Die deutsche Mannschaft überzeugte zwar in der Verteidigung. Aber im Angriff konnte die Auswahl von Coach Dirk Bauermann nicht an die Trefferquote zu Beginn des Spiels gegen Russland anknüpfen. Am Aufbauspiel, an den Systemen gegen Mann- und Zonen-Verteidigung (Raumdeckung) lag es nicht. Greene und seine Kollegen auf den Flügeln scheiterten trotz guter Positionen (36 Prozent Trefferquote).
Die Center vergaben unter dem Korb und alle zusammen zu häufig von der Freiwurflinie (17/29) Chancen, die sie tags zuvor nervenstark genutzt hatten. Nervosität aber lässt selbst den größten Könner wie einen Anfänger aussehen. Die Letten legten sie schneller ab. Unter Führung von Kristaps Valters (10) entwickelten sie ihr Lieblingsspiel: mit Macht zum Korb und dann den freien Mann auf dem Flügel anspielen. Sie begannen zu treffen und setzten sich zur Halbzeit ab: 35:27.
Die Deutschen blieben nur im Spiel, weil die Trefferquote der Letten von der Freiwurflinie so schlecht war. Ein Phänomen in den Spielen gegen Bauermanns Auswahl. Die Russen hatten nur 28 von 49 (!) verwandeln können. Lettland leistete sich eine noch peinlichere Vorstellung (19/38.) Selbst das schien zu reichen, weil sich Bauermanns Team dem Niveau anpasste. Mehr noch. Mit jedem Fehlwurf schwand der Mut, Airballs (ohne Ringberührung) tilgten die Selbstsicherheit und unterdrückten die Unberechenbarkeit. Das Spiel der Deutschen erstarrte fast. Es lebte auf bei Einzelaktionen, bei Notwürfen (Heiko Schaffartzik/7) und bei Jan-Hendrik Jaglas (13) Volltreffer in den letzten Sekunden. Schwach gespielt und doch am Ziel: Auch das ist eine Stärke.

Gruppe B, in Danzig:
Russland - Frankreich 64:69 (35:34)
Deutschland - Lettland 62:68 (29:35)
Die Abschlusstabelle:
1. FRANKREICH 3 - 199:180 - 6
2. RUSSLAND 3 - 218:213 - 4
3. DEUTSCHLAND 3 - 203:211 - 4
4. Lettland 3 - 187:203 - 4
Deutschland - Lettland 62:68 (29:37)
Beste Werfer: Greene (16), Jagla (13) für Deutschland - Janicenoks (14), Kambala (11), Biedrins (10), Valters (10), Skele (10) für Lettland.
Zuschauer in Danzig: 3500
Zwischenrunde - Gruppe E, in Bydgoszcz:
Freitag, 11.09.2009:
Russland - Kroatien 15.45 Uhr
Deutschland - Griechenland 18.15 Uhr
Frankreich - Mazedonien 21.00 Uhr
Sonntag, 13.09.2009:
Mazedonien - Deutschland 15.45 Uhr
Griechenland - Russland 18.15 Uhr
Kroatien - Frankreich 21.00 Uhr
Dienstag, 15.09.2009:
Russland - Mazedonien 15.45 Uhr
Deutschland - Kroatien 18.15 Uhr
Frankreich - Griechenland 21.00 Uhr
1. Griechenland 2 - 162:122 - 4
2. Frankreich 2 - 139:129 - 4
3. Kroatien 2 - 149:147 - 3
4. Deutschland 2 - 141:143 - 3
5. Russland 2 - 137:145 - 2
6. Mazedonien 2 - 125:167 - 2
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa