Jürgen Emig

Angeklagter Gnadenlos

Von Helmut Schwan

Angeklagter Emig: “Es war mir schon klar, dass wir uns auf dünnem Eis bewegen“

Angeklagter Emig: "Es war mir schon klar, dass wir uns auf dünnem Eis bewegen"

04. August 2008 Jürgen Emig, der frühere Sportchef des Hessischen Rundfunks, will nicht dafür Verantwortung übernehmen, „was in der Verantwortung anderer lag“. Zum Auftakt des Prozesses vor dem Frankfurter Landgericht, in dem ihm im Zusammenhang mit der Akquise von Drittmitteln Untreue zu Lasten seines früheren Arbeitgebers, Bestechlichkeit und Betrug angelastet wird, hat der Journalist am Montagmorgen pauschal „Fehler“ in einer „Grauzone“ eingeräumt und zugleich viel Luft für Spekulationen gelassen.

Zum großen Knall etwa über obskure Finanzgebaren einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt ist es - zumindest vorerst - jedoch nicht gekommen. Emig, achtzehn Jahre in Diensten des Senders, beließ es bei Andeutungen, etwa über „chaotische Buchführung“ beim HR. Auch sei seine langjährige Praxis der Geldbeschaffung von Intendanz, Programmdirektion und Chefredaktion gebilligt worden, denn die Sportredaktion sei „gnadenlos unterfinanziert“ gewesen. Dreiviertel des Jahresetats will Emig jeweils bei Sponsoren beschafft haben, der ARD insgesamt fast zwanzig Millionen Euro.

Viel Eigennutz im Spiel

Der dreiundsechzig Jahre alte promovierte Journalist, bundesweit als das „Gesicht“ des „Ersten“ bei der Tour des France bekannt geworden, wunderte sich öffentlich, was ihn nach einer langen, durchaus erfolgreichen Karriere auf die Anklagebank gebracht habe. Die Staatsanwaltschaft meint, bei Durchsuchungen im Sender und im Privathaus des Angeklagten genügend Beweise gefunden zu haben, dass bei Emig viel Eigennutz im Spiel gewesen sei. Rund sechshunderttausend Euro soll er von 2000 bis 2004 über eine Sportagentur, an dem seine Frau still beteiligt war, für sich von den „Beistellungen“ von Vereinen und Veranstaltern für Fernsehübertragungen wie dem Marathon und dem Triathlon in Frankfurt oder sogar beim Radrenn-Klassiker „Rund um den Henninger Turm“ abgezweigt haben.

Emig ist der Bestechlichkeit angeklagt, weil er Übertragungen sogenannter Randsportarten von derlei Zuschüssen abhängig gemacht haben soll. Erschwerend kommt in der Sicht der Staatsanwaltschaft hinzu, dass er in leitender Position eines öffentlich-rechtlichen Senders für die Grundversorgung des Publikums mit Informationen verantwortlich und daher als Amtsträger zu sehen war. Untreue wirft man ihm vor, weil er die eingeworbenen Fremdmittel zum Teil nicht an den Sender weitergeleitet habe. Der Tatbestand des Betrugs knüpft sich an die angeblich von ihm jeweils gestellten Forderung, nur über besagte Agentur komme man mit dem HR ins Geschäft. Mitangeklagt ist der frühere Vorsitzende des Deutschen Tanzsportverbands, Harald Frahm, der zweite Teilhaber der Agentur.

Der Sender, der jegliches Wissen von illegalen Methoden seines Mitarbeiters bestreitet, der einst für die Aktivitäten, die Fesseln der Gebühreneinnahmen zu sprengen, als Vorbild galt, hatte Emig 2004 von der Position des Sportchefs entbunden. Ein Jahr später, nach seiner Verhaftung, kündigte man ihm fristlos. Emig soll dem HR eine Million Euro Schadensersatz zahlen. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp

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