Reitsport

Auf Konfrontationskurs

Späte Verhandlung: Marco Kutscher soll sich vor dem Tribunal der FEI verantworten

Späte Verhandlung: Marco Kutscher soll sich vor dem Tribunal der FEI verantworten

17. November 2009 Die Spritzenaffäre bei den Olympischen Spielen hat für die deutsche Reiterei doch noch ein dramatisches Nachspiel. Der Springreiter Marco Kutscher muss sich wegen des unerlaubten Einsatzes von Medikamenten in Hongkong vor dem Tribunal des Weltverbandes FEI verantworten. Die FEI folgte mit dieser Ankündigung am Dienstag dem Antrag einer Untersuchungskommission. Zudem gab der Verband bekannt, dass das deutsche Vorstandsmitglied Hanfried Haring aufgrund der Vorkommnisse im Stall des Olympia-Geländes aus dem Führungsgremium zu entlassen ist. Die Maßnahmen sind aber noch einschneidender, weil gleich mehreren deutschen Funktionären untersagt werden soll, Posten im Weltverband einzunehmen.

Mehr als ein Jahr nach den undurchsichtigen Vorfällen im Stallbereich von Hongkong ist die FEI doch noch aktiv geworden. Kuschers Hengst Cornet Obolensky hatte nach der ersten Runde des Teamwettbewerbes eine Spritze mit Arnika und Lactanase erhalten. Das ist nicht erlaubt, wurde aber durch Medienberichte öffentlich. Es gab keine positive Probe bei den Dopingtests. Dass Kutscher sich vor dem Sportgericht verantworten muss, scheint unzweifelhaft.

Ob Haring aber - wie vom Weltverband angekündigt - von seinen Kollegen entlassen werden kann, ist strittig. „Der Vorstand kann keine Vorstandsmitglieder rausschmeißen“, erklärte Soenke Lauterbach, der Generalsekretär die Sichtweise des deutschen Verbandes. „Haring müsste zurücktreten oder er müsste bei der Mitgliederversammlung am Donnerstag abgewählt werden.“

„Es ist alles im Fluss“

Die FEI geht offensichtlich auf Konfrontationskurs mit dem deutschen Verband. Denn der Weltverband will eine weitere einschneidende Maßnahme umsetzen: Niemand, der laut Untersuchungsbericht Kenntnis von der unangemeldeten Behandlung gewusst hatte, darf in der FEI-Führung arbeiten. Das dürfte vor allem auf Breido Graf zu Rantzau zutreffen, weil der Präsident des deutschen Verbandes im Moment des Spritzens im Stallbereich war. Das betrifft aber auch FN-Sportchef Reinhard Wendt und den Springausschuss-Vorsitzenden Peter Hofmann. Die FEI hatte eine Untersuchungskommission eingesetzt, um die „Spritzen-Affäre“ aufzuklären. Die Ergebnisse wurden im sogenannten Stevens-Report zusammengefasst, bisher aber nicht veröffentlicht.

„Was sich dahinter genau verbirgt, konnte bei der FEI keiner sagen“, kommentierte der deutsche Generalsekretär die FEI-Ankündigungen: „Es ist alles im Fluss.“ Klar ist, dass es im Weltverband schon länger rumort. Und die Präsidentin, Prinzessin Haya, erlitt am ersten Tag der FEI-Vollversammlung in Kopenhagen eine Schlappe, als sie den Vorstand nach ihren Wünschen umgestalten wollte. Die Delegierten lehnten die Verkleinerung von 19 auf 7 Mitglieder zunächst einmal ab.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: dpa

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