Von Wolfgang Scheffler, Augusta
14. April 2008 Als Trevor Immelman fünf Jahre war alt, begegnete er erstmals Gary Player. Der mittlerweile 72 Jahre Golfprofi war schon damals das große Vorbild des kleinen Trevor, der gerade mit Golf begonnen hatte. Gemeinsam lächelten beide für ein Erinnerungsfoto in die Kamera. Seit diesem sonnigen Tag in Augusta verbindet die beiden Südafrikaner noch viel mehr: Sie sind die beiden einzigen aus dem Land am Kap der Guten Hoffnung, die jemals das Masters gewannen.
Player triumphierte 1961 als erster Ausländer beim Major im amerikanischen Bundesstaat Georgia. Exakt dreißig Jahre nach Players drittem und letztem Erfolg im Augusta National Golf Club schaffte Immelman, woran in den vergangenen Jahren seine Landsleute Ernie Els, Retief Goosen, Rory Sabbatini und Tim Clarke knapp gescheitert waren. Am Sonntag gewann der 28-jährige Südafrikaner das 72. Masters und 1,35 Millionen Dollar (860.360 Euro) Preisgeld.
Zuspruch vom Altmeister
Letzte Woche habe ich Houston den Cut verpasst, und jetzt bin ich Masters-Champion. Das ist das Verrückteste, was ich je gehört habe, sagte der Überraschungssieger. Der Sieg fiel dem aus Kapstadt stammenden Golfprofi trotz einer schwachen Schlussrunde von 75 Schlägen viel leichter, als alle erwartet hatten. Immelman, in der Weltrangliste vor diesem ersten Saisonhöhepunkt des Jahres nur auf Rang 29 notiert, feierte mit 280 (68+68+69+75) Schlägen einen Start-Ziel-Sieg, der erste Spieler seit Raymond Floyd (1976), dem dieser Coup gelang.
Player hatte wie immer mit seinem jungen Kollegen eine Proberunde gespielt und ihm wieder und wieder gesagt: Glaube an dich. Du bist gut genug, um hier zu gewinnen. Am Samstagabend rief der Altmeister seinen Landsmann noch einmal an und gab ihm den Rat, bei seinen Putts den Kopf ruhig zu halten. Die wichtigste Botschaft aber lautete: Ich weiß, dass du gewinnen wirst. Immelman spielte seiner ganzen Familie die Nachricht vor: Das hat mir unheimlich viel bedeutet.
Einbruch der Verfolger
An diesem sonnigen, aber kühlen und extrem windigen Tag, an dem Böen von bis zu 40 Kilometern in der Stunde über den Platz wehten, kamen nie Zweifel auf, dass Player Recht behalten werde, auch wenn Immelman mit einem Schlag ins Wasser am 16. Loch noch einmal ein paar bange Minuten überstehen musste. Aber da keiner aus dem Kreis der Verfolger an diesem Tag unter Par blieb, kam Immelman nie in Gefahr. Denn die Amerikaner Brandt Snedeker und Steve Flesch sowie der Engländer Paul Casey, die am Sonntag gemeinsam mit dem großen Favoriten Woods zur Jagd auf den Spitzenreiter geblasen hatten, waren zu diesem Zeitpunkt nach vielen Fehlschlägen längst einer nach dem anderen eingebrochen.
Snedeker benötigte am Sonntag 77 Schläge, Flesch (78) und Casey (79) spielten noch schlechter. Auch der Weltranglistenerste Tiger Woods, vor der Schlussrunde mit sechs Schlägen Rückstand Fünfter, kam einfach nicht in Schwung. Serienweise schob er Putts aus kurzer Entfernung am Loch vorbei. Das Erstaunlichste: Durch ein Birdie am Schlussloch und eine Par-Runde von 72 Schlägen belegte er dennoch wie im Vorjahr den zweiten Platz, diesmal sogar ganz alleine mit drei Schlägen Rückstand.
Triumph nach einem Jahr Achterbahn
Ich habe sicherlich den Ball gut genug getroffen, um Druck auf Trevor auszuüben. Aber die ganz Woche habe ich keinen Putt gelocht, klagte Woods, der zum fünften Mal bei einem der vier Traditionsturniere Zweiter wurde. Nachdem Immelman mit Hilfe von Vorjahressieger Zach Johnson, der mit elf Schlägen Rückstand den 20. Platz belegte, das grüne Siegerjackett angelegt hatte, ließ er das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren. Das war eine Achterbahnfahrt, und ich hasse Achterbahnen, sagte er. Aber vielleicht hat ihn das, was er in diesen zwölf Monaten durchmachte, gestärkt, die härteste Prüfung seiner neunjährigen Berufslaufbahn zu bestehen.
Vor einem Jahr schwächte ihn ausgerechnet beim Masters ein Parasit im Magen-Darm-Trakt, der ihn anschließend für viele Wochen außer Gefecht setzte. Im Dezember verspürte er wenige Tag nach einem Turniersieg in Sun City bei einer Golfrunde plötzlich einen stechenden Schmerz im Brustkorb. Bei einer Kernspintomographie wurde ein Tumor an seinem Zwerchfell entdeckt. Er sah aus wie ein Golfball auf einem Tee, sagte der Südafrikaner. Immelman musste ein paar Tage bangen, bis ihm die Ärzte mitteilten, dass es sich um einen gutartigen Tumor handelte. Das waren die schlimmsten Tage meines Lebens. Ich dachte ich hätte Krebs.
Von null auf hundert
Die ersten Golfschläge sechs Wochen nach der Operation am 18. Dezember waren schrecklich: Ich habe nur noch fürchterliche Fehlschläge gemacht. Ich musste wieder bei null anfangen. Seine Fertigkeit im Umgang mit Metallhölzern und Eisen kehrte nur langsam zurück. Die 15 Zentimeter lange Narbe im Rücken hat er nach seiner Rückkehr allen Kollegen immer gerne gezeigt: Sie sieht aus wie ein Dogleg, scherzte Immelman. Dass Immelman zu Beschreibung des Überbleibsels seiner Operation ein zum Grün abknickendes Loch wählte, ist kein Zufall. Der Mann entstammt einer Golffamilie.
Vater Johan war lange Jahre der Chef der südafrikanischen Turnierserie Sunshine Tour, der ältere Bruder Mark arbeitet als Golfcoach an der Columbus Universität in Georgia. Mit zwölf Jahren hatte Trevor schon Handicap null. Die Eltern nahmen eine zweite Hypothek auf ihr Haus auf, um das Talent des Filius in Orlando fördern zu lassen, wo er bis heute lebt. Seit 1999 ist er Profi, gewann dreimal auf der europäischen Tour, dreimal auf der Sunshine Tour und einmal 2006 auf der PGA Tour. Damals siegte er bei den Western Open in der Nähe von Chicago - mit zwei Schlägen Vorsprung vor Tiger Woods.
Golf, 72. Masters in Augusta/Georgia (7,4 Millionen Dollar, Par 72)
Endstand nach vier Runden:
1. Trevor Immelman (Südafrika) 280 Schläge (68+68+69+75)
2. Tiger Woods 283 (72+71+68+72)
3. Stewart Cink 284 (72+69+71+72)
3. Brandt Snedeker 284 (69+68+70+77)
5. Phil Mickelson 286 (71+68+75+72)
5. Steve Flesch (alle Vereinigte Staaten) 286 (72+67+69+78)
5. Padraig Harrington (Irland) 286 (74+71+69+72)
am Cut nach zwei Runden (147 Schläge) gescheitert:
46. Martin Kaymer (Mettmann) 148 (76+72)
71. Bernhard Langer (Anhausen) 151 (74+77)
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS
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