Paul Biedermann

„Heute ist Weltrekordzeit“

Vorgabe umgesetzt: „Okay, dann soll es so sein”

Vorgabe umgesetzt: „Okay, dann soll es so sein”

16. November 2008 Sein Trainer Frank Embacher hatte schon was geahnt. „Heute ist Weltrekordzeit“, hatte er seinem Schwimmer Paul Biedermann auf den Weg gegeben am zweiten Tag des Weltcup-Finales in Berlin. Als guter Athlet nahm der sich das zu Herzen. „Okay, dann soll es so sein“, dachte sich Biedermann, und ließ wenig später ein Finale über 200 Meter Freistil folgen, das zum Glanzlicht des Wochenendes in Berlin wurde.

Der 22 Jahre alte Biedermann bezwang nicht nur den Olympiasieger Oussama Mellouli aus Tunesien, er schwamm auch so schnell wie niemand zuvor auf dieser Distanz auf der Kurzbahn: Nach 1:40,83 Minuten schlug er an und war damit knapp drei Zehntelsekunden schneller als der Australier Ian Thorpe vor acht Jahren. „Das ist das Größte“, sagte Biedermann, „zu Hause Weltrekord zu schwimmen. Meine ganze Familie war heute dabei.“

Ein ideales Vorbild für das deutsche Team

Paul Biedermann: Überraschend Weltrekord

Paul Biedermann: Überraschend Weltrekord

Die Bestmarke kam trotz Embachers kühner Vorgabe überraschend. „Wir sind die Weltcup-Serie aus dem vollen Training geschwommen“, sagte Biedermann. Nach den Olympischen Spielen in Peking, bei denen er als Fünfter über 200 Meter Freistil zu den wenigen Lichtblicken aus deutscher Sicht gezählt hatte, legte der Europameister zunächst sechs Wochen Pause ein, bevor er wieder ins Training einstieg. „Der Weltrekord zeigt“, sagte Leistungssport-Direktor Lutz Buschkow, „dass Paul Biedermann auch das WM-Jahr nach den Olympischen Spielen ernst nimmt.“ Ein ideales Vorbild für das zuletzt so gebeutelte deutsche Team.

Dass die Führungsfigur Biedermann seine Mannschaftskollegen tatsächlich zu inspirieren vermag, zeigte sich kurz darauf im Rennen über 100 Meter Brust. Da verbesserte der erst 18 Jahre alte Marco Koch den deutschen Rekord auf 58,96 Sekunden. Ebenfalls eine nationale Bestmarke hatte Johannes Dieterich am Samstag in 22,88 Sekunden über 50 Meter Schmetterling erzielt. Zwei weitere deutsche Siege schafften Theresa Michalak über 200 Meter Lagen in 2:10,92 Minuten und Daniela Samulski über 100 Meter Rücken in 58,03 Sekunden.

Insgesamt vier Weltrekorde in Berlin

Für die Weltrekorde Nummer zwei und drei in Berlin sorgten Schwimmer aus den Vereinigten Staaten. Am Samstag hatte Peter Marshall seine eigene Bestmarke über 100 Meter Rücken auf 49,63 Sekunden gesteigert. Seinen Rekord über 50 Meter Rücken verlor er am Sonntag an Randall Bal, der die Strecke in 22,87 Sekunden schwamm.

„Ich habe den Weltrekord beim letzten Weltcup in Stockholm schon knapp verpasst, darum habe ich mir gesagt, dann eben hier“, sagte Bal. Weltcup-Gesamtsieger wurden der Südafrikaner Cameron van der Burgh und die Australierin Marieke Guehrer. Sie sorgte auch für Weltrekord Nummer vier in Berlin: Über 50 Meter Schmetterling gewann sie in 24,99 Sekunden.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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