America's Cup

Süße Rachegelüste

Von Michael Ashelm, Valencia

Der Stolz der Segelnation Neuseeland

Der Stolz der Segelnation Neuseeland

02. Juni 2007 Wen haben die neuseeländischen Segler nicht alles zu Besuch an Bord gehabt: Formel-1-Star Michael Schumacher, Neuseelands Premierministerin Helen Clark oder auch die bekannte Weltumseglerin Ellen MacArthur. So viel Prominenz auf dem Rücksitz der Rennyacht hilft erst einmal den Sponsoren, zeigt aber auch die hohen Ansprüche, mit denen die Crew die Mission vor der Costa de Valencia angeht.

„Uns interessiert nur der Sieg“, sagt Steuermann Dean Barker, was nicht unbedingt überrascht. Nachdem das erste Rennen im Herausfordererfinale gegen die italienische „Luna Rossa“ hauchdünn mit acht Sekunden Vorsprung gewonnen wurde und die Ozeanier gestern im zweiten Vergleich 40 Sekunden vorne lagen, rückt die große Revanche immer näher. Fünf Siege sind nötig, um im eigentlichen America’s Cup den Titelverteidiger „Alinghi“ herausfordern zu können. Ein sehnsüchtiges Ziel.

Das Vertrauen ist zurück

Die kleine Nation am Ende der Welt verharrte im Schockzustand, als vor vier Jahren die eigenen Segler ihre größte Blamage erlebten. Nicht nur, dass im Finale des America’s Cup der Titel verloren ging. Nein, die Alpenrepublik Schweiz mit dem Neuling „Alinghi“ stahl ihnen die Schau, während das neuseeländische Boot in elender Verfassung auf dem Wasser des Hauraki Golfs vor Auckland trieb – fahruntüchtig nach einem Material-Desaster.

Die dunkelsten Stunden sind zwar noch nicht vergessen, doch seit das „Team New Zealand“ vor Valencia von einem Erfolg zum nächsten durchs Wasser fährt, ist das Vertrauen zurück. Selbst der große Segel-Heros Russell Coutts, zu Hause in Ungnade gefallen nach seinem Wechsel zu „Alinghi“, wo er inzwischen auch im Streit schied, sieht seine Landsleute im Vorteil. „Unter dem Strich würde ich sagen, das Team New Zealand ist der Favorit in diesem Finale“, sagte Coutts vor wenigen Tagen wohlwollend.

„Ich denke noch nicht an Alinghi“

Die Rennyacht mit der Segelnummer „NZL 92“ ist unter verschiedenen Windbedingungen schnell zu fahren, auf die Materialstärke kann im Gegensatz zum vergangenen America’s Cup vertraut werden und die Crew an Bord wirkt konzentriert und eingespielt. Wichtige Grundvoraussetzungen, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Geht das Boot nach dem Start erst einmal in Führung, ist es kaum mehr einzuholen, so die ersten Erkenntnisse dieses Finals. Die alte neuseeländische Stärke scheint zurück zu sein.

Im Mittelpunkt des großen Gegenangriffs steht Steuermann Dean Barker, der mit 34 Jahren auf seiner Position zwar zu den jüngeren Lenkern gehört, aber schon über einen reichhaltigen Erfahrungsschatz verfügt. Als die Neuseeländer 1995 den Cup erstmals gewannen, gehörte er zeitweise zur Crew. Bei der erfolgreichen Titelverteidigung im Jahr 2000 lenkte er schon das Zweitboot im Training gegen den großen Chef Russell Coutts und durfte im letzten Finalrennen gegen die „Luna Rossa“ den entscheidenden Punkt zum Triumph einfahren. Als er vor vier Jahren den Job vom abgewanderten Coutts dann übernahm, verfolgte ihn das Pech. Die Neuseeländer floppten, verloren den Titel, weshalb Barker dieses Mal besondere Rachegelüste verspüren dürfte. Zudem fehlt ihm ein großer Triumph, um endlich aus dem Schatten seiner großen Vorgänger zu treten. „Ich denke noch nicht an Alinghi“, betont Barker immer wieder – er gilt als ausgesprochen zielstrebig.

Ob der Vergleich mit den Italienern so glatt ausgehen wird, wie es sich nach den ersten zwei Rennen des Herausfordererfinals andeutet, bleibt abzuwarten. Die Crew der „Luna Rossa“ hatte in den vergangenen Wochen ebenfalls viel Dynamik gezeigt, jedoch konnte Steuermann James Spithill, weitere sieben Jahre jünger als Barker, bislang seine gewohnte Aggressivität am Start nicht ausspielen. Wohl haben die Neuseeländer auch die richtigen Begleitmaßnahmen für ihre Mission getroffen. In Valencias Yachthafen verteilten Helfer rote Socken und Kiwi-Früchte an die Zuschauer – zwei Symbole als Zeichen des starken Rückhalts.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, REUTERS

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