Von Tobias Käufer, Mar del Plata
21. November 2008 Für den historischen Moment können die Bildschirme nicht groß genug sein: Auf einer riesigen Leinwand werden mehr als 20.000 Fans am Strand von Mar del Plata das mit Spannung erwartete Davis-Cup-Finale zwischen Argentinien und Spanien verfolgen.
Seit Tagen sind die Arbeiter damit beschäftigt, die beeindruckende Konstruktion für die geplante Riesensause aufzubauen. Die Stadt ist seit Wochen wie elektrisiert. Das Eröffnungseinzel bestreiten am Freitag David Nalbandian und David Ferrer, danach kämpfen Juan Martin Del Potro und Feliciano Lopez um die wichtigen Punkte des ersten Tages.
Astronomische Summen auf dem Schwarzmarkt
Nachdem der Internationale Tennis-Verband (ITF) entschied, dass die Argentinier nicht wie von ihnen gewünscht in Cordoba, sondern in Mar del Plata nach der Krone im Welttennis greifen müssen, überbieten sich die Restaurants und Bars mit der Installation von Großbildleinwänden, um für den Ansturm der Fans gerüstet zu sein.
Die Hotelpreise verdoppelten sich, auf dem Schwarzmarkt werden astronomische Summen für eine Eintrittskarte in die knapp 11.000 Zuschauer fassende Endspielarena Islas Malvinas verlangt. In den freien Verkauf gelangten ohnehin nur knapp 2000 Tickets, die in Windeseile vergriffen waren. Der Rest war für die vornehme argentinische Tennisfamilie reserviert, wer auch immer das sein mag.
Argentiniens Zeit ist gekommen
Doch das kleine Scharmützel mit der ITF über den Austragungsort ist längst vergessen: Die Euphorie rund um David Nalbandian und Juan Martin Del Potro ist riesengroß: Davismania (die es auch in Deutschland einmal gab: Tennis: Als Deutschland noch Davis-Cup-Nation war) titelt die argentinische Tageszeitung La Nacion mit Blick auf die riesige Erwartungshaltung im Lande. Die Trainingseinheiten auf dem blauen Belag der futuristischen Arena werden von den Fernsehsendern bis ins Detail seziert, jede Äußerung der Hauptdarsteller von den Medienvertretern aufgesogen. Eigentlich kann gar nichts mehr schiefgehen, sind sich die argentinischen Experten allesamt einig. In einer bizarren Hochrechnung errechnen die weisen Tennispropheten des Landes in den Tageszeitungen eine Siegchance der argentinischen Gastgeber von 88 Prozent.
Vor allem die verletzungsbedingte Absage des spanischen Weltranglistenersten Rafael Nadal (siehe: Persönliches Saisonende: Nadal an der Grenze der Belastbarkeit) lässt die Gastgeber hoffen, dass es erstmals nach 1981 und 2006 mit einem Sieg im Finale klappt. Die Abstinenz des spanischen Superstars werten die Argentinier als Wink des Schicksals, dass ihre Zeit endlich gekommen ist. Es tut mir leid, dass er nicht kommt, sagt der argentinische Kapitän Alberto Mancini höflich, um dann gleich zum Kern der Sache zu kommen. Alle Argentinier hätten ihn sicher gerne gesehen. Aber es ist auch so, dass uns ganz Argentinien als Davis-Cup-Sieger sehen will. Und auch Juan Martin Del Potro ist ehrlich genug, zuzugeben, dass die Nadal-Absage die Sache für uns natürlich etwas einfacher macht.
Seit 13 Heimspielen unbesiegt
Wie sehr sich die südamerikanische Tennisseele einen Sieg in Mar del Plata wünscht, weiß auch David Nalbandian: Die fünf Matches in Mar del Plata sind die wichtigsten Spiele in der Geschichte des argentinischen Tennis. Dieses Finale ist eine einmalige Chance für uns. Argentinien setzt gegen die erstaunlich wortkargen Spanier vor allem auf die eigene Heimstärke. Ihre Bilanz ist beeindruckend: Die Argentinier sind seit 13 Heimspielen unbesiegt. Nalbandian, auf der Tour oft Formschwankungen unterworfen, ist in Davis-Cup-Heimspielen mit einer Bilanz von 10:1 eine echte Bank.
Für die Außenseiter aus Spanien ist derweil nur die Rolle der Statisten vorgesehen: Für Kapitän Emilio Sanchez wurden die Sorgen nach der Absage Nadals nicht kleiner: Die Verletzungsprobleme und Formschwächen von Fernando Verdasco und Co sind für Sanchez Grund genug, sich mit optimistischen öffentlichen Äußerungen zurückzuhalten. Die Probleme sind groß: Verdasco plagt eine Fußverletzung, David Ferrer ist seit Wochen außer Form: Der Weltranglistenzwölfte hat seit Juli keinen Spieler aus den Top-100 mehr bezwungen. So ruhen die Hoffnungen auf Feliciano Lopez, eigentlich die nominelle Nummer vier.
Davon träumst du, seit du ein kleiner Junge bist
Angesichts der großen Probleme hat sich Verdasco für einen pragmatischen Ansatz entschieden: Wir müssen in den Einzeln und den Doppeln einfach eine gute Mannschaftsleistung abliefern. Das Wichtigste ist, den Pokal zu gewinnen und nach Spanien zu bringen. Davon träumst du, seit du ein kleiner Junge bist.
Vielleicht hilft da die Unterstützung von Ana Ivanovic: Die hübsche Freundin von Fernando Verdasco und French-Open-Siegerin ist eigens nach Argentinien gereist, um den leidgeplagten Iberern in der Höhle des Löwen mit ihrer Anwesenheit ein wenig moralische Unterstützung zu leisten. Ob die Anwesenheit des serbischen Stars allerdings ausreicht, um im Hexenkessel zu Mar del Plata zu bestehen, steht auf einem anderen Blatt. (siehe auch: Tennis: Als Deutschland noch Davis-Cup-Nation war)
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Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, picture-alliance/ dpa