06. August 2005 Carolina Klüft ist fröhlich und ausgelassen wie immer. Sie zappelt auf ihrem Stuhl herum, strahlt und lacht. Ihre Autogramme malt sie mehr, als daß sie sie schreibt. Und sie hängt an alle ein riesengroßes Herz dran. Nur bei einer Frage verfinstert sich für kurze Zeit die Miene der Königin der Leichtathletik.
Als ein Journalist wissen will, ob sie, die Olympiasiegerin, Weltmeisterin und Europameisterin im Siebenkampf, bei der WM in Helsinki den Weltrekord von Jackie Joyner-Kersee (7291 Punkte bei Olympia 1988) angreifen will, versteht die Schwedin keinen Spaß mehr. Nein, nein, erwidert sie bestimmt: Dieser Rekord ist zu gut. Und wenn ich sagen würde, daß ich ihn brechen will, wäre das einfach ein zu großer Druck.
Ohne Spaß würde sie ihre Karriere beenden
Druck paßt überhaupt nicht in das Weltbild der Meisterin aller Klassen, die in ihrer Heimat vor Königin Silvia zur Persönlichkeit des Jahres 2004 gewählt wurde. Ihr Lieblingswort ist Spaß. Sie verwendet es bei nahezu jeder Gelegenheit. Natürlich sei ein Sieg toll, aber das Beste sei der Spaß beim Wettkampf. Und überhaupt, wenn sie im Training und im Wettkampf keinen Spaß mehr habe, so versichert die 22 Jahre alte Blondine mit den blau-gelb lackierten Fingernägeln, würde sie sofort ihre Karriere beenden.
Doch auch, wenn sich Carolina Klüft das nicht anmerken läßt, ist der ungeliebte Druck auf die Seriensiegerin riesengroß. Die Journalisten erwarten Bestmarken, die Fans eine abermals große Show ihres Lieblings. Die Konkurrenz, allen voran die formstarke Französin Eunice Barber, lauert auf eine Schwäche, um Carolina, die Große zu stürzen.
Vom Starfotografen in Szene gesetzt
Ich habe mir vorgenommen, meine persönliche Bestmarke von 7001 Punkten zu übertreffen, sagt die Schwedin und spekuliert damit zumindest auf den Europarekord der Russin Larissa Nikitina (7007): Ob das zu Gold reicht, ist für mich zweitrangig. Wenn eine andere besser ist, werde ich ihr von Herzen gratulieren, nach Hause fahren und noch härter arbeiten.
Von dem Star-Fotografen Jason Bell hat sich die 22jährige in einem zweitägigen Shooting in sieben Motiven in Szene setzen lassen. Die Bilder zeigen Carolina als Naturkind, aber auch ernster und erwachsener als man es von ihr gewohnt ist. Auf die Fotos ist sie sehr stolz, auch wenn Mama gemeint hat, sie wären vielleicht ein bißchen zu sexy.
Alles andere als eine Diva
Bell, der schon mit Stars wie Robbie Williams und David Beckham arbeitete, war von der Ausstrahlung der Schwedin sehr angetan. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der so unkompliziert ist wie sie, beteuert der Brite: Sie ist alles andere als eine Diva. Manchmal brauchten wir Stunden für ein Bild, und sie muß wirklich gefroren haben. Aber sie hat nie gemeckert.
Text: FAZ.NET mit Material von sid.
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS