16. Oktober 2005 Der Münchner Faris Al-Sultan sprach nach seinem Sieg beim Ironman auf Hawaii im Interview mit der F.A.Z. über seine Wünsche für die Zukunft, seine Vorbilder und seine Vorfreude auf die kommenden Verhandlungen mit Sponsoren.
Ein Ur-Bayer als Sieger auf Hawaii. Hat Sie das überrascht?
Es sind vielleicht zwanzig Athleten, die Hawaii gewinnen können, und ich habe geglaubt, daß ich das Potential dafür habe. Ich bin jetzt 27, da hat man als Triathlet noch sechs, sieben Jahre Zeit. Einmal hat man einen Platten, einmal paßt das Wetter nicht, einmal passiert irgend etwas anderes. Aber einmal kann auch alles funktionieren, und das ist eben jetzt passiert.
Frankfurt und Roth, die großen deutschen Triathlons, werden sich jetzt um Sie streiten. Bleibt es bei Roth wie bisher?
Ich habe eine Abmachung mit Roth, daß ich dort starten würde, wenn ich hier auf Hawaii einen Platz zwischen zwei und 1798 belege. Bei Platz eins haben wir gesagt, wir verhandeln noch einmal neu.
Die nächsten Tage und Wochen wird einiges auf Sie einstürzen. Sind Sie darauf vorbereitet?
Auf der einen Seite ist es natürlich schön, wenn alle etwas von einem wollen. Du bist der Mann der Zukunft, so etwas zu hören, das ist schon lustig, und das freut mich auch. Auf der anderen Seite weiß ich, wie das ist: Wenn du Erfolg hast, sind alle freundlich zu dir. Ich werde mich jetzt nirgendwo aufdrängen. Und ich muß auch nicht jeden Blödsinn machen. Wok-WM mit Stefan Raab, so etwas ist nichts für mich, da würde ich einfach sagen, nein, auch wenn ich nur ein kleiner Popel-Triathlet bin. Ansonsten habe ich jetzt eine wunderbare Verhandlungsposition mit den Sponsoren. Mein Marktwert ist gestiegen, klar, das werde ich auch einbringen. Aber ich werde nicht anfangen, meine alten Sponsoren auszuwechseln, nur weil ich woanders tausend Euro mehr bekomme.
Suchen Sie sich jetzt einen Manager?
Ich bin nicht so der Typ für einen Manager. Ich kenne meine Sponsoren seit ewigen Zeiten, das ist ein persönliches Verhältnis. Wenn ich jetzt plötzlich mit einem Manager auftauche, wie schaut denn das aus?
Ein gewaltiges Ziel erreicht zu haben kann auch Probleme aufwerfen. Ein zweites Mal auf den Gipfel zu steigen fällt oft schwerer, weil Motivation und Antrieb abnehmen.
Das ist schon so, aber ich sage: Ein großer Champion muß überall und unter allen möglichen Bedingungen gewinnen können. Hellriegel ist so einer. Er hat Hawaii gewonnen, Kanada, Lanzarote, Neuseeland, er hält phantastische Streckenrekorde, das ist ein Champion, er hatte eine Zeit, da war er unschlagbar. Er ist noch immer eine andere Liga als ich, damit kann ich mich nicht vergleichen. Oder Lothar Leder - ein Champion. Er hat in meinem Alter alles gewonnen, Langstrecke und Kurzstrecke. Er hat ein viel breiteres Spektrum als ich im selben Alter.
Sie haben sich auch schon einmal auf der Kurzstrecke versucht. Sind Sie jetzt Langstreckenathlet aus Überzeugung? Was halten Sie von den Kaderstrukturen des Triathlonverbandes, der DTU?
Ich hatte das Angebot, mal mit dem DTU-Kader am Olympiastützpunkt in Saarbrücken zu trainieren, aber es hat sich nie ergeben. Es gibt dort Trainingsbedingungen, die sind optimal. Auf der anderen Seite: Es gibt manche Leute in Saarbrücken, die führen kein Leben mehr. Sollte Triathlon einmal verboten werden, hätten sie ein Problem. Für mich ist es auch wichtig, andere Leute zu kennen, außerhalb des Triathlons. Klar, wenn alle sagen, Triathlon, Triathlon, Triathlon, super Sultan, das ist ganz nett. Aber mir tun auch Leute gut, die sagen, Triathlon, was ist das für ein Scheißdreck. Triathlon ist schön, Profidasein ist Luxus, aber nur das und sonst nichts - das ist öde.
Die Fragen stellte Michael Eder.
Text: F.A.Z. vom 17. Oktober 2005
Bildmaterial: AP