Von Frank Heike
06. Dezember 2007 Im Alltag erlebt Sabine Englert trostlose Lehrstunden für den Gegner, wie zuletzt beim 59:15 gegen UHC Eggenburg. Man langweilt sich meistens als Torhüterin von Hypo Niederösterreich. Zum österreichischen Schwergewicht des Frauenhandballs ist Englert im Sommer gewechselt. In eine Liga, die die sündhaft teure Wiener Weltklasse-Mannschaft nach Belieben dominiert - in der für eine Torfrau von Format aber wenig Arbeit bleibt. Da kommen Spiele wie am Dienstag mit der deutschen Nationalmannschaft gerade recht.
In der dritten Vorrundenpartie der Weltmeisterschaft in Frankreich zeigte Sabine Englert eine überragende Leistung und war maßgeblich daran beteiligt, dass die Frauenauswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zum ersten Mal bei einem großen Turnier gegen Südkorea gewann. Sie hat heute eine Weltklasse-Leistung geboten, sagte Bundestrainer Armin Emrich nach dem überraschend deutlichen 32:26 gegen die Asiatinnen. Vier gehaltene Siebenmeter und mehr als ein Dutzend freie Würfe von außen und aus dem Rückraum parierte die 26 Jahre alte Aschaffenburgerin, die bis zu ihrem Wechsel für Bayer Leverkusen spielte.
Erst Spanien, dann Ungarn, Polen und Rumänien
Schon im ersten Spiel gegen die Ukraine hatte Englert herausragend gehalten. Ich bin eine Turnierspielerin, sagte sie, da läuft es bei mir immer gut. Ich merke jetzt auch, dass ich schon eine erfahrene Torhüterin bin. Davon profitiere ich. Dass Teamarbeit unter den Keepern nicht nur im Männerhandball traditionell zu den deutschen Stärken gehört, zeigte das Gespann Englert/Woltering: Gleich nach der Pause kam Woltering einmal von der Bank, hielt einen Siebenmeter, und danach zog Deutschland zwischen der 37. und 42. Minute mit sechs Toren in Folge davon. Es zahlt sich aus, dass wir mit Andreas Thiel zusammenarbeiten, sagte Englert, die schon im vierten Jahr vom ehedem besten deutschen Torwart angeleitet wird.
Die Asiatinnen gehören im Frauenhandball zu den ganz großen Nummern und sind mit ihrem pfeilschnellen und harten Spiel ein unbequemer Gegner. Deutschland geht nun ohne Minuspunkte in die an diesem Donnerstag mit dem Spiel gegen Spanien beginnende Hauptrunde (18.30 Uhr / FAZ.NET-Liveticker). Zur Mittagszeit traf Emrichs Team am Mittwoch von Nantes kommend in Dijon ein. Dort werden neben der Hauptrunden-Auftaktpartie dann die Spiele am Samstag gegen Ungarn, am Sonntag gegen Polen und am Dienstag gegen Rumänien ausgetragen.
Das ist die beste Mannschaft der letzten Jahre
Der hohe Sieg gegen Südkorea lässt die ohnehin selbstbewussten Deutschen in den Kreis der Medaillenanwärter aufsteigen. Unser Selbstvertrauen ist nach den drei Siegen in der Vorrunde enorm angestiegen, sagt die am Dienstag beste Torschützin Grit Jurack - ihr gelangen elf Treffer aus dem Rückraum. Englert meinte: Wir kennen die Gegner, die kommen, und können jeden schlagen. Um ins Viertelfinale einzuziehen, muss Deutschland wenigstens Vierter seiner Gruppe werden.
Mit bester Stimmung in der Mannschaft soll nun Großes erreicht werden: Das ist die beste Mannschaft, die wir in den letzten Jahren hatten, sagt Jurack. Die Zuversicht im ausgeglichen besetzten deutschen Team dämpft der stets besonnene Bundestrainer mit Blick auf die kommenden Aufgaben: Was jetzt kommt, ist die absolute Weltklasse. Wir werden uns Schritt für Schritt weiter auf die nächsten Gegner vorbereiten. Das hat sich bewährt. Da bleibt unsere Philosophie unverändert, sagt Emrich.
Die Ligen kann man vom Niveau nicht vergleichen
Nach dem beruhigenden Sieg gegen die Ukraine, dem Spaß-Spiel gegen Paraguay und dem Bonus-Erfolg gegen Südkorea (die Punkte werden mit in die Hauptrunde genommen) zeichnet sich eine deutsche Mannschaft ab, die auf eine sehr starke Abwehr bauen kann. Im Angriff hingegen läuft es nicht rund: Welthandballerin Nadine Krause hat noch nicht ins Turnier gefunden und zeigte ihre Qualitäten gegen Südkorea nur als Anspielerin. Andere erfüllten ihre Aufgaben zur vollsten Zufriedenheit von Emrich: die für den Kreis nachnominierte Kathrin Blacha mit fünf Toren oder Stefanie Melbeck, die am Anfang mithalf, die Deutschen in die Spur zu bringen. Es gibt also noch deutliches Steigerungspotential in der Mannschaft.
Noch einmal zurück zu Sabine Englert. Sie ist ein ziemlicher Exot, denn zum Sommer zogen ja fünf ihrer Kolleginnen nordwärts nach Dänemark. Englert hatte auch von dort Angebote, doch sie kamen zu spät, nachdem sie sich schon für den Wechsel nach Österreich entschieden hatte. Die Ligen kann man vom Niveau her nicht vergleichen, sagt sie. aber im Oktober hat ja die Champions League angefangen, dadurch hatte ich Spiele, in denen ich richtig gefordert war. Ansonsten spielt Hypo auch gern mal gegen die eigene B-Jugend, die männliche, versteht sich, um wenigstens etwas gefordert zu werden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP