Von Michael Horeni
25. März 2008 Die Fitnesstests bei der Fußball-Nationalmannschaft sind seit dem Abschied von Jürgen Klinsmann etwas aus der Mode gekommen. Mit der regelmäßigen Überprüfung ist es unter seinem Nachfolger Joachim Löw nun nicht mehr ganz so weit her. Ist ja auch wirklich nicht so schön, wenn die Werte bei den Tests dann auch nicht so ausfallen, wie man sich selbst und der Trainer das wünscht. Ich kann das jetzt gut verstehen. Denn Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe, die Fitnesstrainer der Nationalelf, haben mich als Hobby-Sportler jedenfalls nicht aus der Kontrollpflicht entlassen.
Kurz vor dem Länderspiel gegen die Schweiz war es jetzt soweit - der letzte große Text vor dem Endspurt bis zur Europameisterschaft stand auf dem Programm. Um genau zu sein, waren es eigentlich drei Tests. Der erste war wieder diese Sache mit den Omega-Wellen, danach musste ich den Functional Movement Screen machen und zum Schluss einen Ausdauertest auf dem Laufband.
Als müsste gleich der Arzt kommen
Das mit den Omega-Wellen kannte ich schon vom letzten Oktober und den Functional Movement Screen hatte ich zum Start mit Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe schon im September gemacht. Nur der Ausdauertest, vor dem ich den größten Respekt hatte, war neu für mich. Aber erst einmal muss ich mich wieder wie ein Patient in Notfallklinik auf die Pritsche legen. Oliver Schmidtlein brachte überall Kabel und Klammern an meinem weitgehend von Kleidung befreiten Körper an, dazu kleine, fies an den Haaren klebende Sonden, auf deren Kopf sich die Anschlüsse befanden. Nach ein paar Minuten war ich so verdrahtet, dass es so aussah als müsste gleich der Arzt kommen, nicht der Trainer.
Es handelt sich dabei aber um eine spezielle Form der Leistungsdiagnostik mit Hilfe der so genannten Omega-Wellen. Das Verfahren kommt eigentlich aus der Sowjetunion. Die Sportführung überlegte sich damals, wie man - abgesehen von Doping - besser und gezielter trainieren könne. Punktgenau. Jeden Tag aufs Neue. Es werden nun an mir rund eine Viertelstunde lang Daten gewonnen. Im Ruhezustand und bei geschlossenen Augen. Reden darf man auch kein Wort.
Es könnte aber auch Stress sein
Beim ersten Test hatte sich gezeigt, dass meine Fitness sich für mein Alter im Durchschnitt bewegte. Im aeroben Bereich sah es im September sogar ganz gut aus. Das wochenlange Joggen im moderaten Tempo hatte Wirkung gezeigt. Ich hoffte jetzt natürlich auf deutlich bessere Ergebnisse. Aber Schmidtlein legte die Stirn in Falten, als er die neuen Werte betrachtete. Seine Fragen gefielen mir gar nicht. Hast du in den letzten Wochen Dinge getan, die du sonst nicht machst, fragte er. Nicht dass ich wüsste. Woran denkst du?, entgegnete ich. An Alkohol zum Beispiel, sagte er. Das war aber nicht der Rede wert. Ich hatte nicht mal Ostereier mit Likör zu mir genommen. Nein, konnte ich guten Gewissens antworten.
Es könnte aber auch Stress sein, sagte Schmidtlein, ungewöhnliche Belastungen. Ob ich vielleicht weniger als sonst geschlafen hätte. Tatsächlich waren die letzten Wochen ziemlich turbulent und schlecht geschlafen hatte ich auch. Das sieht man, sagte Schmidtlein beim Blick auf die Daten. Er verordnete mir für die kommenden Tage regeneratives Joggen, mit einem Puls konstant zwischen 135 bis 155. Bei Klinsmann wäre ich bestimmt durchgefallen. Bei den anderen Tests aber hellte sich Schmidtleins Miene deutlich auf. Für die genaue Auswertung aller drei Tests braucht es aber noch ein bisschen. Aber jetzt passt das regenerative Programm für mich ohnehin perfekt: Zwei Wochen Osterurlaub mit viel Schlaf. Hat mir sozusagen mein Fitnesstrainer verschrieben.
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Text: FAZ.NET
Bildmaterial: Wonge Bergmann
