Tennis

Vierter Masters-Triumph für Roger Federer

18. November 2007 David Ferrer war schnell klar, dass er gegen diesen Gegner nichts zu bestellen hatte. Frustriert zertrümmerte der 25jährige Tennisprofi aus Valencia nach dem letzten Ballwechsel des zweiten Satzes seinen Schläger. Mit großem Kampfgeist hatte der Aufsteiger der Saison, der sich von Weltranglistenplatz 14 auf Position fünf vorgearbeitet hat, vier Satzbälle von Roger Federer abgewehrt, um dann dennoch machtlos den fünften vorbeirauschen zu sehen.

Es war eine der wenigen Gelegenheiten, die Federer seinem Konkurrenten gestattete, die Begegnung vielleicht doch noch zu drehen. Schon im ersten Satz gewann der Schweizer gleich vier Spiele zu null. Und wenn Ferrer mal ein brillanter Schlag gelang, schlug er nur Sekunden später leichte Bälle ins Netz. Federer dagegen blieb stets locker und hochkonzentriert. Als er sich dann auch noch im ersten Spiel des dritten Satzes behauptete, dem einzigen, in dem Federer ein Break drohte, war der Widerstand des Spaniers gebrochen. Nach nur einer Stunde und 38 Minuten verwandelte Federer seinen ersten Matchball zum 6:2, 6:3 und 6:2. Für den Weltranglistenersten war es der vierte Triumph im fünften Masters-Finale nacheinander. Federer bleibt der Herrscher von Schanghai.

Federers Konkurrenz hatte sich Hoffnungen gemacht

Ferrer hatte trotz der deutlichen Niederlage sein Lächeln nicht verloren: „Dieses Jahr war perfekt. Für mich ist es schon gut, unter den besten zehn, 15 Spielern der Welt zu sein. Ich bin nicht jemand, der es mit Nadal, Djokovic oder Federer aufnehmen könnte. Die bewegen sich auf einem ganz anderen Niveau.“

Dabei hatte sich die Konkurrenz durchaus Hoffnungen gemacht, Federers Siegesserie in China zu stoppen. Der war mit immerhin acht Saisonniederlagen angereist. So viele hatte er sich in den vergangenen vier Jahren als Nummer eins der Tenniswelt noch nie geleistet. Prompt verlor Federer in Schanghai auch sein erstes Gruppenspiel gegen Fernando Gonzalez (6:3, 6:7, 5:7). Auch beim Sieg gegen Nikolai Dawidenko (6:4, 6:3) leistete sich der Weltranglistenerste eine ungewohnt hohe Fehlerquote. Während Federer schwächelte, gelang Ferrer bis zum Endspiel eine glänzende Turnierwoche. Souverän besiegte er Novak Djokovic, Rafael Nadal und Richard Gasquet, um dann im Halbfinale Andy Roddick zu deklassieren.

„In einer anderen Liga“

Da hatte Federer längst wieder bewiesen, warum er auch am Ende dieses Tennisjahres der Konkurrenz weit entrückt bleibt, auch wenn der Punkteabstand in der Weltrangliste 2007 geschmolzen ist. Sowohl in seinem letzten Gruppenspiel gegen Roddick als auch im Halbfinale gegen Nadal, immerhin den zweitbesten Tennisspieler der Welt, brauchte der Schweizer nicht einmal eine Stunde zum Sieg. In Paris hatte Nadal noch über Federer triumphiert. In Schanghai wurde der Mallorquiner deklassiert. Am Ende eines langen Tennisjahres habe er doch wieder alles richtig gemacht, meinte Federer sichtlich entspannt: „Ich habe über 80 Matches gespielt dieses Jahr, und damit war es wieder ein anstrengendes Jahr. Ich wusste, dass es ein paar Niederlagen mehr geben wird. Aber ehrlich, ich hab' mich gut gefühlt. Es war ein Superjahr. Ich hoffe, nächstes Jahr werde ich noch stärker zurückkommen.“

Die Worte klangen wie eine Drohung. Schon in diesem Jahr spielte Federer „in einer anderen Liga“, wie der bedauernswerte Ferrer zugeben musste. Die drei Grand Slams in Melbourne, Wimbledon und Flushing Meadows gewann Federer und zwei Masters-Turniere obendrein. Nur bei den French Open musste sich Federer Nadal geschlagen geben.

Billigste Karte teurer als ein Monatslohn

Solche Ausnahmeathleten lieben die Chinesen. 15.000 Tennisfans füllten beim Finale das futuristische Qu-Zhong-Stadion weit vor den Toren der Stadt bis auf den letzten Platz. Das Saisonfinale der besten acht Tennisspieler der Welt ist ein Ereignis für die Schanghaier, auch wenn die billigste Karte mehr kostet, als ein chinesischer Bauarbeiter im Monat verdient.

Federer bewegt sich in ganz anderen Dimensionen. Mit den 1,2 Millionen Dollar, die er in Schanghai einnahm, füllte sich sein Preisgeld-Konto auf die Saisonbestmarke von 8.630.620 Dollar. „Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Jahr“, sagte Federer. 2008 könnte er den Titel-Rekord der Amerikaner Ivan Lendl und Pete Sampras einstellen, die bei der ATP-WM je fünfmal triumphiert haben.

Apropos Sampras: In dieser Woche kommt es in Asien zum dreimaligen Aufeinandertreffen zwischen dem bislang erfolgreichsten Spieler überhaupt, Sampras, und dem aktuellen Branchenführer. Das werde kein Schaukampf, verspricht Federer. Sampras ist zwar vor vier Jahren zurückgetreten, aber er habe erst kürzlich mit ihm trainiert, und der Amerikaner sei topfit: „Er war einer meiner Lieblingsspieler zusammen mit Boris Becker. Darum freue ich mich auf ein gutes Spiel.“



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS

 
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