22. September 2006 Thomas Haas hat mit einer peinlichen Vorstellung das Auftaktmatch im Daviscup-Abstiegsspiel gegen Thailand verloren. Erschreckend schwach und am Ende von Krämpfen geplagt, unterlag die Nummer eins der Tennis-Nationalmannschaft Danai Udomchoke am Freitag in Düsseldorf mit 3:6, 6:2, 6:7 (6:8), 6:3, 3:6.
Dank Florian Mayer bleibt die Relegationspartie gegen den krassen Außenseiter aber spannend. Nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle schaffte der Bayreuther ein 3:6, 7:6 (7:4), 3:6, 6:2, 6:3 gegen Paradorn Srichaphan und sorgte damit für den 1:1-Ausgleich. 0:2 wäre eine Katastrophe gewesen, sagte der sichtlich erleichterte Mayer. Wir waren alle 99-prozentig davon ausgegangen, daß Haas gewinnt. Aber man hat gesehen, Daviscup ist eben etwas Spezielles.
Er war total locker und hat Spaß gehabt
Unsicher war er in die Partie gegen den überraschend starken Srichaphan gegangen. Er war total locker und hat Spaß gehabt. Ich dagegen war verkrampft und habe am Ende auch fast Krämpfe bekommen, meinte der 22jährige. So wie Haas, der nach seiner blamablen Leistung meinte: Er hat nur solide gespielt. Und ich war selber schuld, daß es so gelaufen ist. Hoffentlich gewinnen wir noch, sonst wird es mein schlimmster Daviscup überhaupt.
Zwei Punkte fehlen dem Team von Bundestrainer Patrik Kühnen aus dem Doppel an diesem Samstag (13.30 Uhr/DSF), das Alexander Waske/Michael Kohlmann gegen die Zwillinge Sanchai und Sonchat Ratiwatana bestreiten, sowie den beiden Einzeln am Sonntag, um den Verbleib in der Weltgruppe zu sichern.
Ich weiß es nicht; es ist passiert
Humpelnd verließ Haas nach dem 3:20 Stunden langen Match den Center Court im Rochusclub und suchte stinksauer nach Erklärungen. Es hat mich schon ein bißchen überrascht, wie stark er gespielt hat und wie schlapp ich mich gefühlt habe. Eine gute Stunde wurde er von Team-Physiotherapeut Klaus Eder behandelt, aber der Ärger über die blamable Leistung blieb. Auch im fünften Satz hätte ich die Partie noch umbiegen können, meinte der 28jährige selbstkritisch.
Haas rätselte, warum er die Partie nach souveränem Beginn aus der Hand gegeben hatte. Ich weiß es nicht; es ist passiert, sagte er und zog seine Kappe noch tiefer ins Gesicht. Jeder Schritt, jede Bewegung tat ihm weh, und selbst ein Wutausbruch war nicht mehr drin. Dafür habe ich keine Kraft mehr, sagte Haas. Auch Eder hatte keine Erklärung parat. Tommy ist topfit hierher gekommen und trainiert seit einer Woche in Düsseldorf, erklärte der Physiotherapeut, der auch die Fußball-Nationalmannschaft betreut.
Das ist das beste Ergebnis meiner Karriere
Damit hätte ich im Traum nicht gerechnet. Das ist das beste Ergebnis meiner Karriere, sagte der hinter Srichaphan zweitbeste Thailänder. Der in der Weltrangliste nur an Position 113 und damit 99 Plätze schlechter als Haas geführte Udomchoke hatte in Peking vorige Woche aufhorchen lassen, als er überraschend das Viertelfinale erreichte.
Srichaphan, der bei dem Hartplatzturnier in China sogar ins Halbfinale kam, konnte mit einer unverhofften Führung in die Partie mit Mayer gehen, der mit dem ersten Erfolg in seinem dritten Daviscup-Einsatz den Ausgang der Partie wieder offen machte. Für Srichaphan war es im achten Sandplatz-Match des Jahres die achte Pleite.
Wen sollen sie dann noch schlagen?
Jurastudent Udomchoke hat in den vergangenen drei Jahren nicht ein Match auf Sand gespielt. Dennoch setzte er den hoch favorisierten Haas mächtig unter Druck und blamierte ihn schließlich bis auf die Knochen. Von der erwarteten Überlegenheit des Weltklassespielers mit Ambitionen auf die Teilnahme an der WM der besten acht Tennisprofis war nichts zu spüren.
Wenn Haas & Co. diese Begegnung verlieren, können sie eigentlich gleich aufhören, für Deutschland zu spielen. Wen sollen sie dann noch schlagen? fragte Boris Becker in seiner Handelsblatt-Kolumne. Auch Srichaphan sei keine Hürde: Er ist ein sehr guter Hartplatzspieler, aber auf roter Asche trifft er kaum einen Ball. Gegen Mayer sah das freilich lange Zeit ganz anders aus. Ob Haas angesichts seiner Schlappheit am Sonntag zum Spitzenspiel antreten wird, ließ er offen.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS