09. Juli 2009 Es hat lange gedauert – aber nun sind sich die Frankfurt Skyliners und Murat Didin einig. Der türkische Cheftrainer des Basketball-Bundesligaklubs unterzeichnete am späten Mittwochabend einen Einjahresvertrag mit den Skyliners. „Nein, es waren keine harten Verhandlungen“, sagte Didin tags darauf dieser Zeitung und klang dabei fast ein wenig bedrückt: „Ich habe mein Wort gegeben. Also habe ich unterschrieben. Und ob ich jetzt mehr oder weniger verdiene, das ist nicht so wichtig.“ Nun folgt also die vierte Skyliners-Saison unter Didin, der das Team 2005 ins Finale führte und nach einem Intermezzo bei Besiktas Istanbul 2006 an den Main zurückkehrte.
Dass der türkische Trainerfuchs auch in der kommenden Saison die Frankfurter trainieren wird, schien in den zurückliegenden Wochen alles andere als sicher zu sein. Gunnar Wöbke, der Geschäftsführer der Skyliners, hatte mehrmals auf die wirtschaftlich schwierige Situation verwiesen. Aus diesem Grund hatten die Skyliners auch kürzlich eine Wildcard für die Euro-Challenge nicht angenommen. Dieser Schritt ging in eine Richtung, die den Didinschen Vorstellungen zu widersprechen schien. Denn der 54 Jahre alte Trainer hatte immer wieder auf die große Bedeutung hingewiesen, die eine internationale Präsenz für Mannschaft und Verein hat – zum einen wegen der sportlichen Entwicklungsmöglichkeiten, zum anderen wegen der Attraktivität des Europapokals für neue Spieler.
„Der Europapokal macht es leichter“
Nun hat Didin, der es in den vergangenen Jahren gewohnt war, Profis mit internationalem Format an den Main zu holen, zumindest diese Argumente bei der Spielersuche nicht mehr. „Der Europapokal macht es natürlich leichter“, sagte Didin, „aber wir werden auch so korrekte Spieler für uns finden.“ Man sei dieses Mal auf eine „sehr gute Spielersuche“ angewiesen, räumte er ein. Aus diesem Grund sind Assistenztrainer Klaus Perwas und Skyliners-Sportdirektor Kamil Novak zurzeit auch in Las Vegas, wo die NBA in der Summer-League die vielversprechendsten Talente unter Spielbedingungen testet. Didin stößt am Sonntag dazu. Er wird begleitet von seinem elf Jahre alten Sohn Ahmet, der die Reise in die Vereinigten Staaten als Belohnung für gute Leistungen in der Schule von seinem Vater geschenkt bekommen hat.
Wie groß die Möglichkeiten der Skyliners beim Zusammenstellen der Mannschaft für die kommende Saison sind, ist unklar. Vom Klub selbst gibt es dazu keinerlei Äußerungen. Und es fällt auf, dass es von Geschäftsführer Wöbke nicht einmal einen Halbsatz zur Vertragsverlängerung mit seinem wohl wichtigsten Angestellten gibt. Nicht in der Pressemitteilung und auch nicht mündlich. Wöbke ist in Urlaub gefahren und telefonisch zurzeit nicht erreichbar. Immerhin konnte man in der Nachricht über die Einigung mit Didin auch einen Satz lesen, der die Zusammenarbeit mit dem Hauptsponsor betrifft: Die Skyliners führten derzeit mit der Deutschen Bank „Gespräche über eine Vertragsverlängerung. Beide Partner werten die Gespräche als sehr partnerschaftlich und konstruktiv und gehen davon aus, dass sie bis spätestens Mitte August abgeschlossen sein werden“.
Freund der klaren Ansprache
Dass nach einer sich wohl anbahnenden Vertragsverlängerung mit dem wichtigsten Partner nun goldene Zeiten für den Verein anbrechen werden, dafür gibt es keinerlei Indizien. Im Gegenteil. Man kann davon ausgehen, dass Didin deutlich weniger verdient als im vergangenen Jahr, in dem er der teuerste Trainer der Vereinsgeschichte war. Ein wichtiger Grund dafür, dass der Türke in Frankfurt bleibt, ist wohl die Infrastruktur, die der Job bei den Skyliners für ihn und seine Familie mit sich bringt. Dafür macht Didin auch Abstriche. „Es kann schon sein, dass die Mannschaft in der kommenden Saison auf dem Papier kein so starkes Team ist“, sagt er, „aber wir werden das durch Teamgeist wettmachen und vielleicht sogar um den Titel mitspielen.“
Um starke Worte war Didin noch nie verlegen. So sieht er auch in der Tatsache, dass der Verein durch den Kauf einer Lizenz für die dritte Basketball-Liga Pro B erhebliche Mittel für die Talentpflege aufwendet, die dem Erstligateam zwangsläufig fehlen werden, Chancen. „Den eingeschlagenen Weg, sich künftig noch intensiver um die Nachwuchsförderung in der Region zu bemühen, unterstütze ich vollkommen“, sagt Didin in der Pressemitteilung des Klubs. „Das ist eine wichtige Investition in die Zukunft des Basketballs in Frankfurt.“
Dennoch spürt man den Druck deutlich, der in der kommenden Saison auf Didin und seiner Mannschaft lasten wird. „Baba“, wie sich der Türke gerne selbst nennt, betont es: „Wir müssen alles richtig, richtig, richtig machen.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Pressefotografie Storch, Bad Hg., Volker Dziemballa, Wonge Bergmann