Von Michael Reinsch
17. April 2008 Thomas Springstein ist wieder aktiv. Mehrere deutsche Trainer berichten, ihn Ende März auf dem Trainingsgelände der Universität von Stellenbosch in Südafrika gesehen zu haben. Er habe dort mit jungen litauischen Athleten gearbeitet oder ihre Trainer beraten, heißt es. Im Internet bietet Springstein, der vor zwei Jahren rechtskräftig wegen Dopings einer Minderjährigen verurteilt wurde, seine Dienste unter der Schlagzeile an: Be healthier, be sexier, be stronger - get the perfect coach.
Springstein, seit Anfang des Monats fünfzig Jahre alt, hat das olympische Motto des citius, altius, fortius (schneller, höher, stärker) immer eigenwillig interpretiert. 1991/92 standen er, die damalige Sprint-Weltmeisterin Katrin Krabbe sowie seine spätere Lebensgefährtin Grit Breuer im Mittelpunkt zweier spektakulärer Affären. Erst gaben die Läuferinnen von Springstein bei einer Dopingkontrolle in Stellenbosch identische Urinproben ab, dann wurden sie der Einnahme des Kälbermastmittels Clenbuterol überführt und wegen Medikamentenmissbrauchs gesperrt. Der Sturz (und das Ende der Karriere) von Katrin Krabbe hatte auch eine gesellschaftliche Dimension, symbolisierte die junge Frau aus Neubrandenburg in Mecklenburg-Vorpommern doch zunächst den Erfolg der jungen deutschen Einheit.
Eine E-Mail schrieb Sportgeschichte
Es gibt keine Weltmeisterschaft für humane Leichtathletik, sagte Springstein im Gespräch mit der F.A.Z., als Grit Breuer Jahre später wieder in die Weltklasse gerannt und Springstein von seinen Kollegen zum Trainer des Jahres 2002 gewählt worden war. In einem aufsehenerregenden Prozess vor dem Amtsgericht Magdeburg wurde Springstein im März 2006 zu 16 Monaten Haft und zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt, weil er einer jugendlichen Läuferin Dopingmittel gegeben hatte; die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Der Prozess brachte, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, nur die Spitze eines Eisberges ans Licht. Dennoch schrieb Springstein Sportgeschichte: Eine E-Mail aus seinem von der Polizei beschlagnahmten Computer dokumentierte erstmals die Realität von Gendoping. Der Trainer von Grit Breuer tauschte sich darin mit einem spanischen Dopingarzt über die Verfügbarkeit des Mittels Repoxygen aus, das niemals klinisch erprobt und nie für den Einsatz am Menschen hergestellt wurde. Das Gericht verlas die Mail in der öffentlichen Verhandlung.
Wer ist Mr. Thomas Springstein?
Der litauische Leichtathletikverband bestätigt, Ende März ein Trainingslager in Stellenbosch abgehalten zu haben. Zu diesem Zeitpunkt wurde Springstein auf den Coetzenburg Sports Grounds der Universität, rund fünfzig Kilometer von Kapstadt entfernt, gesehen.Tatsächlich bestätigt die Universitätsverwaltung von Stellenbosch, dass Springstein für die Anlagen vom 17. bis 29. März akkreditiert war. Generalsekretär Eugenijus Burokas beantwortet nicht die Frage, ob Springstein als Trainer oder Berater des Teams beschäftigt war oder ist. Vor allem sei er überrascht von einer solchen Frage, schreibt Burokas in einer E-Mail und fährt fort: Zweitens, wer ist Mr. Thomas Springstein?
Telefonisch war Burokas nicht zu sprechen. Wenn sein Verband jemanden für Training oder Beratung bezahle, wisse er das, schreibt Burokas - und er teilt über das Team von Stellenbosch mit: Jedenfalls sind sie keine Elite-Athleten, die ein Land wie Deutschland interessieren würden. Er beendet seine Mail mit dem kryptischen Satz: Unsere Trainer arbeiten mit ihren Kollegen aus anderen Ländern zusammen, und ich finde, dass das gut ist. Das litauische Team in Stellenbosch bestand überwiegend aus jungen Sprinterinnen und Sprintern. Ihr Saisonhöhepunkt dürften die Junioren-Weltmeisterschaften im Juni in Bydgoscsz in Polen werden.
Springstein bietet auf der Internetseite jogging-fun.com seine Dienste als individueller Trainer und Gesundheitsberater sowie als Fitnesstrainer an - auch für Mannschaften. Er gibt auch seine Adresse in Börgerende an der Ostsee an. Zuletzt hatte Grit Breuer als Fitness-Trainerin in einem Hotel in Warnemünde bei Rostock gearbeitet. Springstein reiste aus Südafrika nach Deutschland zurück, weil im April die Geburt ihres ersten gemeinsamen Kindes erwartet wurde. Auf eine E-Mail mit Fragen zu seinem offensichtlichen Comeback im Leistungssport antwortete Springstein nicht. Auf der Internet-Seite zitiert er Winston Churchill mit dem Satz: Man soll dem Körper etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance / dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb
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