Basketball

Ein weiteres vertanes Jahr für Dirk Nowitzki

Von Jürgen Kalwa, New York

01. Mai 2008 Die Dallas Mavericks haben sich als erste Reaktion auf das abermalige Ausscheiden in der ersten Runde der Play-offs von Cheftrainer Avery Johnson getrennt. Der 43 Jahre alte Johnson hatte 2004 während der laufenden Saison den Posten von Don Nelson übernommen und das Team um den deutschen Nationalspieler Dirk Nowitzki ein Jahr später in die Finalserie der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA geführt.

Seit der Niederlage gegen Endspielgegner Miami Heat trat die Mannschaft zwar immer wieder stark und selbstbewusst wie ein Titelaspirant auf. Gleichzeitig musste sie aber wiederholt schwere Niederlagen hinnehmen. So scheiterte Dallas vor einem Jahr ebenfalls in der ersten Runde der Play-offs um die NBA-Meisterschaft, obwohl man in den Monaten zuvor überragend gespielt und eine der besten Saisonstatistiken in der Geschichte der Liga erzielt hatte.

„Ich bin sicher, da werden auch ein paar Spieler ausgewechselt“

Avery Johnson nahm die Kündigung erstaunlich gelassen. „Das musste einfach passieren“, sagte er einem Rundfunksender in Dallas in einer ersten Stellungnahme. „Es gibt keine Feindseligkeit oder Verbitterung. Wir haben nicht den Titel gewonnen, aber wenn man sich die gesamte Arbeit anschaut, die wir in den letzten dreieinhalb Jahren geleistet haben, kann die sich mit jedem anderen vergleichen lassen.“

Dirk Nowitzkis Fazit fiel dagegen sehr viel düsterer aus. „Ich persönlich betrachte das als ein weiteres vertanes Jahr“, sagte er. Nowitzki glaubt nicht, dass die Entscheidung von Klubbesitzer Mark Cuban und Chefmanager Donnie Nelson deren letztes Wort war: „Ich bin sicher, da werden auch ein paar Spieler ausgewechselt.“ Die Dallas Mavericks unterhalten eine der teuersten Mannschaften der Liga. Allein der enttäuschende Neuzugang Jason Kidd wird im kommenden Jahr 21 Millionen Dollar erhalten.

Ein anderes Problem sind die unterschiedlichen Einschätzungen der Schwächen im Kader. So zielte die Verpflichtung Kidds vor allem auf eine Umgestaltung im Spielaufbau. Dabei wurde ein anderes Problem ignoriert: Den Mavericks fehlt ein Center von Format wie der wurfstarke und lauffreudige Spanier Pau Gasol, den sich die Los Angeles Lakers bei einem Tausch mit den Memphis Grizzlies sicherten. Doch da das Gehalt des aktuellen Centers Erick Dampier weit über seinem Marktwert liegt, wird man ihn nicht so leicht in einem Tausch mit einem anderen Klub abgeben können. Sehr viel einfacher wird eine Transaktion mit Josh Howard werden. Der All-Star-Spieler hat sich zwar in der vergangenen Woche durch sein Geständnis, Marihuana zu rauchen, selbst diskreditiert und spielte in den letzten Wochen weit unter dem gewohnten Niveau. An guten Tagen aber wäre er für fast jede NBA-Mannschaft eine Verstärkung.

Erholungspause vor dem Olympia-Qualifikationsturnier

Johnsons Entlassung kam nur einen Tag nach der entscheidenden Niederlage der Mavericks im fünften Spiel der Play-off-Serie gegen die New Orleans Hornets. Beim 94:99 war abermals deutlich geworden, dass Dallas dem jungen Team um Spielmacher Chris Paul nicht genug entgegenzusetzen hat. Die Konzeptlosigkeit auf dem Parkett spiegelte allerdings in erster Linie die mangelnde Kreativität des Trainerstabs wieder, zu dem vier Assistenten gehören. In kaum einer Mannschaftssportart können Coaches von der Seitenlinie so zielgerichtet in das Geschehen eingreifen und durch Ein- und Auswechseln die taktische Planung variieren wie im Basketball.

Dass Avery Johnson dennoch schon bald eine neue Aufgabe erhalten wird, gilt als wahrscheinlich. Der Coach des Jahres 2006 hat in der NBA viele Sympathien gewonnen. Und Vakanzen dürfte es schon bald nicht nur in New York und Chicago geben. Weitaus schwieriger wird die Situation für Mark Cuban, der einen Trainer finden muss, der aus den vorhandenen Talenten das Maximum herausholt. Für Dirk Nowitzki dagegen bedeutet das frühe Aus auch eine Erholungspause vor dem Olympia-Qualifikationsturnier, das am 14. Juli in Athen beginnt. Die Aufgabe wird für die deutsche Nationalmannschaft schwer genug: In dem Turnier mit zwölf Teilnehmern erhalten nur die besten drei das Ticket nach Peking.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

 
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