Die „Boot“ in Düsseldorf

Auf der Suche nach dem Traumschiff

Von Julia Roebke

22. Januar 2008 Vom motorisierten Schlauchboot bis zur Superyacht reicht das Angebot der Messe „Boot“ in Düsseldorf. Rund 2000 verschiedene Bootstypen warten in den 17 Messehallen auf die neugierigen Blicke der Besucher. Die ganz großen Yachten wurden sogar auf dem Wasserweg nach Düsseldorf transportiert.

„Auf Wachstumskurs liegt insbesondere der Segelsport“, sagt Matthias Dornscheidt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Düsseldorf. Wegen der starken Nachfrage nach Standplätzen hatten die Organisatoren den Seglern eine zusätzliche Halle zur Verfügung gestellt. Die Großen der Branche wie zum Beispiel die französische Werft Bénéteau oder auch die deutschen Hersteller Bavaria und Hanse Yacht sind gleich mit bis zu einem Dutzend Booten vertreten.

Die Treppe hoch aufs Schiff

An den Treppen hinauf zu den Bootsdecks bilden sich Schlangen - will doch jeder Segelbegeisterte die Möglichkeit nutzen, an Bord zu gehen und auch das Interieur einer kritischen Prüfung zu unterziehen. Die Branche ist optimistisch, dass sich der gute Messeauftakt - an den ersten drei Tagen haben 103.000 Menschen die „Boot“ besucht - auch in den Verkaufszahlen niederschlägt.

Im vergangenen Jahr haben die Deutschen mit 1,9 Milliarden Euro ihre Ausgaben für Wassersportaktivitäten aller Art schon um knapp 7 Prozent gesteigert. Rund ein Drittel der Summe entfiel auf neue und gebrauchte Segel- und Motorboote. Die Ausgaben finanzstarker Freizeitkapitäne für größere Luxusyachten sind in dieser Statistik noch nicht einmal erfasst. Diskretion gilt als oberstes Gebot in der Millionenklasse.

Exklusive Ausstattung für die Superyacht

So auch bei der Drettmann Werft. Die Bremer stellen mit der „Elegance 98“ auf der Messe den größten und wohl auch teuersten Luxuscruiser. Die 30 Meter lange Yacht kostet rund 7,4 Millionen Euro - ohne Mehrwertsteuer, versteht sich. Dafür ist sie innen jedoch mit gekalktem Walnuss- und Ahornholz ausgestattet. Lampen, Geschirr, Stoffe und Möbel stammen vom exklusiven Möbelhersteller Lambert.

„Der Markt für unsere Yachten entwickelt sich äußerst positiv. Wir haben auch noch teurere Modelle im Programm“, sagt Inhaber Albert Drettmann. Innerhalb der ersten drei Messetage habe man schon vier Boote verkauft. Diese waren nur geringfügig kleiner als das Flaggschiff, und die Käufer sind allesamt Deutsche. Die „Elegance 98“ wird von zwei je 2400 PS starken Motoren angetrieben und verbraucht bei normaler Geschwindigkeit rund 400 Liter Diesel in der Stunde. Wer sich solch eine Yacht leiste, achte nicht primär auf den Verbrauch, erläutert Drettmann.

Die ökologische Variante: Hybridmotor fürs Sportboot

Für zukünftige Bootseigner, die nach eine ökologischeren Variante Ausschau halten, hat die österreichische Bootswerft Frauscher ein neues Angebot. Gemeinsam mit dem Motorenhersteller Steyr hat sie den weltweit ersten Hybridantrieb für Sportboote entwickelt. Der emissionsfreie Elektromotor dient zum Manövrieren mit geringer Geschwindigkeit in Häfen sowie zum geräuscharmen Fahren in Naturschutzgebieten. Für die Gleitfahrt kommt dann der Dieselmotor zum Einsatz.

Nicht nur für die Hersteller von Booten und Yachten gilt die Messe in Düsseldorf als wichtigstes Branchenereignis des Jahres. Für die Charterunternehmen, die Vermieter von Segel- und Motoryachten für Urlaube, liegt die „Boot“ zusätzlich von der Jahreszeit her sehr günstig. „Viele unserer Kunden kommen auf die Messe und planen hier ihren Sommerurlaub“, sagt Jochen Eschenburg, dessen Agentur Scansail Segelurlaube in der ganzen Welt vermittelt.

Billigflieger verändern auch die Charterwelt

Die günstigen Angebote der Billigflieger haben den Vermietern einen überraschenden Aufschwung beschert. Früher haben die Kunden, wie Eschenburg sagt, erst das Segelboot gemietet und dann einen passenden Flug gebucht. Heute sei das oft genau umgekehrt - was jedoch per se nicht schlechter sei. Schließlich bleibe bei einem günstigeren Flug mehr Geld für die Miete einer teuren Yacht übrig. Die Segelreviere im südlichen Italien und in Kroatien würden besonders von diesem Trend profitieren.

Die Vercharterer konnten schon im vergangenen Jahr mit mehr als 7 Prozent ein deutliches Umsatzplus aufweisen. „Auch für 2008 sind wir optimistisch“, sagt Verena Hoffmann, Marketing-Koordinatorin von Moorings Deutschland. Moorings gehört zum TUI-Konzern und ist mit rund 800 Schiffen einer der Branchenriesen. Besonders beliebt seien Segelurlaube auf den Seychellen oder in der Karibik, sagt Hoffmann. Diese Regionen gehören jedoch nicht zu den günstigeren: Ein Tag Segeln in einem Boot mit Schlafgelegenheit für bis zu sechs Personen kostet bei Moorings in der Karibik je nach Saison zwischen 250 und 500 Euro.

Trendsport „Stand-up paddling“

Neben neuen Booten zeigt die Messe auch neue Entwicklungen im Wassersport. Für Taucher interessant ist die Flosse mit Gangschaltung. An eingebauten Silikonbändern lässt sich die Spannung und damit die Härte der Flosse verändern. Zum neuen Trendsport soll sich das „Stand-up paddling“ entwickeln. Die Mischung aus Wellenreiten und Paddeln wird in Hawaii schon eifrig praktiziert. Der Sport sei jedoch auch für deutsche Binnengewässer ideal, heißt es beim Verband Deutscher Windsurfing- und Wassersportschulen.

Die „Boot“ in Düsseldorf ist noch bis zum 27. Januar täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.



Text: F.A.Z., 22.01.2008, Nr. 18 / Seite 18
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, F.A.Z., Rene Tillmann/Messe Düsseldorf, Sunsail

 
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