Ehemaliger Fahnenträger Beerbaum

„Einhändig geht gar nicht“

Am 13. August 2004 führte der Springreiter Ludger Beerbaum das deutsche Team ins Olympiastadion von Athen

Am 13. August 2004 führte der Springreiter Ludger Beerbaum das deutsche Team ins Olympiastadion von Athen

06. August 2008 Herr Beerbaum, Sie waren vor vier Jahren in Athen der letzte deutsche Fahnenträger bei Olympia. Ist diese Aufgabe denn wirklich so besonders, wie alle behaupten?

Absolut! Es ist einfach eine unglaubliche Ehre, stellvertretend für alle qualifizierten Sportler die Fahne zu tragen. Ich habe nie zu träumen gewagt, dass ich das einmal machen darf. Für mich war dieser Einmarsch ins Stadion ein unglaublicher Moment. Ich vorweg, alle anderen hinter mir - ein Erlebnis, das man sicher nicht vergisst.

Aber in erster Linie mussten Sie doch stehen und warten. Und das auch noch in sengender Hitze.

In Peking ohne Fahne: Ludger Beerbaum

In Peking ohne Fahne: Ludger Beerbaum

Das bringt das natürlich mit sich. Man steht dort sehr lange rum, aber das tut man ja nicht allein, das machen die anderen Nationen auch. Und wenn man erst im Stadion ist, wird man ja auch unterhalten, in Athen gab es ein riesiges Programm. Letztlich macht dieses Warten ja auch das Besondere aus. Wenn die Veranstaltung nach zehn Minuten vorbei wäre, verlöre sie doch auch ihren Reiz. Außerdem sind die Stunden dort für mich wie im Fluge vergangen.

Ist denn so eine Zeremonie überhaupt nicht anstrengend?

Nee, gar nicht. Man braucht nur Geduld. Heftig war es nur bei meinem ersten Spielen 1988 in Seoul. Dort war es so heiß, dass wir uns auf den Rasen setzen mussten, weil wie einfach so dahingetaut sind.

Muss man lernen, wie man eine Fahne ins Stadion trägt?

Das muss man niemandem erklären. Man legt sich eine Manschette um, dort wird die Fahne reingesteckt und trägt sie vor sich her. So einfach ist das.

Haben Sie die Flagge einhändig getragen?

Das wechselt man immer, die wiegt ja auch ein bisschen, gerade über so viele Stunden verteilt. Mit einer Hand kann man die nicht die ganze Zeit halten.

Leichtathleten und Reiter waren bisher am häufigsten Fahnenträger für Deutschland. Warum ist das so?

Spontan würde ich sagen, weil das die fittesten sind. Aber das ist natürlich Unfug. Leichtathletik ist natürlich die Paradedisziplin der Olympischen Spiele. Und wir Reiter waren immer sehr erfolgreich.

Ihre persönlichen Spiele in Athen haben also gut begonnen, aber auch schlecht geendet. Ihnen wurde Gold aberkannt, weil Ihr Pferd falsch medikamentiert wurde.

Schlechter, als wegen einer nicht angemeldeten Salbe disqualifiziert zu werden, geht es natürlich nicht. Die Medaille haben sie mir genommen, aber der schöne Moment des Fahnetragens bleibt in meiner Erinnerung.

In Peking sind Sie zum sechsten Mal bei Olympia dabei. Verändert sich das Gefühl?

Natürlich, man wird mit dem Alter gelassener. Ich habe vieles gelernt aus der Vergangenheit. Mein Pferd ist schon in Peking, weil wir herausgefunden haben, dass die Pferde mindestens zwei Wochen vor dem Turnier schon dort sein sollten, um sich an das Klima gewöhnen zu können.

Sind Sie denn bei der Eröffnungsfeier dabei?

Vermutlich nicht. Ich fliege am 7. August nach Hongkong, versuche aber, das Ticket noch umzubuchen. Wenn mir das gelingt, würde ich den Umweg über Peking noch machen.

Sie würden also gern noch mal einmarschieren. Hinter welchem Fahnenträger?

Dirk Nowitzki wäre sensationell. Wie der die ganzen Jahre für seinen Traum gekämpft hat, das beeindruckt mich.

Die Fragen stellte Michael Wittershagen.



Text: F.A.S.
Bildmaterial: AP

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