Zypern

Die Mauer fällt - die Grenze bleibt geschlossen

Die Mauer muss weg

Die Mauer muss weg

09. März 2007 Als „Geste des guten Willens“ hat der zyprische Präsident Papadopoulos den in der Nacht zum Freitag überraschend vollzogenen Abriss einer Mauer in der geteilten Hauptstadt Nikosia bezeichnet. Er verband damit aber zugleich die Forderung nach einem Abzug der türkischen Besatzungstruppen auf der Gegenseite. Erst dann sei ernsthaft an eine Grenzöffnung für die Bürger in diesem Teil der Altstadt zu denken.

Dass der Präsident die spektakuläre Aktion beim EU-Gipfeltreffen in Brüssel verkündete, hing offenkundig mit seinen Bemühungen zusammen, die übrigen Mitgliedsländer weiterhin davon abzuhalten, den Zyperntürken direkten Handel mit der Europäischen Union zu gewähren. Nach Ansicht der zyprischen Regierung liefe ein solches Zugeständnis auf wachsende Eigenstaatlichkeit des türkisch besetzten Nordteils der Inselrepublik und damit auf eine Zementierung ihrer Teilung hinaus.

„Inseltürken isoliert“

Dagegen hält die EU-Kommission im Einklang mit der deutschen Ratspräsidentschaft daran fest, dass es an der Zeit sei, das einzulösen, was den Inseltürken bereits 2004 nach ihrem Ja zum Wiedervereinigungsplan des damaligen UN-Generalsekretärs Annan versprochen worden war: ihrer „wirtschaftlichen Isolierung“ ein Ende zu setzen.

Für den Fall, dass die EU mehrheitlich den Wünschen der Zyperntürken entsprechen und ihnen für einen Direkthandel die Nutzung des Hafens in Famagusta und des Flughafens im türkischen Teil Nikosias gestatten sollte, will Papadopoulos nach eigenem Bekunden den Europäischen Gerichtshof anrufen.

„Teile und herrsche“

Die Mauer wurde in der Ledra-Straße in der Altstadt von Nikosia abgerissen, die stets ein Symbol für politische Querelen war. Zum ersten Mal errichteten hier die britischen Kolonialherren einen Drahtverhau. Das war 1958, als sie mit einer Politik des „Teile und herrsche“ die beiden Volksgruppen gegeneinander aufgebracht hatten und nun auf Distanz zu halten suchten.

Zwei Jahre später wurde Zypern unabhängig und der Stacheldraht entfernt. Doch schon 1964 kam es auf dem Höhepunkt bürgerkriegsähnlicher Auseinandersetzungen zur abermaligen Sperrung der Straße, und zwar durch eine Barrikade. Die dritte und seither andauernde Teilung Nikosias an dieser Stelle fand schließlich 1974 statt, als die damalige Militärjunta in Athen einen Putschversuch zur Anbindung Zyperns an Griechenland unternahm und damit die türkischen Streitkräfte zum Schutz der türkisch-zyprischen Minderheit auf den Plan rief. Auf Drahtverhau und Barrikade folgte eine Mauer.

Text: W.A.
Bildmaterial: dpa

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