Boris Johnson gewinnt in London

Britische Konservative in Siegesstimmung

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03. Mai 2008 Nach dem überwältigenden Sieg der Tories bei den Kommunalwahlen in England und Wales sowie in der britischen Hauptstadt ist der neue Londoner Bürgermeister Boris Johnson von seiner Partei gefeiert worden. Die Ablösung des Labour-Amtsinhabers Ken Livingstone (62), der London acht Jahre lang regiert hatte, durch den 43-jährigen Johnson verkörpere symbolträchtig die Wiedergeburt der Konservativen Partei, sagte deren Vorsitzender David Cameron am Samstagmorgen. Die Tories nähmen nun Kurs auf die Übernahme der politischen Macht auf nationaler Ebene, erklärte Cameron (41).

Derweil wuchs der politische Druck auf Premierminister Gordon Brown (57), die volle Verantwortung für das Wahldebakel seiner Partei zu übernehmen. Von dem Labour-Vorsitzenden und Regierungschef werden nun Erklärungen verlangt, wie die Glaubwürdigkeit seiner Partei nach ihrem schlechtesten Wahlergebnis seit 40 Jahren wiederhergestellt werden soll, berichteten britische Medien unter Berufung auf Labour- Politiker und Anhänger der sozialdemokratisch orientierten Partei.

Die Wahlbeteiligung war ungewöhnlich hoch

Im Labour-Lager werde Brown von vielen persönlich dafür verantwortlich gemacht, dass die Regierungspartei das prestigeträchtige Londoner Bürgermeisteramt sowie in England und Wales mehr als 330 Mandate und die Mehrheit in neun Wahlbezirken verloren hat, hieß es. Hochgerechnet auf das gesamte Land ist Labour nun mit einem Stimmenanteil von 24 Prozent nur noch die drittstärkste politische Kraft. Die Tories liegen mit 44 Prozent weit in Führung. Die Liberaldemokraten kamen auf 25 Prozent.

Boris Johnson war kurz nach Mitternacht von der Wahlkommission zum Sieger erklärt worden. Er kam auf 53 Prozent der Stimmen, während Livingstone nur 47 Prozent erhielt. Die Wahlbeteiligung war nach neuen Angaben vom Samstag mit 45 Prozent für Londoner Verhältnisse ungewöhnlich hoch. Nach seinem Sieg, dem ein heftiger und teils von gegenseitigen Beleidigungen begleiteter Wahlkampf vorausgegangen war, fand Johnson versöhnliche Worte.

„Red Ken“ war ein hervorragendes Staatsoberhaupt

Er würdigte in seiner Rede die Leistungen Livingstones, der wegen seiner ausgeprägten linken politischen Auffassungen von den Londonern „Red Ken“ (roter Ken) genannt wird. Livingstone sei ein „hervorragendes“ Stadtoberhaupt gewesen. Er habe dem Amt „nationale Bedeutung“ verliehen, als er nach den Terroranschlägen in der Londoner U-Bahn am 7. Juli 2005 Führungsstärke unter Beweis gestellt und für ganz London gesprochen habe. Damit habe sich Livingstone den Dank von Millionen Einwohnern der Hauptstadt verdient.

Mit seinem Team werde er jetzt daran gehen, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und London weiter voranzubringen, versprach Johnson. Als wichtige Ziele nannte er die Eindämmung der Kriminalität, die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs, des Umweltschutzes sowie die Bereitstellung bezahlbarer Wohnungen in allen 32 Bezirken der Acht-Millionen-Metropole.

Der New Yorker Bürgermeister gratulierte

Zu den ersten Gratulanten für Johnson gehörte der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg. Er freue sich auf die Arbeit mit seinem neuen Londoner Amtskollegen, erklärte Bloomberg (66), der Johnson bereits in der kommenden Woche einen Besuch abstattet. Beide Weltmetropolen würden zwar oft als Konkurrenten beschrieben, erklärte Bloomberg. Dennoch arbeiteten sie gern und eng zusammen. Für Firmen und Geschäftsleute in New York und London müsse es künftig noch leichter gemacht werden, „quer über den Atlantik zu kooperieren“.



Text: dpa
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, reuters

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