18. November 2004 Am 1. Mai 2004 wurde die größte Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union vollzogen. Mit der Aufnahme von acht ost- und südosteuropäischen Ländern sowie Maltas und Zyperns ist die Teilung des europäischen Kontinents endgültig überwunden. Der EU gehören damit 25 Länder an.
Mit dem Beitritt von Polen, Ungarn, Tschechien, Estland, Lettland, Litauen, der Slowakei, Slowenien, Malta und Zypern wuchs die Bevölkerung der EU von rund 370 Millionen auf 455 Millionen Menschen. Das mit Abstand größte Beitrittsland ist Polen mit fast 39 Millionen Menschen, was in etwa der Bevölkerungszahl Spaniens entspricht. Der kleinste Kandidat ist Malta mit einer Bevölkerung von 400.000 Menschen, in etwa so viele wie Luxemburg.
Betritt zur Währungsunion ist kein Automatismus
Seit ihrem Beitritt sind die zehn neuen Länder im Ministerrat stimmberechtigt. Zudem schicken sie je einen eigenen Kommissar nach Brüssel.
Mit ihrem Beitritt zur EU nehmen die zehn Staaten nicht automatisch an der Währungsunion teil. Vor der Einführung des Euro muß ein Land zunächst zwei Jahre am Europäischen Wechselkurssystem teilnehmen, um die Stabilität der eigenen Währung zu beweisen.
Im Anschluß daran muß ein Land die drei Maastricht-Kriterien erfüllen, um den Euro einzuführen. Die Kriterien setzen als Obergrenze ein Haushaltsdefizit von drei Prozent des Bruttoinlandprodukts, eine Gesamtverschuldung von 60 Prozent und eine Inflation von zwei Prozent fest.
Nächste Erweiterungsrunde schon abzusehen
Auch am Schengen-System, das die Grenzkontrollen zwischen EU-Staaten aufhebt, sind die neuen Mitglieder nicht automatisch beteiligt. Mit Ausnahme der Tschechischen Republik und der Inselstaaten Malta und Zypern bilden alle Kandidaten eine neue EU-Außengrenze über Land.
Eine nächste Erweiterungsrunde wird 2007 mit Rumänien und Bulgarien angestrebt. Der mögliche Beitritt der Türkei wird in der EU eigens beraten und verhandelt.
Prozeß seit 1951 im Gange
Vorläufer der EU ist die 1951 von Deutschland, Frankreich, Italien und den Benelux-Staaten gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS). 1973 schlossen sich der mittlerweile in Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) umbenannten Organisation Dänemark, Irland und Großbritannien an, 1981 folgte Griechenland. Spanien und Portugal traten 1986 bei.
Mit dem Vertrag von Maastricht wurde 1992 die Europäische Union geschaffen. Die bislang letzte Erweiterungsrunde fand 1995 mit Österreich, Finnland und Schweden statt.
Text: AP
Bildmaterial: AP, Baltikum Tourismus Zentrale, Christian Nowak/SRT, dpa