23. Juli 2008 Brigitte Bardot ist endlich am Ziel. Das seit 30 Jahren währende Engagement der französischen Schauspielerin und zahlloser Tierschützer für das Wohlergehen der Robben in aller Welt dürfte in Kürze belohnt werden. Läuft alles nach Plan, wird die Europäische Union ein umfassendes Einfuhr- und Handelsverbot für Pelze, Fleisch, Kosmetika und andere Produkte erlassen, die aus den Meeressäugern gewonnen werden.
Die Europäische Kommission will Ausnahmen nur zulassen, wenn der Nachweis geführt wird, dass die Tiere nicht auf grausame Art erlegt und gehäutet wurden. Die EU-Bürger finden, dass diese Praktiken widerwärtig sind und im Widerspruch zu den Grundsätzen des Tierschutzes stehen“, sagte Umweltkommissar Stavros Dimas am Mittwoch in Brüssel bei der Vorlage des Gesetzentwurfs.
Lob von Sarkozy
Ziel ist es, noch vor Beginn der Jagdsaison im kommenden Frühjahr die Zustimmung von EU-Parlament und Regierungen zu erhalten und das Verbot in Kraft zu setzen. Es soll der Praxis einen Riegel vorschieben, die Tiere zu erschießen, zu erschlagen oder auch auf grausame Weise mit Netzen und Fallen zu fangen. Derzeit werden bei einem auf 15 bis 16 Millionen Tiere geschätzten Gesamtbestand jährlich rund 900.000 erlegt. Davon entfallen ungefähr drei Fünftel auf Kanada, Grönland und Namibia. Auch in EU-Ländern wie Schweden, Finnland und Großbritannien ist die Robbenjagd, allerdings unter Auflagen, erlaubt.
Von höchster französischer Stelle hat Brigitte Bardot inzwischen ermutigende Post erhalten. Staatspräsident Nicolas Sarkozy, dessen Land derzeit den EU-Ratsvorsitz führt, sicherte ihr in einem Schreiben nicht nur eine rasche Behandlung des Gesetzentwurfs zu. Er machte der Tierschützerin auch ein großes Kompliment: Ihrer unerschöpflichen Energie sind fast alle Fortschritte in dieser Frage in Europa zu verdanken, nicht zuletzt das durch die Europäische Gemeinschaft seit 1983 erlassene Totalverbot der Jagd auf junge Robben.“
Das war jene Zeit, als schon einmal schreckliche Bilder von kanadischen Jägern um die Welt gingen, die mit Keulen auf wehrlose weiße Robbenbabys eindroschen. Bardot zeigte sich am Mittwoch zufrieden mit dem neuen Kommissionsvorschlag. Wichtig sei, dass Frankreich und sein Präsident es ablehnten, sich mit Killern einzulassen“. Der französische EU-Ratsvorsitz solle dazu genutzt werden, alle europäischen Grenzen zu schließen und nicht mehr Komplizen dieses Massakers zu sein, das die Welt anwidert“.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, Fred Brümmer