50 Jahre Projekt Europa

Der Blick zurück weist in die Zukunft

Von Klaus-Dieter Frankenberger

10. März 2007 Es ist paradox: Da wird auf der einen Seite die Europäische Union als beispiellose Erfolgsgeschichte gerühmt, und völlig zu Recht wird in diesen Tagen der „Geist von 1957“ beschworen - auf der anderen Seite wird über eine europäische Krise geklagt. Von Krise ist die Rede seit jenen gescheiterten Volksabstimmungen in Frankreich und in den Niederlanden vor knapp zwei Jahren. Insofern wird sie der Europäischen Union nicht (nur) angedichtet.

Die Kluft zwischen den Bürgern und dem großen, organisierten Europa gibt es wirklich. Und dennoch, bei allem Unmut über Bürokratismus und Zentralismus, verdient es in Marmor gemeißelt zu werden: Die europäische Einigung ist ein großartiges Projekt, dessen Schwachstellen ihm nichts von seinem historischen Wert nehmen. Man muss nur an eines erinnern: Was einst von sechs Staaten begonnen wurde, war offenkundig so unwiderstehlich, dass die Union heute 27 Mitglieder hat - und das wird noch nicht das Ende sein.

Union der Europäer

Aus Anlass des fünfzigsten Jahrestages der Unterzeichnung der Römischen Verträge hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung die Repräsentanten Europas um eine Würdigung des Gründungsakts gebeten und um eine Skizze jener Aufgaben, vor denen die Union in den kommenden Jahren steht. 21 Staats- und Regierungschefs sowie die Präsidenten des Europäischen Parlaments und der Kommission haben geantwortet.

Diese Antworten fügen sich zu einem faszinierenden Panorama gemeinsamer Überzeugungen, nuancierter Perspektiven und unterschiedlicher Schwerpunkte. Einig sind sich alle in dem Willen, die europäische Identität gegenüber den globalen Veränderungsprozessen zu behaupten, nicht kleinmütig, sondern selbstbewusst zu sein. Vielleicht am beeindruckendsten ist dabei, wie sehr sich jene Staaten und Völker vom europäischen Einigungswerk inspiriert fühlten, denen das Sowjetsystem eine frühe Teilnahme verwehrt hatte. Für sie war und ist die „Rückkehr in die europäische Familie“ keine Floskel.

Wie die Union in zwanzig, dreißig Jahren aussehen, welche Form ihr Regierungssystem haben wird und wo die inneren und äußeren Grenzen verlaufen, vermag niemand vorauszusagen. Eines lässt sich allerdings feststellen: Der Bestand dieser großen Union der Europäer hängt wesentlich von der Zustimmung und dem Vertrauen der Bürger ab. Das ist die demokratische Essenz, welche die Einigung niemals verlieren darf.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: AP

 

Europäische Einigung

Ein Erfolg für uns alle

Wir verdanken der Einigung Europas viel: Feinde sind zu Freunden geworden, und der gemeinsame Markt sichert Millionen von Arbeitsplätzen. Die Begeisterung dafür aber muss aus jeder Generation neu erwachsen. Von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Gastbeitrag

Ein Wendepunkt der Geschichte

Mit den Römischen Verträgen begann auf dem leidgeprüften europäischen Kontinent eine Entwicklung hin zu Frieden, Vertrauen und Freundschaft. Ohne sie wäre die deutsche Wiedervereinigung 1990 kaum möglich gewesen. Von Altkanzler Helmut Kohl.

Romano Prodi

Die Reise fortsetzen

Am 25. März wird in Berlin eine Deklaration veröffentlicht zum Gedenken an 50 Jahre europäische Integration. Das ist ein Tag der Freude und der Verpflichtung. Ich hoffe, dass wir dieses Datum zum Anlass nehmen, um uns zu erinnern, nachzudenken und zu handeln - ein Tor in die Zukunft aufzustoßen.

Zukunft der EU

Für ein mächtiges Europa

Die Verträge von Rom waren ein Bruch mit der Vergangenheit des Kriegs und der Unterdrückung. Damit ist die europäische Einigung Modell für die Welt und für Herausforderungen der Zukunft. Von Jacques Chirac, Präsident der Französischen Republik.

Kostas Karamanlis

Gemeinschaftssolidarität

Die Unterzeichnung der Verträge von Rom eröffnete eine neue Epoche für Europa - die EU hat ihren Platz in der Geschichte als das erfolgreichste Modell zwischenstaatlicher Kooperation für Frieden und Wohlstand eingenommen.

László Sólyom

Ideal des Rechtsstaats

Europa - das bedeutet auch eine gemeinsame Kultur, Geschichte und die Grundlage einer gemeinsamen Weltsicht. Die rechtliche Form der europäischen Einigung ist jedoch in erster Linie als Mittel der Friedenserhaltung entstanden.

Anders Fogh Rasmussen

Drei Hauptaufgaben für die Zukunft

Die Erfolge der europäischen Zusammenarbeit lassen sich gar nicht hoch genug einschätzen. Europa ist vereint; und eine enge politische Zusammenarbeit, wirtschaftliche Integration und mehrere Erweiterungsrunden haben unserem Kontinent Frieden, Stabilität und Wohlstand gesichert.

Bertie Ahern

Impuls unserer Entwicklung

Der 50. Jahrestag der Römischen Verträge ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Europäischen Union. Wir erinnern wir uns mit Stolz der Erfolge, die wir erzielt haben, und unserer gemeinsamen Werte; wir erneuern unsere Entschlossenheit, in der Zukunft darauf aufzubauen.

José Luis Rodríguez Zapatero

Glückliche Generation

Ich gehöre einer Generation von Europäern an, die Glück hat; einer Generation, die nur ein geeintes Westeuropa kennt, das angespornt durch den Willen wird, engere Bindungen zu schaffen, Wunden zu schließen und seine demokratischen Werte zu verbreiten.

Toomas Hendrik Ilves

Die Union muss funktionieren

Als die Römischen Verträge 1957 unterzeichnet wurden, war es den Esten nicht vergönnt, ihre Meinung dazu kundzutun. In jenem Jahr, nicht lange nach Chruschtschows Rede beim 20. Parteitag der KPdSU, in der er Stalin verurteilt hatte, ...

Alfred Gusenbauer

Regimewandel auf europäische Art

Österreich ist der Europäischen Union 1995 zu einer Zeit beigetreten, als unser Kontinent grundlegende Veränderungen erlebte. Der Eiserne Vorhang, der uns von vielen unserer Nachbarn trennte, war verschwunden.

Traian Basescu

Ort von enormer Symbolkraft

In Berlin feiert die EU am Sonntag fünfzig Jahre gemeinsamen Handelns zur Verwirklichung gemeinsamer Ideale - fünfzig Jahre, in denen Versöhnung und Solidarität schließlich über Krieg und Totalitarismus gesiegt haben.

Guy Verhofstadt

Der Geist von 1957

Die europäischen Gründungsväter haben vor mehr als 50 Jahren Mut und Weitsicht bewiesen. Das Scheitern der Verteidigungsgemeinschaft wollten sie nicht so einfach hinnehmen. Es kam zu der politisch geschickten und strategisch wichtigen ...

Valdas Adamkus

Eine Zukunft in Freiheit

Die Isolation, in die Litauen fünf Jahrzehnte lang gezwungen wurde, hat uns daran gehindert, von Beginn an teilzuhaben an der europäischen Integration. Dennoch haben wir uns den Glauben an die Werte Europas stets erhalten - wie auch ...

Lech Kaczynski

Wir müssen unsere Identität wahren

Die Integration Europas steht für den Erfolg unseres Kontinents. Der Grundsatz der Solidarität als Basis der gegenseitigen Zusammenarbeit ist an die Stelle der alten Rivalitäten, der Fremdherrschaft und der Kriege zwischen europäischen Staaten getreten.

Václav Klaus

Demokratie, nicht Postdemokratie

Obwohl es manche Politiker und Journalisten anders sagen - ich habe nie behauptet, dass ich die positiven Ergebnisse der europäischen Integration nicht sehe und wahrnehme. Gleichzeitig kann ich aber nicht einige Tendenzen, Pläne und Projekte ignorieren und diese anders als kritisch ansehen.

Tassos Papadopoulos

Am Scheideweg

Die EU ist ein Erfolg, der weit hinausreicht über das, was sich ihre Gründer einst für sie erhofften. Sie hat sich aus einem gemeinsamen Markt mit sechs Mitgliedern in eine Gemeinschaft von 27 Staaten verwandelt mit einer Gesamtbevölkerung von fast einer halben Milliarde Menschen.

José Sócrates

Der genetische Code des Erfolgs

Vor fünfzig Jahren hätten sich nur wenige träumen lassen, dass es Europäer gemeinsam einmal so weit bringen würden. Inzwischen haben wir die meisten der Ziele, die wir uns in den fünfziger Jahren gesteckt hatten, erreicht.

Georgi Parwanow

Die Erweiterung - ein Triumph

Seit der Unterzeichnung der Römischen Verträge sind fünfzig Jahre vergangen - eine ausreichende Zeit, um sagen zu können, dass die Europäische Union das ambitiöseste politische, ökonomische, soziale und kulturelle Projekt in der neuen Menschheitsgeschichte ist.

Hans-Gert Pöttering

Die Methoden haben sich bewährt

Haben die Väter der Römischen Verträge geahnt, dass die Globalisierung wirtschaftlich, politisch und kulturell zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft werden würde? Jedenfalls haben sie lange bevor das Phänomen der Globalisierung ...

Jean-Claude Juncker

Den Binnenmarkt vollenden

Es ist heute das erste Mal in ihrer Geschichte, dass sich die Völker Europas frei zu einem so gewaltigen Vorhaben zur Verwirklichung von Fortschritt und Wohlstand zusammenschließen, indem sie an die Stelle wirtschaftlicher Rivalitäten ...

Ivan Gasparovic

Wir haben die Chance genutzt

Die Unterzeichnung der Römischen Verträge und der nachfolgende Vereinigungsprozess der europäischen Länder zur Europäischen Union sind eine natürliche Entwicklung auf Grund der geschichtlichen Erfahrungen der Europäer.

Jan Peter Balkenende

Aus voller Überzeugung dabei

Gemeinsam mit Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien und Luxemburg standen die Niederlande an der Wiege der europäischen Integration. 1957 war dieser Prozess bereits seit mehr als sieben Jahren im Gange.

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