21. Dezember 2007 In neun weiteren Ländern der Europäischen Union sind in der Nacht zum Freitag stationäre Grenzkontrollen beendet worden. Für Deutschland entfallen damit die Kontrollen an den Grenzen zu Polen und der Tschechischen Republik. Viele Menschen in den Staaten, die dem sogenannten Schengen-Abkommen beitraten, begingen das historische Ereignis bereits in der Nacht mit Musik und Feuerwerk. Auch in den Grenzstädten in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen wurde gefeiert.
Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte die Grenzöffnung als historischen Moment. Die Bürger hätten jetzt durch 24 europäische Staaten hindurch freie Fahrt, sagte sie am Freitag bei einer zentralen Feier im ostsächsischen Zittau im Dreiländereck Deutschland, Tschechien und Polen. Man könne nun zwischen Schweden und Italien, zwischen Portugal und dem Baltikum ohne Passkontrollen reisen. Diese Freiheit sei keine Selbstverständlichkeit.
Tusk: Triumph der Freiheit
Polens Ministerpräsident Donald Tusk sprach von einem Triumph der Freiheit. Er sei in einer Welt aufgewachsen, in der viele Grenzen unüberwindbar schienen. Jetzt ist es gelungen, auch die schwierigste Grenze zu überwinden: die der Angst, der Furcht.
Der Präsident des europäischen Parlaments Hans-Gert Pöttering wies Sicherheitsbedenken zurück. Die offenen Grenzen seien ein Symbol der Vereinigung und der Verständigung der Völker. Das Dreiländereck Deutschland, Polen, Tschechien stehe für eine oftmals von Kriegen geprägte Geschichte.
Schäuble: Gewinn an Sicherheit
Auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) wies Befürchtungen zurück, durch die Ausweitung des Schengen-Raumes sei mit zunehmender Kriminalität in den Grenzregionen zu rechnen. Zwar würden die Grenzkontrollen abgeschafft, aber im Umkreis von 30 Kilometern wird die Bundespolizei mit erhöhtem Personalaufwand Kontrollen durchführen, sagte Schäuble. Darum werden wir einen Gewinn an Sicherheit haben, nicht einen Verlust.
Zudem liege die Öffnung gerade im Interesse der Grenzregionen, sagte Schäuble der Zeitung Welt. Sie kommen damit aus der Randlage, die immer zur Benachteiligung führt, in eine neue Zentralität. Das wird die Wirtschaft beleben und den Handel stärken. Schon sehr bald werde man auf beiden Seiten der Grenze erkennen, dass die Ausweitung des Schengen-Raums keine Nachteile bringe, sondern einen enormen Freiheitsgewinn.
Freie Fahrt für 400 Millionen Menschen
Neben Polen und der Tschechischen Republik werden in Estland, Lettland, Litauen, Malta, der Slowakei, Slowenien und Ungarn die Kontrollen der Grenzen im Binnenland und in Seehäfen abgeschafft. Damit ist die Region, in der das Schengen-Abkommen gilt, auf nunmehr 24 Staaten gewachsen. Der Schengen-Raum umfasst rund 3,6 Millionen Quadratkilometer und bietet etwa 400 Millionen Europäern freie Fahrt.
Den Namen erhielt das Schengener Abkommen nach dem Ort seiner Unterzeichnung, der luxemburgischen Stadt Schengen. Die Kontrollen auf den Flughäfen der neuen Schengen-Mitgliedstaaten sollen im März aufgehoben werden.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, DPA, Reuters