Belgien zeigt, dass multiethnische Staatsgebiete, mit denen sich große Teile der Bevölkerung nicht identifizieren können, eine ausgesprochen schlechte Lösung sind.
Dass Belgien nicht wirklich funktioniert, ist schon seit längerem bekannt. Dennoch hat die internationale Staatengemeinschaft mit Bosnien-Herzegowina erneut einen ähnlichen Staat geschaffen, der bis heute nur durch äußeren Druck zusammengehalten wird.
Nun propagiert man die Lösung eines "multiethnischen Kosovo". Aber auch dieses Gebilde wird von der Realität eingeholt werden. Ein multiethnisches Kosovo, das auch für Serben lebenswert wäre, wird immer in der Gefahr schweben, von dieser relativ kleinen Minderheit politisch blockiert zu werden. Bei geringeren Minderheitenrechten werden sich die Serben nicht mit diesem Staat identifizieren können und sich entweder abspalten oder in Scharen nach Serbien auswandern.
Warum also nicht gleich eine Teilung zwischen Serbien und Albanien?
Besser als ewiger Zwist und politische Blockaden nach belgischem Muster wäre diese Lösung allemal.
Politiker und Funktionäre, außer den Visionären, wehren sich vehement gegen den drohenden persönlichen Machtverlust durch eine europäische Vereinigung. Diesen Reflex konnte man schon am Hickhack im Mikrokosmos D bei der Reform der Zuständigkeit Bund/Länder oder die mißlungene Verschmelzung Berlin/Brandenburg bestaunen. Hätte mich auch gewundert, wenn sie freiwillig auf Macht verzichten oder sich selbst abschaffen würden.
Mit allen Tricks der PR und Schüren von Ängsten versuchen sie, ihre Bürger davon zu überzeugen, daß ein EU Bundesstaat die schlechtere Lösung sei. Sie verhindern, daß das EU Parlament die Befugnisse einer gewählten Volksvertretung erlangt, so daß die Leute über das Monster EU Verwaltung in Brüssel schier verzweifeln und sich von der europäischen Idee abwenden.
Die Sprachenvielfalt allerdings ist in der Tat ein ernst zu nehmendes Problem, daß das Projekt auf unbestimmte Zeit verhindern wird. Schon allein deshalb stimme ich dem vorherigen Kommentar zu, es langsam angehen zu lassen, selbst wenn die Zeit aufgrund der sich überschlagenden globalen Umwälzungen langsam knapp wird.
Es wäre ratsam für Belgien die Unmöglichkeit seiner Existenz zu erkennen und das Land in Frieden und mit Vernunft zwischen Flamen, Wallonen und Deutschen zu teilen. Eine noch lockerere Form des Föderalismus dürfte sich kaum finden lassen und die Gräben sind einfach zu tief; vor allem aber ist das Scheitern Belgiens eine eindringliche Warnung an alle diejenigen, die Europa von einem Kontinent der Nationalstaaten zu einem Einheitsstaat umgestalten wollen und damit schon weit in der EU fortgeschritten sind. Die Völker leben und denken aber noch rein national, verstehen die Sprachen der anderen nicht und folglich gibt es im Bewusstsein der breiten Massen auch keine europäische Öffentlichkeit. Der EU täte es gut, wenn sie für mehrere Jahrhunderte die alte Eidgenossenschaft der Schweiz und nicht deren modernen Bundesstaat nachahmen würde, sonst droht ihr ein ähnliches Schicksal wie Belgien: Reine Wirtschaftsinteressen erzeugen keine belastbare politische Einheit!