Skisprung-Abschied

Der Erfolg lacht, Ahonen weint

Von Christiane Moravetz

26. März 2008 Das Klischee hielt sich lange vom Mann, der niemals lächelt. Nun hat er geweint, öffentlich, und er musste sich seiner Tränen nicht schämen. „Euer finnischer Mitbürger verabschiedet sich als Skispringer“, sagte Janne Ahonen am Mittwoch, als er in Helsinki seinen Rücktritt bekanntgab. In diesem Winter wurde dieser Skispringer sogar einzigartig: als fünfmaliger Sieger der deutsch-österreichischen Vierschanzentournee. „Er ist für mich der Größte, den es je gegeben hat“, sagte im Januar der Österreicher Thomas Morgenstern, als er von Position zwei aus dem Finnen gratulierte, „es ist eine große Ehre für mich, neben ihm zu stehen.“

Janne Ahonen vom Lahden Hiihtoseura Club in Lahti hüpfte schon als Kind über Schneehügel. Nach neun Jahren verließ er vorzeitig die Schule, um sich auf das Skispringen zu konzentrieren, und absolvierte eine Mechanikerlehre. Als Fünfzehnjähriger kam er in den Weltcup, ein Jahr später gewann er das erste Weltcup-Springen. Sieg Nummer 36, seinen letzten, erzielte er Anfang März dieses Jahres in Kuopio; mehr als hundertmal stand er auf einem Siegerpodest. Er holte sich 19 Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen - ein Olympiasieg war nie darunter.

Auch ohne Skispringen den Lebensunterhalt gesichert

Der Athlet Ahonen überstand alle Material- und Regeländerungen des Skispringens ohne Lamentieren. Schon lange benötigte er nicht mehr das Image vom unnahbaren Mann, das er sich einst selbst gegeben hatte. „Ich bin zum Skispringen an der Schanze, nicht zum Lächeln“, hatte er damals gesagt.

Anders als seine finnischen Vorgänger Toni Nieminen und Matti Nykänen verlor er nie den Boden unter den Füßen. Ahonen ist ein Idol in seiner Heimat und angesehen bei Sponsoren. Folglich braucht er das Skispringen nicht, um den Lebensunterhalt zu sichern. Vor einigen Jahren gründete er außerdem einen Importhandel für Motorrad- und Schneemobilzubehör. Im Sommer fährt er Autorennen, stellte im vergangenen Jahr in einem Dragster mit 6000 PS sogar einen Europarekord auf und wurde skandinavischer Meister.

„Aber wenn wir Finnen etwas sagen, meinen wir es“

Der Abschied vom Skispringen fällt ihm schwer, aber Ahonen tröstet sich mit der Familie, seiner Frau Tiia und dem sechsjährigen Sohn Mico - und dem zweiten Kind, das im Mai auf die Welt kommt. Die Ahonens leben in einer vom zeichnerisch begabten Familienvater selbst entworfenen Villa an einem See in Hollola nahe Lahti.

Ein beinahe schon legendärer Satz von Ernst Vettori charakterisiert wohl am besten den Skispringer Janne Ahonen. „Wenn die Vögel ihm zuschauen würden, müssten sie aus Neid zu Fuß gehen“, sagte der österreichische Olympiasieger von 1992. Nicht Neid, nur Bewunderung wird bleiben, wenn künftig von Ahonen gesprochen wird. Er selbst hat nie viel geredet: „Aber wenn wir Finnen etwas sagen, meinen wir es.“ Und deshalb ist der Skispringer Janne Ahonen jetzt nur noch ein finnischer Mitbürger.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP

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