Von Roland Zorn
20. Dezember 2007 Er konnte es wohl nicht lassen – und da man ihm freie Bahn verschaffte, ist er nun wieder da: in Amt und Würden als Präsident des französischen Eissport-Verbandes. Das Comeback des Didier Gailhaguet an die Spitze einer nicht unbedeutenden Sportföderation mit olympischer Verankerung wäre in Deutschland unter vergleichbaren Umständen kaum möglich gewesen.
Immerhin kehrt mit ihm der Mann auf seine alte Führungsposition zurück, der entscheidend dazu beigetragen hat, dass der Ruf des internationalen Eiskunstlaufs 2002 schwer beschädigt worden ist. Dass er bei der Wahl in Paris unter anderem gegen jene Preisrichterin antrat, die er bei den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City dazu nötigte, im Paarlauf die Russen Bereschnaja/Sicharulidse und nicht die genauso guten Kanadier Salé/Pelletier am höchsten zu bewerten, ist ein zusätzlicher Treppenwitz dieser Skandalnachgeschichte mit Hautgout.
Bewandert in allen Schlichen und Winkelzügen
In Frankreich war die Chronique scandaleuse eines fehlgesteuerten Machtmenschen indes nicht abgeschlossen, als seine Manipulation aufgeflogen und der Eiskunstlauf in Misskredit geraten war. Gailhaguet, obwohl international wie die von ihm benutzte Preisrichterin Marie-Reine Le Gougne für drei Jahre gesperrt, wurde daheim sogar wiedergewählt, ehe er über hausgemachte Affären für drei Jahre stürzte.
Wo einem Gailhaguet in Deutschland aus moralischen Gründen keine Chance mehr für einen präsidialen Neubeginn vergönnt gewesen wäre, regierten in Frankreich rein zweckdienliche Erwägungen bei der Besetzung des Eissport-Spitzenamts. Didier Gailhaguet, bewandert in allen Schlichen und Winkelzügen dieser seit je manipulierbaren Sportart, war einerseits drei Jahre gesperrt und offiziell so etwas wie eine Persona non grata für die Internationale Eislauf-Union, andererseits in der Grande Nation immer noch als einflussreicher Kufenflüsterer zur Stelle, wo es um Pöstchen und Positionen ging.
Bastionen und Seilschaften
Solche Doppelrollen lassen sich nur in kleineren Verbänden spielen, in denen meist nur wenige starke Frauen und Männer Bastionen und Seilschaften bilden, die so leicht durch nichts zu erschüttern sind. Gailhaguets French connection“ hat die gegen ihren Schöpfer gerichteten Stürme überstanden, weil die Grande Nation mit diesem Funktionär an der Spitze weltweit so erfolgreich war wie vorher nie und seine zuweilen bodenlose Frechheit, Frankreich mit allen Mitteln zu Kunstlauftriumphen zu verhelfen, eher bewundert als verachtet wurde.
Von außen betrachtet, mag Didier Gailhaguets zweite Präsidentenchance zwar legal erworben sein, doch stellt sich zumindest die Legitimationsfrage. Das Comeback des Franzosen als Eislauf-Präsident ist jedenfalls kein Wintermärchen, sondern eine Geschichte, die frösteln macht.
Text: F.A.Z.