09. April 2009 Eine Meisterleistung ist der Start in die Woche der Wahrheit nicht gewesen. Doch auch wenn die Qualität der Berliner Darbietung nicht an so manch vorangegangene Gala in der Deutschen Eishockey Liga heranreichte - mit dem Ergebnis des ersten Endspiels gegen die Düsseldorf Metro Stars konnte der erfolgverwöhnte Titelverteidiger alles in allem gut leben.
3:2 (2:0, 1:2, 0:0) besiegten die Eisbären die aufmüpfigen Rheinländer, die sich wesentlich teurer verkauften als zuvor gedacht und überhaupt nicht erschöpft wirkten von den bisherigen Strapazen in diesen Play-offs. Für die DEG war der Auftritt am Donnerstag der dreizehnte in den zurückliegenden 24 Tagen. Verschleißerscheinungen ließen die Cracks, die sich erst 48 Stunden zuvor durch ihren Halbfinal-Coup in Hannover die Chance auf die erste Meisterschaft seit 1996 erarbeitet hatten (siehe auch: Vor dem DEL-Finale: Eishockey mit Hirnli), immer noch keine erkennen.

Ihr Coach Harold Kreis entband seine Spieler nach der Rückkehr aus der Hauptstadt am Karfreitag dennoch vorsichtshalber von der Trainingspflicht, ließ sie bis zum Nachmittag zu Hause im Kreise der Familien kurz durchschnaufen, ehe sich die Mannschaft zu einer kurzen Regenerationseinheit mit anschließenden Massagen am frühen Abend traf und danach beim gemeinsamen Nudelessen die Energiespeicher für die bevorstehenden Herausforderungen an Ostern noch einmal auffüllte. Klar haben wir zuletzt Kraft gelassen, räumte Kreis ein, doch bislang wir sind nur vor und nach den Spielen müde.
Wenn die Chance reingeht, gibt es mehr als nur Verlängerung
Ob es dabei bleibt, wird sich schon an diesem Samstag zeigen, wenn es zum zweiten Aufeinandertreffen kommt. Der 50 Jahre alte Deutsch-Kanadier nannte die überaus achtbare Vorstellung seiner Auswahl in der mit 14.200 Zuschauern ausverkauften O2-World den bislang besten Auftakt in ein Play-off-Duell. Ich bin überzeugt, dass das ein Zeichen für die nächsten Partien sein wird. Bei den Erfolgen gegen Krefeld und Hannover habe es größere Anlaufschwierigkeiten gegeben. Der Glaube ist auf unserer Seite, bekräftigte auch der Düsseldorfer Kapitän Daniel Kreutzer.
Sollte sich Berlin allerdings auch auswärts durchsetzen, könnten sie in der Best-of-five-Serie schon am Montag ihren vierten Meistertitel in den vergangenen fünf Jahren perfekt machen. Kreutzer ärgerte sich über blöde Tore, die zum 0:2-Rückstand führten, als Stefan Ustorf (2. Minute) und Nathan Robinson (16.) Unachtsamkeiten in der Abwehr des Außenseiters bestraften. Doch so leicht, wie es anfangs aussah, fiel den Eisbären der Sieg fortan nicht. Wir haben Glück gehabt, bestätigte Stürmer Constantin Braun, besonders unter Unterzahlspiel ist noch ausbaufähig.
Torjäger Adam Courchaine verkürzte mit seinem zehnten Play-off-Tor (23.), nach dem 3:1 durch Richie Regehr (26.) sorgte Shane Joseph (30.) mit dem abermaligen Anschlusstreffer für unerwartete Spannung. Den möglichen Ausgleich vergab Brandon Reid im Schlussdrittel, als er allein auf den Berliner Schlussmann Rob Zepp zufuhr - und an ihm scheiterte (47.). Wenn die Chance reingeht, gibt es mehr als nur Verlängerung. Wir haben gesehen: Berlin ist schlagbar. Und wir werden alles daransetzen, sofort in der Serie auszugleichen, gab sich Stürmer Patrick Reimer selbstbewusst.
Mit einem guten Torwart gewinnt man die Meisterschaft
Allerdings muss dafür der Düsseldorfer Torhüter Jamie Storr einen wesentlich besseren Abend erwischen. Beim ersten Gegentreffer war er von Ustorfs Bauerntrick genarrt worden, beim zweiten versäumte er es, den frei vor ihm liegenden Puck unter seinem Fanghandschuh zu begraben - und auch in der Folgezeit gab es mehrere Szenen, in denen der 33 Jahre wenig souverän agierte. Mit guten Stürmern gewinnt man ein Spiel. Und mit guten Torhütern die Meisterschaft.
Auch der Berliner Trainer Don Jackson, der an der Seite von Wayne Gretzky einst den Stanley-Cup in Nordamerika eroberte, kennt das Sprichwort, das sich schon so oft im Eishockey bewahrheitete - und das ihn in seiner Zuversicht bestärken dürfte. Zepp, der Schlussmann der Eisbären, ist jedenfalls schon seit Wochen in blendender Form und auch dann ein kaum bezwingbarer Rückhalt, wenn sich seine ansonsten nur schwer zu bremsenden Vorderleute eine schöpferische Pause gönnen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP