Der Fall Busch und die Folgen

Der Eishockey-Bund steht nicht allein

Von Michael Reinsch, Berlin

Der DEB wird in diesem Jahr noch mit 370.000 Euro gefördert - und 2009?

Der DEB wird in diesem Jahr noch mit 370.000 Euro gefördert - und 2009?

04. Dezember 2008 Beim 2:1 seiner Eisbären Berlin über Metallurg Magnitgorsk am Dienstagabend hatte Florian Busch noch gut lachen. Erst erreichte den Eishockey-Profi die Nachricht, dass das Schiedsgericht des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ihn nicht dafür sperrt, dass er im März eine Dopingkontrolle verweigert hat (siehe auch: Doping-Kommentar: Einfach vergessen?). Dann bejubelten ihn die Fans in der Berliner O2-Arena schon, bevor er den Pass zum ersten Treffer seines Teams gab und sich in Wort und Tat für die Fortsetzung seiner Karriere in der Nationalmannschaft empfahl.

Bundestrainer Uwe Krupp will den 23 Jahre alten Profi, wie schon bei der Weltmeisterschaft, gern bald wieder einsetzen. Spreeabwärts aber, im Innenministerium, wurde die Entscheidung des Ad-Hoc-Schiedsgerichts des Deutschen Olympischen Sportbundes und vor allem ihre Begründung mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Darin nämlich machen die drei unabhängigen Richter den Deutschen Eishockey-Bund (DEB) verantwortlich dafür, dass sie Busch nicht wie im Nada-Kodex vorgesehen für zwei Jahre sperren konnten. Der Verband sei zum maßgeblichen Zeitpunkt nicht seiner Verpflichtung nachgekommen, den Nada-Kodex in sein Regelwerk zu übernehmen und Busch zur Einhaltung der Dopingbestimmungen zu verpflichten, schreibt Stephan Netzle, der Vorsitzende.

„Der Verband kann nicht erwarten, dass wir ihn nachsichtig behandeln“

Die Begründung des Schiedsgerichts deute darauf hin, dass gegen Auflagen verstoßen worden sei, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im BMI, Christoph Bergner, am Mittwochabend im Sportausschuss des Bundestages. Das BMI hatte, als der Fall Busch im März bekannt geworden war und der DEB den Spieler dennoch in seine Auswahl für die Weltmeisterschaft im Mai in Kanada berief, je 50.000 Euro Fördermittel für 2008 und 2009 gesperrt. Der DEB wird in diesem Jahr noch mit 370.000 Euro gefördert. Weitere 150.000 gehen an den Olympiastützpunkt Füssen.

Regierung und Parlament stelle sich nun nicht nur die Frage, ob diese Summe zu Recht einbehalten wurde, sagte der Vorsitzende des Sportausschusses, Peter Danckert (SPD). „Was wurde getan, um zu klären, ob die Antidopingklausel in die Satzungen der Verbände aufgenommen wurde?“ Bereits im Juli 2007 hatte die Projektgruppe Sonderprüfung des BMI darauf hingewiesen, dass einige Verbände den Kodex nicht in ihre Satzung aufgenommen hatten. Danckert verlangt auch, die staatliche Förderung des DEB zu überprüfen, obwohl dieser sich dem Kodex in der Zwischenzeit unterworfen hat. „Ein Verband, der gegen so elementare Grundsätze verstößt, kann nicht erwarten, dass wir ihn nachsichtig behandeln“, sagte er.

Ausschließen? Das IOC machte von der Möglichkeit nicht Gebrauch

Der Präsident des DEB, der Rechtsanwalt Uwe Harnos, verbreitete derweil: „Für uns zählt jetzt, dass wir nach vorne schauen und sich solche Dinge nicht wiederholen.“ Er persönlich sei in die Gewährleistung einer erfolgreichen Dopingbekämpfung im gesamten deutschen Sport eingebunden. Armin Baumert, der Vorstandsvorsitzende der Nationalen Antidoping-Agentur (Nada), nannte es traurig, dass die Regeln durch das Versäumnis eines Verbandes nicht angewandt werden können. „Das gefährdet nicht nur das Doping-Kontrollsystem, sondern wird auch internationale Kritik nach sich ziehen.“

Das hinderte Baumert nicht daran, seinerseits die Welt-Antidoping-Agentur (Wada) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) dafür zu kritisieren, dass sie die Regeln nicht ausreichend strikt anwendeten. Das Dopingkontrollprogramm der Nada vor den Olympischen Spielen beschrieb er als Highlight und lobte die Meldetreue, die „whereabouts“ der deutschen Olympiamannschaft als vorbildlich. „Eine große Bringschuld muss man anmahnen beim dem IOC und vielleicht auch bei der Wada“, sagte Baumert. „Wenn die Welt so weitermacht, werden all unsere gemeinsamen Planungen und Ziele konterkariert durch das, was in der Welt vor uns steht und sich nicht vom Weg abbringen lässt, der sicher nicht der richtige ist.“ Nach den Olympischen Spielen war bekannt geworden, dass die Athleten von mehr als hundert Mannschaften nicht lückenlos ihre Aufenthaltsorte gemeldet hatten; das IOC machte von der Möglichkeit, sie auszuschließen, nicht Gebrauch.

Forschungprojekt „Doping in Deutschland“

Weder Nada noch DOSB konnten sagen, ob alle deutschen Sportverbände oder zumindest alle 34 olympischen sich dem Wada-Kodex unterworfen haben. Dazu müssten erst einmal alle Verbände abgefragt werden, sagte Leistungssport-Direktor Bernhard Schwank. Nada-Geschäftsführer Göttrik Wewer sagte, die Erfahrung aus dem Fall Busch zeige den Verbänden, dass diese Unterwerfung notwendig sei; sie sähen nun, dass mit der Nada nicht zu spaßen sei.

Offenbar sieht das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) eine lange Geschichte des Dopings und schreibt deshalb das Forschungprojekt „Doping in Deutschland“ aus. Darin sollen in vier Jahren Manipulationen im Sport der alten Bundesrepublik aufgearbeitet werden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: REUTERS

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