Von Hans-Joachim Leyenberg
09. Mai 2008 Sportfachverbänden geht es in ihrem Sehnen und Trachten nicht anders als Menschen: Sie wollen geachtet und respektiert sein, im Reinen mit sich und der Welt. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) ist in diesen Tagen ein Musterbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, wenn man als Interessenvertretung Pluspunkte sammeln will. Verstockt in der Causa Florian Busch, fahrlässig in der Aufnahme von Jason Holland, einem Spieler mit doppelter Staatsbürgerschaft, in den WM-Kader. Unter den gegebenen Voraussetzungen ein Unding. Ohne Holland fahr'n wir zur WM, wäre die korrekte Verfahrensweise lange vor dem Gipfeltreffen der Eishockey-Elite in Kanada gewesen.
"Zweck des DEB ist die Pflege des Eishockey-Sports, insbesondere die Förderung des nationalen Eishockey-Sports", heißt es in der Selbstdarstellung des Verbandes. Seit Wochen schon geht der DEB alles andere als pfleglich mit den Interessen seiner Mitglieder um. "Wir haben alles getan, um das Thema Busch von der Mannschaft fernzuhalten", war Franz Reindl, in Personalunion Generalsekretär und Sportdirektor, an Ort und Stelle der WM in Halifax, noch bevor Holland auf der Tagesordnung stand, stolz auf sein Krisenmanagement.
Der DEB hätte Busch einfach nicht nominieren brauchen
Stattdessen wurde die Problematik Busch durch die bloße Anwesenheit des Berliners bis nach Kanada exportiert. Die Kuh hätte man längst vom Eis haben können - durch die Nichtnominierung von Busch. Stattdessen hat man es auf eine Kraftprobe mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur ankommen lassen. Inzwischen ist aus einer nationalen Affäre durch die Amtshilfe der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) eine internationale Affäre geworden. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Wada die vorerst letzte Entscheidung in dieser Angelegenheit - der endgültigen Spielberechtigung durch den Weltverband bis zum Ende des WM-Turniers - ohne weiteres auf sich beruhen lässt.
All das ist verheerend für die Außendarstellung eines Verbandes, der 2010 die Eishockey-Weltmeisterschaft ausrichtet und auf die Unterstützung durch das Bundesinnenministerium baut. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat sich zwar unlängst mit den WM-Machern in Berlin fotografieren lassen, zeigt sich aber inzwischen ähnlich vergrätzt und irritiert wie die Nada, die den Kooperationsvertrag mit dem DEB fristlos kündigte. Bis auf weiteres wurden zudem Fördergelder aus öffentlichen Mitteln eingefroren.
Fehlende Für- und Vorsorge
Der Eishockey-Bund hat somit ein Imageproblem. Alle Bemühungen, in der öffentlichen Wahrnehmung gegenüber den Sympathieträgern vom Handball aufzuholen, werden konterkariert. Dabei hat die Nationalmannschaft etwas zu bieten. Eine attraktive, strukturierte Spielweise, die zu kühnen Hochrechnungen berechtigte. Bis ins Viertelfinale der WM sollte die Reise nach den Vorstellungen ihrer Anhänger, die mit über den Atlantik gekommen sind, und der Fans daheim führen.
Im Umfeld des Nationalteams allerdings sind es ein paar Stockfehler zu viel, die sich Reindl & Co. geleistet haben. Sie geben vor, im Zweifelsfall stets auf der Seite des Athleten zu sein. Dabei ist ihnen schlicht und ergreifend fehlende Für- und Vorsorge vorzuwerfen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
