Eiskunstlauf

„Wir kriegen jetzt Ärger, aber vielleicht brauchen wir das“

Von Roland Zorn, Göteborg

19. März 2008 Der Weg zum ersehnten ersten WM-Titel ist für Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy beschwerlicher als erhofft. Beim Kurzprogramm am Dienstagabend während der Eiskunstlauf-WM in Göteborg demonstrierten die zweimaligen Europameister aus Chemnitz neben Augenblicken makelloser Klasse auch Momente unverhoffter Schwäche. Und so reichte es für die Favoriten in der Zwischenwertung vor dem Kürfinale an diesem Mittwochabend nur zum zweiten Platz hinter den vorläufig führenden Chinesen Zhang/Zhang und vor den russischen EM-Dritten Kawaguchi/Smirnow.

Dan und Hao Zhang, die Sawtschenko/Szolkowy beim Grand-Prix-Wettbewerb in Moskau die einzige Saisonniederlage zugefügt hatten, erlaubten sich keinen Schnitzer und bestachen durch Kraft und Dynamik. 74,36 Punkte waren der verdiente Lohn für eine konzentrierte Leistung. Die Aussichten für Sawtschenko/Szolkowy, ihr großes Ziel doch noch zu erreichen, sind angesichts des nur knappen Rückstands von 2,36 Punkten zwar noch gut, doch setzt der große Sprung an die Spitze mehr programmatische Sicherheit voraus.

Ein wenig zerknirscht

Stark und zuversichtlich wie nie - so hatten sich die Chemnitzer vorher gegeben. Als es jedoch ernst wurde vor 9.000 Zuschauern im Scandinavium und das deutsche Paar als erstes von 19 Mitbewerbern aufs Eis musste, wurde der Gegensatz zwischen dem Herzenswunsch nach Perfektion und eisiger Wirklichkeit schnell offenbar. Die zweimaligen Europameister erlaubten sich zwei schwerwiegende Fehler bei einer asynchron gedrehten Pirouette und beim Dreifach-Toeloop, den Aljona Sawtschenko nicht sauber zum Stand bringen konnte. "Da war ich zu langsam", gab die gebürtige Ukrainerin zu. Gleichwohl meinten es die Preisrichter gut mit dem Paar von Trainer Ingo Steuer. Mit 72 Punkten verfehlte es seinen persönlichen Höchstwert nach dem, so Szolkowy, "ordentlichen Kurzprogramm" nur um die Winzigkeit von 0,14 Punkten.

Ingo Steuer, der beim verhauenen Toeloop wütend mit der Faust auf die Bande geschlagen hatte, sagte erst einmal gar nichts. Der Trainer mied die Mixed-Zone, in der seine Sportler ein wenig zerknirscht erste Interviews gaben. Was Steuers Abwesenheit bedeutete, ahnte Aljona Sawtschenko sofort: "Natürlich kriegen wir jetzt Ärger, aber vielleicht brauchen wir das. Wir müssen uns jetzt vor allem auf uns konzentrieren."



Text: F.A.Z., 19.03.2008, Nr. 67 / Seite 30
Bildmaterial: AP

 
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