02. Januar 2008 Es schneite ununterbrochen, der Puck war kaum zu erkennen, das Eis musste erneuert werden und Superstar Sidney Crosby schoss das Siegtor: Das zweite Außenspiel in der Geschichte der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL bot am Dienstag im Winter-Wunderland des Ralph Wilson-Footballstadions von Buffalo alles, was Optimisten erhofft und Pessimisten befürchtet hatten.
Während 71.217 ebenso frenetische wie fröstelnde Fans trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt beim Duell der Buffalo Sabres mit den Pittsburgh Penguins für eine tolle Atmosphäre und einen Zuschauerrekord sorgten, hatten die Kufencracks mit den ungewohnten Arbeitsbedingungen zu kämpfen.
Das einzig Schwere war der viele Schnee
Zwar unterlag der Mannheimer Jochen Hecht mit seinen Sabres den Penguins 1:2 nach Penaltyschießen, doch am Ende fühlten sich auch die Winter Classic-Gastgeber als Sieger. Wegen der äußeren Umstände war es sicher nicht das beste Spiel, aber die Atmosphäre war einfach wunderbar, schwärmte Trainer Lindy Ruff. Das einzig Schwere war der viele Schnee. Der hat das Passen und Schießen ziemlich beeinträchtigt. Trotzdem war es super und ich würde dieses Spiel jederzeit wieder spielen, meinte begeistert Buffalos Verteidiger Jason Pominville.
Wegen der äußeren Bedingungen trugen viele Spieler und die Schiedsrichter Sturmhauben unter ihren Helmen. Und Buffalo-Torhüter Ryan Miller hatte zusätzlich sogar eine Pudelmütze in den Vereinsfarben blau, gelb und weiß über der Maske. Es war anfangs ungewohnt für mich, oftmals kamen die Schüsse aus einem Haufen Schnee heraus, so Miller, der schon nach 21 Sekunden erstmals bezwungen war, als Colby Armstrong die Gäste nach Crosbys Pass in Führung brachte. Brian Campbell (22. Minute) glich aus.
Das hat mich an meine Kindheit erinnert
Die Entscheidung fiel im Penalty-Schießen, bei dem Crosby den finalen Treffer für seine Pens erzielte. Es war unglaublich und für alle ein großartiges Erlebnis - die Bedingungen, diese Zuschauermasse, einfach riesig, so Crosby, der in seiner Heimat Kanada bei ähnlichen Bedingungen als Dreijähriger erste Eishockey-Erfahrungen sammelte. Das hat mich an meine Kindheit erinnert, als wir auf unserem Teich das Spiel öfter unterbrechen mussten, um Schnee zu schaufeln. Es ist zwar ein immenser Aufwand, dieses Stadion im Stadion aufzubauen, aber es wäre schön, wenn es mehr von diesen Spielen geben würde.
Neben Crosby konnte auch die NHL jubeln. Basketball- (NBA) und Football-Liga (NFL) hatten am Neujahrstag Pause, die Puckjäger dank der weltweiten Übertragung eine perfekte Plattform zur Eigenwerbung. Dies ist auch nötig, denn in puncto Einschaltquote liegt Eishockey in den Vereinigten Staaten hinter American Football, Baseball, Basketball und Stockcar- Rennen derzeit nur an fünfter Stelle. Es war ein unvergesslicher Nachmittag, resümierte NHL-Comissioner Gary Bettman. Man wolle dies gerne wiederholen und hätte Angebote von vielen Clubs für ähnliche Aktivitäten erhalten. Das Interesse ist auch nachvollziehbar, denn das Schnee-Spektakel zahlt sich aus. So berichtet die Tageszeitung Buffalo News, dass die Stadt nach Angaben der Tourismuszentrale geschätzte fünf Millionen Dollar am Winter Classic verdient hat.
Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS