Skisprung-Kommentar

Überraschungsduo unter Erfolgsdruck

Von Christiane Moravetz

26. März 2008 Wenn deutsche Sportfunktionäre über ihren Schatten springen, muss es schon einen ganz besonderen Grund haben. Nein, einen Trainer aus dem Ausland brauche man nicht: Diesen Satz des Sportdirektors des Deutschen Skiverbandes (DSV), Thomas Pfüller, haben wir noch im Ohr bei der Nachfolgefrage von Reinhard Heß, auch bei Wolfgang Steiert kurze Zeit später.

Nun aber waren sogar gleich zwei Nachbarländer beteiligt, als Werner Schuster, der Österreicher in Schweizer Diensten, beim DSV anheuerte. Doch musste das deutsche Skispringen erst am Boden liegen, bevor die Verantwortlichen den Schnitt wagten. Die Ablösung von Peter Rohwein nach dreieinhalb glücklosen Cheftrainer-Jahren war eine logische Konsequenz und angesichts der öffentlichen Kritik nicht mehr zu verhindern.

Horst Hüttel löst Rudi Tusch ab

Überraschend, dass mit Schuster nun einer aus dem Hut gezaubert wurde, der in allen Spekulationen nicht genannt worden war. Das deutlichste Signal für eine hoffnungsvolle Zukunft setzten Pfüller und sein Präsident Alfons Hörmann mit ihrer Entscheidung, die der Verpflichtung Schusters vorausging: Rudi Tusch wird als Sportlicher Leiter von Horst Hüttel abgelöst.

Hier hat sich nicht nur ein Generationenwechsel vollzogen. Tusch hatte, in wechselnder Funktion, seit Jahrzehnten im Skisprung das Sagen, konnte schließlich nichts mehr bewegen. Das Skispringer-Lager hat er eher gespalten als zu fruchtbarer Arbeit angeregt. Hüttel, der vor zwei Jahren schon Nachfolger von Tusch als Sportlicher Leiter für die Nordische Kombination wurde, kommt mit der Empfehlung einer äußerst erfolgreichen Teamarbeit, die dem DSV alle Weltcup-Kugeln in der Kombination dieses Winters eingebracht hat.

Realität spricht Medaillenwunsch 2010 hohn

Die Erwartungen an das neue Duo sind hoch, denn noch immer wird die Sparte nordisch im DSV vor allem an den Ergebnissen ihrer Skispringer gemessen. Schon in knapp zwei Wochen, bei der Tagung der Cheftrainer, müssen Hüttel und Schuster ihr Konzept präsentieren – einschließlich einer Strukturreform der Stützpunkte.

Sportdirektor und Präsident haben die Marschrichtung vorgegeben: Erfolge mittel- und langfristig, heißt es, gute Ergebnisse – am besten wohl Medaillen – bei den Olympischen Spielen in Vancouver 2010. Von null auf hundert also soll es gehen, auch wenn die Realität dem Wunsch hohnspricht. In dieser Beziehung bleiben sich die Amtsträger stets treu.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP

 
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