05. Januar 2007 Die Deutsche Eislauf-Union (DEU) gestattet dem Stasi-belasteten Trainer Ingo Steuer, das Weltklassepaar Aljona Sawtschenko/Robin Szolkowy bis Saisonende zu betreuen. Der Chemnitzer soll sowohl für die Europameisterschaft in zwei Wochen in Warschau als auch für die Welttitelkämpfe im März in Tokio ohne gerichtliche Auseinandersetzung nominiert werden.
Der Verband gibt seine Rechtsposition nicht auf, aber bis zur Berufungsverhandlung vor dem Münchner Landgericht, die erst für April/Mai zu erwarten ist, müssen wir uns in Geduld üben, sagte DEU-Vizepräsident Uwe Harnos. Die Entscheidung sei mit dem Bundesinnenministerium (BMI) abgestimmt.
Der Sport soll vorgehen
Das ist schön, denn der Sport soll vorgehen, sagte Steuer vor dem Start seiner Schützlinge bei den deutschen Meisterschaften in Oberstdorf. Die Vize-Europameister hatten bisher vor jedem Wettkampf
erfolgreich die Betreuung durch den 40 Jahre alten früheren Weltmeister eingeklagt. Weil die DEU aber nicht mehr mit Steuer zusammenarbeitet, bekommt das sächsische Trio keinerlei finanzielle Förderung.
Wir sind froh, dass wir erstmal Ruhe haben. Das ist alles sehr schwer, aber vielleicht gibt es irgendwann eine Regelung, sagte der 27-jährige Szolkowy, der wegen des Festhaltens an Steuer auch aus der Bundeswehr ausgeschlossen wurde.
Athleten akzeptieren keinen anderen Trainer
Die DEU, die die Erfolge des aufstrebenden Paares nicht gefährden will, fordert von Steuer einen offensiven Umgang mit seiner Vergangenheit in der DDR. Es ist Zeit, dass er sich mit der Vergangenheit kritisch auseinander setzt, betonte Harnos, der in Gesprächen mit dem Innenministerium nach Lösungen für die Zukunft suchen will. Das Ministerium hatte im Sommer angedroht, die Fördergelder zu streichen, wenn der Verband die Zusammenarbeit mit Steuer nicht beendet.
Einen anderen Trainer wollen Sawtschenko/Szolkowy auf keinen Fall akzeptieren. Es muss einfach etwas passieren, diese Situation istfür die Sportler belastend. Sie müssen den Kopf frei haben, anstatt ständig drüber nachzudenken, wie sie Visa und Fahrtkosten bezahlen können, sagte Anwältin Karla Vogt-Röller, die die Favoriten bei der deutschen Meisterschaft juristisch vertritt. Bisher waren die Gerichte in Berlin und München
den Argumenten des Trios gegenüber aufgeschlossen gewesen und hatten sowohl bei Olympia in Turin als auch bei allen anderen Wettbewerben für Steuer den Weg freigemacht.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa