2:1 gegen Kanada

Russland wird zum 25. Mal Eishockey-Weltmeister

10. Mai 2009 Russland hat sich im Duell der Eishockey-Supermächte abermals durchgesetzt und zum alleinigen Rekordweltmeister gekrönt. Im WM-Traumfinale von Bern bezwang die „Sbornaja“ den Erzrivalen Kanada 2:1 (1:1, 1:0, 0:0) und sicherte sich damit zum 25. Mal den Titel. Die Mannschaft von Erfolgstrainer Wjatscheslaw Bykow wiederholte mit ihrem 19. WM-Sieg in Folge den Triumph aus dem Vorjahr, als sie im Endspiel von Quebec 5:4 nach Verlängerung gegen Gastgeber Kanada gewonnen hatte (siehe auch: Eishockey-WM: Russland verdirbt Kanada die Titelparty).

Oleg Saprykin (6.) und Alexander Radulow (35.) erzielten unter dem Jubel von mehreren tausend Landsleuten in der Berner Halle die Tore für den Titelverteidiger. Jason Spezza hatte die Kanadier, die zum sechsten Mal in sieben Jahren im Endspiel standen, in Führung gebracht (6.). Unter Bykow, der 1990 als Kapitän der sowjetischen Mannschaft schon in Bern triumphiert hatte, sind die russischen Stars fast unbesiegbar: In 27 WM-Spielen seit seiner Amtsübernahme hat sein Team nur ein einziges Mal verloren.

Lass dich umarmen: Russland wurde zum 25. Mal Eishockey-Weltmeister
Lass dich umarmen: Russland wurde zum 25. Mal Eishockey-Weltmeister

Die 11.454 Zuschauer beim Endspiel schraubten die Besucherzahl bei der WM auf 301.000. Damit verpassten die Schweizer ihr Ziel von 303.000 und verzeichneten den schwächste Resonanz bei einer Weltmeisterschaft seit 1999 in Norwegen (180.394). Russland mit zwölf Weltmeistern von 2008 erwischte den besseren Start, geriet aber dennoch in Rückstand. Nach einem Solo von Stürmerstar Ilja Kowaltschuk zwang Sergej Sinowjew Torhüter Dwayne Roloson zu einer Glanzparade (4.).

Knapp zwei Minuten später leitete Kanadas Kapitän Shane Doan mit einem Rückhandpass Spezzas Führungstor ein. Nach dem siebten Turniertreffer des 25-Jährigen der Ottawa Senators dominierten die Ahornblätter das Spiel, schlugen aber kein Kapital daraus. Im Gegenteil: Saprykin fälschte in Überzahl einen Schuss von Witali Atjuschow zum Ausgleich ab. Als im Mittelabschnitt die Kanadier fast Einbahnstraßen-Eishockey spielten, ging der Schuss wiederum nach hinten los: Radulow schloss eine Einzelaktion mit dem 2:1 ab. Auch im Schlussdrittel drängten die Ahornblätter, doch Torwart Ilja Brysgalow hielt den russischen Sieg fest.

„Unser Powerplay hat den Unterschied gemacht“

Olympiasieger Schweden tröstete sich mit Bronze. Der achtmalige Weltmeister besiegte im kleinen Finale die Vereinigten Staaten 4:2 (0:0, 2:1, 2:1) und sicherte sich zum 15. Mal Platz drei bei einer WM. Während die Tre Kronor ihre 41. WM-Medaille holten, ging die amerikanische NHL-Auswahl wieder leer aus. Seit dem Olympia- und WM-Triumph 1960 hat das amerikanische Team bei Weltmeisterschaften lediglich dreimal Bronze gewonnen.

Loui Eriksson (34.) und Tony Martensson (36.) mit einem Doppelschlag innerhalb von 154 Sekunden, Carl Gunnarsson ebenfalls in Überzahl (49.) und Johnny Oduya, der eine Sekunde vor Schluss ins leere Tor trafen, erzielten die Treffer für die Schweden. Verteidiger Jack Johnson hatte die Amerikaner mit seinem fünften Turniertor in Führung (26.) gerbacht, Joe Pavelski nach einem sehenswerten Solo zum zwischenzeitlichen 2:2 ausgeglichen (43.). „Unser Powerplay hat den Unterschied gemacht“, sagte Schwedens Trainer Bengt-Ake Gustafsson.

„Ich habe finanziell in keiner Weise profitiert“

Überschattet wurde der Finaltag von Vorwürfen gegen Rene Fasel, den Präsidenten des Weltverbandes IIHF (siehe auch: Sport kompakt: Petacchi siegt - Cejka führt - Nowitzki leidet). Das Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) bestritt, über die Firma eines Jugendfreundes Gelder für die Beratung des Vermarkters Infront erhalten zu haben. „Ich habe finanziell in keiner Weise profitiert“, sagte Fasel. Der IIHF-Präsident gab zu, Kontakte für die Zuger Firma Proc AG hergestellt zu haben. Wie die „SonntagsZeitung“ aus Zürich berichtete, erhielt dieses Unternehmen von Infront ein Beratungshonorar von jährlich 400.000 Franken sowie Provision auf diverse WM-Sponsoringverträge.

Der einzige Verwaltungsrat der Firma ist ein langjähriger Geschäftspartner und Freund Fasels. Er habe keine vertraglichen Beziehungen zur Proc AG, erklärte Fasel, die aufgestellten Behauptungen entsprächen nicht den Tatsachen. Der 59-jährige ist seit 15 Jahren IIHF-Präsident und seit 1995 IOC-Mitglied. Er ist zudem Vorsitzender der Olympischen Wintersportarten und seit August 2008 Mitglied der IOC-Exekutive.

Die 73. Eishockey-WM in Bern und Zürich-Kloten:

GOLD: Russland
SILBER: Kanada
BRONZE: Schweden

4. Vereinigte Staaten
5. Finnland
6. Tschechien
7. Lettland
8. Weißrussland
9. Schweiz
10. Slowakei
11. Norwegen
12. Frankreich
13. Dänemark
14. Österreich
15. Deutschland
16. Ungarn



Text: FAZ.NET mit Material vom sid
Bildmaterial: AP, dpa, HHOF-IIHF Images, REUTERS

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Nutzen Sie jetzt Ihr Sonderkündigungsrecht. Beim Wechsel Ihrer Kfz-Versicherung winken bis zu 500 € Ersparnis. Jetzt online vergleichen und gleich abschließen.

Eishockey-WM

Russland - alte Supermacht im neuen Gewand

Der Trainer und sein Star: Bykow und Ilja Kowaltschuk während des Halbfinales gegen die Amerikaner

Das russische Eishockeyteam setzt im WM-Finale gegen Kanada auf Einheit und Ausnahmestürmer Kowaltschuk. Die Kanadier werden von Kind und Kegel unterstützt - und vielleicht auch vom Geist von Spiez. Von Hans-Joachim Leyenberg, Bern

Eishockey-WM

Und wieder stehen Russland und Kanada im Endspiel

Das Ahornblatt rutscht ins Finale: Derek Roy feiert den Sieg gegen Schweden auf seine Art

Dem Drama von 2008 folgt die Neuauflage in Bern. Russland und Kanada bestreiten wie schon im vergangenen Jahr des Endspiel der Eishockey-WM. Während sich die Kanadier gegen Schweden mit 3:1 durchsetzten, hatten die Russen viel Glück.

Jaromir Jagr

Der Rebell geht vom Eis

Die Laune wurde besser, die Ergebnisse nicht: Jaromir Jagr könnte seine letzte WM gespielt haben

Noch immer malen sich junge tschechische Eishockeyfans seine Trikotnummer 68 auf die Wangen: Jaromir Jagr war 18, als der Eiserne Vorhang verschwand - und wurde zum Eishockey-Superstar. In der Schweiz könnte er jetzt seine letzte WM gespielt haben. Eine große Karriere geht zu Ende. Von Hans-Joachim Leyenberg, Bern

Eishockey-WM

Ein neuer amerikanischer Traum

Mittelklasse und Superstar: Lee Stempniak (l.) neben Weltklasse-Stürmer Jason Blake

Im WM-Halbfinale fordert eine abgespeckte Version amerikanischer Eishockey-Fertigkeiten die scheinbar übermächtige Sbornaja. Doch die ambitionierten Amerikaner sind nicht zu unterschätzen - weil sie sich nicht überschätzen. Von Hans-Joachim Leyenberg, Bern

Sportvermarktung

Infront hat den Puck

Alle Jahre eine Eishockey-Weltmeisterschaft: 2009 in Bern

Die Eishockey-WM in der Schweiz liefert den Beleg, dass in der Sportvermarktung kein Weg an Infront vorbeiführt. Schon seit 28 Jahren vermarktet das Unternehmen dieses Sportereignis. Der Mehrheitsaktionär ist die deutsche Kaffeedynastie Jacobs. Von Jürgen Dunsch

Eishockey-WM

Russlands Eiserner Eisheiliger

Beobachter: Russlands Nationalcoach Slawa Bykow

Russlands Eishockey-Nationalmannschaft eilt von Sieg zu Sieg bei der Weltmeisterschaft in der Schweiz. Sbornaja-Trainer Slawa Bykow ist offenbar die perfekte Symbiose gelungen. Von Marc Heinrich, Bern

Eishockey

Blankes Entsetzen

Trainer Krupp schreit, aber die SPieler verstehen ihn nicht: Die Eishockey-WM verlief desaströs fürs deutsche Team

Das deutsche Eishockeyteam erlebt bei der WM in der Schweiz eine Blamage nach der anderen. Der gute Ruf ist beschädigt - und das ein Jahr vor der WM in der Heimat. Am Sonntag geht es gegen Österreich nur noch um Schadensbegrenzung. Von Marc Heinrich, Bern

Eishockey-Kommentar

Das blaue Wunder von Bern

Entsetzen: Bundestrainer Krupp und sein Team haben enttäuscht

Der Schauplatz eines der bis heute größten deutschen Sporttriumphe lag hundert Meter von der Berner Eishockey-Arena entfernt. Dort erlebte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft auch ein Wunder - allerdings ein blaues. Von Marc Heinrich

Eishockey-Trainer Krupp

„Der Trainer kriegt es immer als Erster ab“

Bundestrainer Uwe Krupp: “Es gibt keine Alibis“

Eishockey-Bundestrainer Krupp hat seine WM-Ziele mit der deutschen Mannschaft klar verpasst. Von den Fans wird er nach dem Verpassen der Zwischenrunde harsch kritisiert. Der frühere NHL-Profi im Gespräch mit FAZ.NET.

Kanada bei der Eishockey-WM

Gold als Trost für die Verlierer

“Team Canada“: eigentlich mit dem Makel des Verlierers behaftet wie niemand sonst

Etwas Gutes bringt den Kanadiern der Ausflug zur WM: Er bietet die Möglichkeit, einer verkorksten Saison noch einen positiven Dreh zu geben, mit dem Titelgewinn. Das wird in der Heimat erwartet - schließlich hat „Team Canada“ im vergangenen Jahr enttäuscht. Von Marc Heinrich, Bern

Eishockey-WM

Mal wieder am Tiefpunkt

Typische Slapstick-Szene: alle Mann im Tor

Die deutsche Nationalmannschaft verlor auch das dritte Spiel bei der Eishockey-WM in der Schweiz. Nach dem 1:2 gegen Frankreich ist das Team ein Jahr vor der Heim-WM an einem Tiefpunkt angekommen. Von Marc Heinrich, Bern

Eishockey-WM

Die vorbildlichen Schweizer

Große Feier nach dem Sieg: die Schweizer träumen bei der Heim-WM von einer Medaille

Niederlagen gegen die Schweiz sind in der deutschen Eishockey-Wirklichkeit nichts Neues. Doch sie schmerzen immer noch ein wenig mehr als Misserfolge gegen andere Konkurrenten. Nun wünscht sich Erich Kühnhackl, dass die Deutschen endlich vom Schweizer Vorbild lernen. Von Marc Heinrich, Bern

2:3 gegen die Schweiz

In der Verlängerung geht den Deutschen die Luft aus

Nummer zwei: nach dem Sieg gegen Frankreich siegten die Schweizer auch gegen Deutschland

Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft hat auch ihr zweites Vorrundenspiel bei der 73. Weltmeisterschaft verloren. Gegen Gastgeber Schweiz unterlag die DEB-Auswahl 2:3 nach „Sudden Death“. Von Marc Heinrich, Bern

Eishockey-WM

Das deutsche Team ist ein wenig zu schlafmützig

Nicht ausgeschlafen: das deutsche Team gegen Russland

Die WM-Quartiere wurden mit Blick auf die Weltrangliste zugeteilt. In diesem Betten-Poker hatte Deutschland schlechte Karten. Das Team von Trainer Krupp nächtigt in einem Hotel in der turbulenten Fußgängerzone und wirkt entsprechend unausgeschlafen. Von Marc Heinrich, Bern