Von Elisabeth Schlammerl, Sölden
24. Oktober 2009 Kathrin Hölzl wirkte nicht besonders zufrieden, als sie mit ihren Ski in der Hand durch den Zielraum am Rettenbachferner spazierte. Aber Kathrin Hölzl hatte auch in den vergangenen beiden Jahren nie besonders zufrieden gewirkt beim Auftaktrennen des alpinen Ski-Weltcups, obwohl sie stets beste Deutsche war. Sie war immer vorne dabei gewesen, aber nie ganz vorne. Am Samstag schaffte sie mit Rang sieben im Riesenslalom, den die Finnin Tanja Poutiainen vor Kathrin Zettel aus Österreich und der Italienerin Denise Karbon gewann, immerhin ihr bestes Resultat in Sölden, bisher war sie zweimal auf dem achten Platz gelandet.
Aber dieser Winter ist ein ganz besonderer, aus zwei Gründen ist das Rennen deshalb nicht zu vergleichen mit dem vor einem Jahr. Der eine Grund ist, dass im Februar die Olympischen Spiele in Vancouver stattfinden. Der zweite ist die neue Rolle von Kathrin Hölzl. Sie trat in Sölden als Weltmeisterin an, und da wäre es nicht ungewöhnlich, wenn Resultate jenseits des Siegerpodests bei ihr keine großen Begeisterungsstürme mehr auslösen würden.
Auf der anderen Seite gehört Kathrin Hölzl aber zu jenen Athletinnen, die den Blick für die Realität nicht so schnell verlieren. Ihre Erwartungen, versicherte sie, seien nicht größer geworden. Es interessiert doch jetzt keinen mehr, ob ich mal ein Rennen gewonnen habe, sagte sie vor dem Weltcup-Start, das, was in Val d'Isere war, zählt nicht mehr. Den Anspruch, unter den besten drei zu landen, hatte sie in den vergangenen beiden Jahren ebenfalls. Aber Sölden, stellt sie fest, ist irgendwie nicht so mein Hang, oder besser nicht ihr Rennen.
Im Moment mache ich mir nur Sorgen um meinen Zeh
Wieder einmal hatte sie den ersten Durchgang verbremst. Kathrin Hölzl ist eben eher eine Spätstarterin, je länger die Saison dauert, desto besser kommt sie in Fahrt. Ihre bisher beste Weltcup-Plazierung schaffte sie beim Finale, das war 2007 in Lenzerheide. Bei Großereignissen bin ich immer ganz gut gefahren, stellt sie fest. Da auch in diesem Winter wieder eines stattfindet und sie sich mit dem siebten Platz bereits für die Winterspiele in Vancouver qualifiziert hat, beunruhigt die 25 Jahre alte Bischofswiesenerin der Auftritt von Sölden nicht besonders. Im Moment mache ich mir nur Sorgen um meinen Zeh.
Die junge Dame hatte vor ein paar Wochen unvorsichtigerweise neue Schuhe mit hohem Absatz etwas zu lange getragen und sich eine Blase eingehandelt. Daraus wurde nach ein paar Tagen eine Blutvergiftung, und Kathrin Hölzl musste eine Woche mit dem Training aussetzen. Es schien schon alles gut, da entzündete sich die Wunde am Freitag wieder. Die Schmerzen ließen sie in der Nacht vor dem Rennen kaum schlafen, aber ihre verhaltene Fahrt im ersten Durchgang schiebt sie nicht auf die Schmerzen. Ich habe mir im Steilhang einfach den Schneid abkaufen lassen.
Was man hat, das hat man
Das passiert Viktoria Rebensburg, Juniorenweltmeisterin im Riesenslalom, selten und so gut wie nie in ihrer Lieblingsdisziplin. Die 20 Jahre alte Kreutherin riskiert eher zu viel als zu wenig und musste deshalb schon viel Lehrgeld bezahlen. Beim Auftritt am Samstag war sie allerdings nicht zu stürmisch unterwegs, sondern im ersten Durchgang, bei schwierigen Pistenverhältnissen wegen Neuschnees, taktisch kontrolliert und im Finale dann sehr offensiv. Am Ende sprang für die reife Leistung auf dem anspruchsvollen Hang Rang acht und damit die Olympia-Qualifikation heraus. Das Ticket gleich im ersten Rennen gelöst zu haben, das ist schon eine Befreiung, sagt Viktoria Rebensburg, die bisher als bestes Weltcup-Resultat einen sechsten Platz zu Buche stehen hat. Was man hat, das hat man. Zwei Athletinnen beim Auftakt unter den besten acht zu platzieren, das gelang dem Deutschen Skiverband zum letzten Mal vor zwölf Jahren. Damals gehörten Martina Ertl, Katja Seizinger und Hilde Gerg zu den besten Riesenslalomfahrerinnen.
Alpinchef Wolfgang Maier sieht seine Mannschaft auf dem richtigen Weg. Es ist kein Traumstart, aber man kann auch nicht sagen, wir seien nicht vorbereitet auf die Olympia-Saison. Dass die deutsche alpine Frontfrau Maria Riesch mit Platz 18 in ihrer schwächsten Disziplin etwas auf der Stelle tritt, ist für Maier eher ein mentales Problem. Die Erwartungen, die von außen auf Maria Riesch einprasseln, und auch die eigenen, seien eben sehr groß, glaubt er. Diese Dinge müssen auch vom Kopf her auf die Reihe gebracht werden, sagt Maier. Das Potential, auch im Riesenslalom unter die besten zehn zu fahren, habe sie, aber sie muss das ja nicht heute schaffen. Olympia wäre ein passender Termin.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS