Martin Schmitt im Gespräch

„Nur nicht runterziehen lassen“

Die richtig große Freude ist noch nicht aus ihm herausgesprudelt: Schmitt strahlt von innen

Die richtig große Freude ist noch nicht aus ihm herausgesprudelt: Schmitt strahlt von innen

04. Januar 2009 Martin Schmitt sprang in Innsbruck erstmals seit Dezember 2000 bei einem Springen der Vierschanzentournee wieder auf das Podest. Der viermalige, beinahe abgeschriebene Weltmeister im Gespräch.

Der Bann ist gebrochen. Beschreiben Sie Ihre Gefühlslage?

Ich bin einfach nur glücklich. Das ist ein unheimlich schönes Gefühl. Ich stand ja lange nicht mehr so weit oben, das werde ich jetzt erst einmal genießen. Es ist einfach nur traumhaft.

Nach dem ersten Durchgang lagen Sie sogar in Führung. Sind Sie enttäuscht, dass es nicht mit dem Sieg geklappt hat?

Alles wie im Flug: Martin Schmitt lässt die Zuschauer in Innsbruck an sich vorüberziehen

Alles wie im Flug: Martin Schmitt lässt die Zuschauer in Innsbruck an sich vorüberziehen

Nein, überhaupt nicht. Von Enttäuschung kann überhaupt keine Rede sein. Daran denke ich nicht. Es ging heute sehr eng zu, sicher wäre vielleicht sogar noch etwas mehr drin gewesen. Aber ich freue mich einfach nur über den dritten Platz. Ich weiß die Podestplätze durchaus noch zu schätzen.

Was haben Sie gedacht, als Sie im zweiten Durchgang als Letzter oben auf dem Balken saßen? Waren Sie nervös?

Das war schon nicht ohne, da zu sitzen. Ich war ja lange nicht mehr in der Situation. Eigentlich war ich aber ganz ruhig und entspannt. Ich konnte das Drumherum ganz gut ausblenden. Im Kopf bin ich noch einmal meinen Sprung durchgegangen. Eigentlich hatte ich alles beisammen.

Viele Kritiker haben Ihnen eine solche Rückkehr nicht mehr zugetraut. Was sagen Sie denen heute?

Ach, nichts. Natürlich habe ich das mitgekriegt, aber ich bin nicht nachtragend. Jeder, der sich mit dieser Sportart beschäftigt, weiß, dass es Höhen und Tiefen gibt. Ich habe mich davon nicht runterziehen lassen.

Schon bei den ersten beiden Springen waren Sie nah dran am Podest, doch dann klappte der zweite Sprung nicht. Was war heute anders?

Wir haben in den vergangenen Tagen weiter hart gearbeitet. Ich habe das Training und die Qualifikation am Samstag gut genutzt, um noch einmal an einigen Dingen zu feilen. Das hat sich ausgezahlt. Auch wenn noch nicht alles ganz perfekt lief, war das heute der beste zweite Sprung der Tournee.

War der Druck in Deutschland vielleicht zu groß und es deshalb gut, dass heute in Österreich gesprungen wurde?

Natürlich war die Aufmerksamkeit in Deutschland noch größer. Hier konzentriert sich das Medieninteresse mehr auf die Österreicher. Doch dass es daran gelegen hat, glaube ich eher nicht. Die Zeit war da vielleicht einfach noch nicht reif.

Was ist jetzt noch drin für Sie in der Gesamtwertung?

Guter Absprung, perfekter Sprung: Martin Schmitt beim ersten Versuch in Innsbruck

Guter Absprung, perfekter Sprung: Martin Schmitt beim ersten Versuch in Innsbruck

Daran denke ich gar nicht. Ich konzentriere mich einfach auf Bischofshofen und will dort meine gute Form bestätigen. Wenn mir dort wieder zwei gute Sprünge gelingen, bin ich sicher wieder vorne dabei.

Text: FAZ.NET mit dpa
Bildmaterial: AFP, AP

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