21. August 2008 Der stellvertretende Generalstabschef der russischen Streitkräfte, Anatolij Nogowizyn, hat am Donnerstag in Moskau die Beobachter der OSZE in Südossetien beschuldigt, von der georgischen Militäraktion gegen Südossetien gewusst, aber dies den Russen im Kontingent der Friedenstruppen verschwiegen zu haben. Darüber müssten die OSZE-Beobachter Rede und Antwort stehen.
Nogowizyn sicherte jedoch zu, dass die Russen der Arbeit einer Beobachtermission nicht im Wege stehen würden, wenn diese sich an ihre Aufgaben in der Konfliktzone halte. Unterdessen hat der russische Außenminister Lawrow die Nato am Donnerstag aufgefordert, die Tür zu Russland nicht zuzuschlagen. Das Nordatlantische Bündnis bedürfe der Zusammenarbeit ebenso wie Russland. In Afghanistan, wo sich im Grunde genommen das Schicksal der Nato entscheide, brauche die Nato Russland in größerem Maße als umgekehrt.
Wir werden die Tür von uns aus nicht zuschlagen
Selbst im Augenblick, als die Nato-Außenminister in Brüssel schon eine Erklärung zur Verurteilung des russischen Vorgehens in Südossetien und gegen Georgien beschlossen hatten, habe man vertraulich die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass Russland jene Verbindungen nicht kappe, die für die Zusammenarbeit in Sachen Afghanistan wichtig seien. Wir werden die Tür von uns aus nicht zuschlagen, sagte Lawrow. Alles hänge davon ab, welche Prioritäten die Nato setze: Wenn die Unterstützung des bankrotten Regimes Saakaschwilis für die Nato Vorrang vor einer Zusammenarbeit mit Russland hat, dann ist das nicht unsere Schuld.
In der abchasischen Hauptstadt Suchumi forderten unterdessen mehr als 50.000 Demonstranten eine internationale Anerkennung der einseitig erklärten Unabhängigkeit. In der Menge waren auch viele russische Flaggen zu sehen. Russische Medien halten es für möglich, dass der Föderationsrat in Moskau Anfang nächster Woche die Unabhängigkeit der Provinzen anerkennt. Langfristig wünschen Abchasien und Südossetien eine Aufnahme in die Russische Föderation. Die georgische Regierung lehnt dies strikt ab. Auch die Vereinigsten Staaten und die Nato beharren auf der territorialen Einheit Georgiens.
Die französische Botschaft in Tiflis bestätigete unterdessen dieser Zeitung, dass der Botschafter Eric Fournier am Donnerstag in der Nähe von Gori mehrere Stunden lang an einem Kontrollpunkt von russischen Soldaten festgehalten wurde, anschließend aber freikam. Das hatten russische Medien gemeldet. Auf der Straße zwischen der georgischen Hauptstadt und der Stadt Gori waren nach Agenturberichten nach wie vor russische Soldaten mit ihren gepanzerten Fahrzeugen postiert. Die strategisch wichtige Stadt Gori war immer noch unzugänglich. Die russische Armee hat mehrere Kontrollposten auf dem Weg dorthin eingerichtet.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP
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