Fluglinien

Ryanair wächst in seine Bewertung hinein

02. November 2004 Mit Kursgewinnen von bis zu 13,4 Prozent auf 4,57 Euro im Tageshoch reagiert am Dienstag die Aktie der bekannten irischen Airline Ryanair auf die Umsatz- und Ertragszahlen der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres.

Im ersten Halbjahr per Ende September sei der Nettogewinn im Vergleich mit der Vorjahresperiode um knapp 15 Prozent auf 147,6 Millionen Euro oder 19,3 Cent je Aktie gestiegen, teilte das irische Unternehmen mit. Der Umsatz legte sogar um 19 Prozent auf 418,3 Millionen Euro zu.

Deutlich gestiegenes Passagieraufkommen

Das Unternehmen führt diese Entwicklung unter anderem auf einkräftig gestiegenen Passagieraufkommen zurück. Es profitierte allerdings auch von der Preispolitik der konkurrierenden Fluggesellschaften, die angesichts des hohen Ölpreises vielfach einen Kerosinaufschlag auf ihre Ticketpreise erhoben. Als Folge sei nicht nur Rückgang bei den Ticketpreisen unterwartet gering, sondern auch der Zulauf zu Ryanair unerwartet groß. Das Passagieraufkommen sei in den sechs Monaten um 24 Prozent gestiegen.

Der Ölpreis stelle für Ryanair kein Problem dar. Denn das Unternehmen sehe noch genügend Möglichkeiten, an anderen Stellen Kosten zu senken, um hohe Ölpreise nicht an die Kunden weitergehen zu müssen. Das Unternehmen sei bis zu Preisen von 80 Dollar je Barrel Öl profitabel, im Gegensatz zu vielen Konkurrenten, so Unternehmenschef Michael O'Leary in einem Interview. Aus diesem Grund will er sich auch nicht gegen den steigenden Ölpreis absichern, bevor dieser nicht auf „normales“ Niveau gesunken sei.

Nach Ansicht von Analysten hat sich das Unternehmen in einem schwierigen Markt gut geschlagen. Es konnte durch die Gewinnung von Marktanteilen nicht nur deutlich wachsen, sondern das trotz der hohen Ölpreise auch noch profitabel. Selbst im dritten und vierten Quartal sollen Gewinne erzielt werden, wenn auch nur vergleichsweise geringe. Die Gewinnprognose bleibt unverändert bei 200 Millionen Euro für das Gesamtjahr.

Deutliches Wachstum bei „Nebengeschäften“

Neben dem reinen Flugbetrieb scheint vor allem das Nebengeschäft - Verkauf von Produkten an Bord der Maschinen und die Vermittlung von Versicherungen und Hotelzimmern et cetera - besonders gut zu laufen. Der Umsatz in diesem Bereich legte um 43 Prozent zu und beläuft sich mittlerweile auf 16 Prozent des Gesamtumsatzes. Die Auslastung der Sitzplätze verbesserte sich um drei Prozentpunkte auf 90 Prozent.

Insgesamt scheinen sich damit die Geschäfte im Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche gut zu entwickeln. Das müßte der Aktie des Unternehmens auch einen gewissen Rückhalt geben, sollte man meinen. Der Tagesgewinn an der Börse deutet zwar darauf hin, allerdings hat das Papier selbst nach den jüngsten Kursgewinnen seit Jahresbeginn etwa 40 Prozent seines Wertes verloren.

Das wiederum dürfte mit den hohen Erwartungen zusammenhängen, mit welchen das Unternehmen konfrontiert war. Sie hatten vor allem in den Jahren 2001 und 2002 zu einer ambitionierten Bewertung der Aktie geführt, die seit dem etwas abgebaut wurde. In den vergangenen Tagen ist es nun gelungen, den zu Jahresbeginn etablierten kurzfristigen Abwärtstrend zu überwinden. Allerdings sind Kurs-Gewinnverhältnisse von knapp 17 und 15,6 auf Basis der Gewinnprognosen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr angesichts des harten Wettbewerbs sicherlich keine „Schnäppchengrößen“.

Insgesamt dürfte die Aktie in einem anhaltend positiven Umfeld zwar etwas Kurspotential haben. Absicherungsstrategien dürften sich allerdings angesichts des harten Wettbewerbs und der jederzeit möglichen Störungen des Geschäftes förmlich aufdrängen.


Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Ryanair-Aktie in den vergangenen Jahren

Der Chart zeigt die Kursentwicklung der Ryanair-Aktie in den vergangenen Jahren

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri

 
NamePunkteProzent
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TecDax 811,69 -0,69
DowJones 11.502,51 +0,79
Nasdaq 2.382,46 +0,87
STOXX 50 3.281,73 -0,53
Nikkei 225 12.768,25 +0,12
S&P 500 Zert. 12,67 +0,08
Euro/Dollar 1,48 +0,14
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