15. April 2005 Schon seit Jahresbeginn bereitet die IBM-Aktie ihren Aktionären mit schleichenden Kursverlusten Sorgen. Und nach der von Montag auf Donnerstag vorgezogenen Bekanntgabe der Ergebnisse für das erste Quartal dürften die Bedenken der Anleger nicht kleiner werden.
Ganz im Gegenteil: Das Zahlenwerk wirft viele Frage auf und läßt den Titel in einem schlechten Licht erscheinen. Denn der weltgrößte Computerhersteller hat unter anderem wegen eines schwachen Geschäfts in Teilen Europas die Erwartungen der Analysten im abgelaufenen Quartal verfehlt.
IBM machte unter anderem schlechte wirtschaftliche Bedingungen in Deutschland, Italien, Frankreich und Japan sowie Probleme bei dem Abschluß von kurzfristigen Dienstleistungsverträgen für das schlechte Abschneiden verantwortlich. Nach einem guten Start hatten wir Schwierigkeiten, in den letzten Wochen des Quartals Geschäfte abzuschließen", räumte IBM-Chef Sam Palmisano ein.
Aktie reagiert nachbörslich mit Kursverlusten
Konkret gab der Konzern mit Sitz in Armonk für das erste Quartal einen Gewinn von 1,41 Milliarden Dollar oder 85 Cent je Aktie bekannt nach 1,36 Milliarden Dollar oder 79 Cent je Aktie im Vorjahreszeitraum. Von Reuters befragte Analysten hatten auf vergleichbarer Basis einen Gewinn von 90 Cent je Aktie erwartet.
Der Umsatz stieg um drei Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar, während Analysten mit einem Wert in der Spanne von 23,2 Milliarden bis 23,78 Milliarden Dollar gerechnet hatten.
An der Börse gerieten die Aktien von IBM nach den unter den Erwartungen ausgefallenen Zahlen im nachbörslichen Handel unter Druck. Sie verloren 3,8 Prozent auf 80,49 Dollar. Das entspricht dem tiefsten Wert seit 20 Monaten. Charttechnisch gesehen befindet sich der Wert damit in einer ausgesprochen kritischen Lage wieder. Sollte die um die 80 Dollar-Marke herum zu findende Unterstützung tatsächlich nachhaltig unterschritten werden, käme dies einem Verkaufssignal gleich.
Vorstand verweigert konkreten Geschäftsausblick
Der vom IBM-Vorstand abgegebene Geschäftsausblick dürfte dabei nicht dazu angetan sein, weitere Aktienverkäufe zu verhindern. So dürfte es den Börsianer kaum gefallen, daß sich Finanzvorstand Mark Loughridge außer Stande sah, eine konkrete Einschätzung zu den Ergebnisaussichten für das zweite Quartal zu geben. Er sagte nur, IBM sei mit Beginn der Periode zuversichtlicher, was die Pipeline im Bereich Dienstleistungen betreffe. Allerdings sei es noch zu früh, um zu beurteilen, ob die enttäuschende Entwicklung bei IBM Teil eines breit angelegten Trends innerhalb des Technologiesektors ist.
Dank der im Laufe des zweiten Quartals geplanten Umstrukturierungen hält Loughridge aber immerhin die Schätzungen der Analysten für die zweite Jahreshälfte weiter für angemessen. Diese prognostizieren für das dritte Quartal ein Ergebnis je Aktie von 1,17 Dollar und für das vierte Quartal von 1,87 Dollar.
Bisher gibt es nur eine Kaufempfehlung
Damit die IBM-Aktie nicht endgültig absäuft, werden die Anleger aber konkret wissen wollen, ob die aktuellen Probleme nur temporärer Natur sind, oder wie Steve Biggs, Analyst bei Zacks Independent Research, zu Bedenken gibt, möglicherweise ein Hinweis auf einen Rückgang des Geschäfts im Technologiesektor allgemein sind. Zumal in diese Richtung auch die wenig zuversichtlich klingenden Geschäftsausblicke von anderen Technologie-Unternehmen wie Samsung Electronics und Sun Microsystems gehen.
Angesichts der schwierigen Ausgangslage dürften vermutlich langsam auch die Analysten kalte Füße bekommen. Denn bislang genießt IBM noch immer eine hohe Wertschätzung unter den amerikanischen Analysten, wie 19 Kauf-, fünf Halte- und nur eine Verkaufsempfehlung zeigen. Ob ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 16 auf Basis der bisherigen Gewinnschätzungen aber eine Kaufempfehlung rechtfertigt, erscheint angesichts der momentanen Schwierigkeiten fraglich.
Der Chart zeigt die Entwicklung der IBM-Aktie in Dollar
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
| Tops & Flops | +/- | Prozent |
|---|---|---|
| VOLKSWAGEN AG STAMMA | +38,83 | +11,03 |
| FRESENIUS MEDICAL CA | +0,31 | +0,91 |
| HENKEL AG & CO. KGAA | +0,07 | +0,30 |
| SIEMENS AG NAMENS - | -7,56 | -14,04 |
| INFINEON TECHNOLOGIE | -0,35 | -12,59 |
| DEUTSCHE BANK AG NAM | -4,84 | -12,48 |
| Name | Punkte | Prozent |
|---|---|---|
| Dax | 4.861,63 | -6,49 |
| TecDax | 553,00 | -5,63 |
| DowJones | 8.577,91 | -7,87 |
| Nasdaq | 1.628,33 | -8,47 |
| STOXX 50 | 2.578,06 | -6,48 |
| Nikkei 225 | 9.547,47 | +1,06 |
| S&P 500 Zert. | 9,83 | -2,58 |
| Euro/Dollar | 1,34 | -1,02 |
| Bund Future | 114,06 | +0,13 |
| Gold | 846,13 | +0,48 |
| Öl | 70,31 | -8,34 |