Stimmen zum WM-Finale

„Das darf Zidane nicht passieren“

09. Juli 2006 Zum Abschluß des Fußballfests in Deutschland hat Italien durch einen Sieg im Elfmeterschießen gegen Frankreich die Weltmeisterschaft errungen. FAZ.NET dokumentiert die Stimmen zum Ausgang des Endspiels.

Raymond Domenech (Trainer Frankreich): „Wir haben nicht verloren, wir haben nur die Elfmeter nicht so geschossen, wie wir sie hätten schießen müssen. Ich kann nicht zufrieden damit sein, nur im Finale gestanden zu haben. Ich wollte gewinnen. Schade, daß uns Zidane auch schon in den letzten zehn Minuten gefehlt hat. Es war eine total sinnlose Aktion. Er bereut sie. Ich weiß nicht, was vorgefallen ist. Aber es muß etwas passiert sein. Sonst hätte Zinédine nicht so reagiert.“

Marcello Lippi (Trainer Italien): „So eine große Freude habe ich noch nie gespürt. Das ist das Größte, was ein Sportler erleben kann. Wir sind alle überglücklich.“

Jacques Chirac (französischer Staatspräsident): „Die Mannschaft war bis hierher bewundernswert, die Niederlage war nur ein Zufall. Die Spieler können stolz auf das sein, was sie geleistet haben. Ich weiß nicht, was vor dem Platzverweis passiert ist. Aber ich möchte zu Zidane sagen, daß ich große Achtung vor diesem Mann habe. Zidane hat die Werte dieses Sports verkörpert und Frankreich Ehre erwiesen.“

Franz Beckenbauer: „Das darf Zidane nicht passieren. Er hat natürlich seine Mannschaft geschwächt. Wir wissen, wie sensibel die Franzosen sind, wenn sie ihren Kapitän nicht mehr sehen. Er ist eigentlich ein recht zurückhaltender und harmloser Mensch. Irgend etwas muß ihm der Materazzi gesagt haben.“

Alou Diarra (Frankreich): „Es ist hart, das Finale nicht zu gewinnen. Und es ist schade, nicht mit der Trophäe nach Frankreich zurückzukehren. Vielleicht hat uns nach der frühen Führung etwas Kaltblütigkeit gefehlt. Aber bei dieser WM ist eine neue Gruppe geboren.“

Gianluigi Buffon (Italien): „Wir haben gewiß Glück im Elfmeterschießen gehabt. Für mich ging ein Jugendtraum in Erfüllung. Wir gewannen aber dank unserer guten Gemeinschaft. Das war wichtiger als die Talente einiger Individualisten.“

Fabio Grosso (Italien): „Es ist eine unheimlich enthusiastische Situation, unglaublich. Die letzten Meter vor dem letzten Elfmeter waren schwierig, aber wir haben es geschafft.“

Fabio Cannavaro (Italien): „Wir haben uns den Pokal mühsam erkämpft. Es ist wunderschön. Deutschland hat bei uns den Pokal gewonnen, wir jetzt hier in Deutschland. Das erfüllt uns mit totalem Enthusiasmus, mit Euphorie, wir sind unheimlich glücklich.“

Gennaro Gattuso (Italien): „Es war ein unvergeßlicher Abend, ich werde diese Momente nie im Leben vergessen. Erst in den nächsten Tagen werden wir das richtig genießen. Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Es war eine tolle WM. Riesen-Kompliment an Deutschland für eine großartige Organisation.“

Jean Pierre Escalettes (Präsident des Französischen Fußballverbandes): „Zidane ist traurig und melancholisch, er muß sich erst sammeln. Wir haben würdig gespielt und das Ergebnis ist ungerecht. Wir haben nicht verloren, während des ganzen Turniers nicht. Wir können stolz sein. Wir haben uns nicht lächerlich gemacht. Ich weiß nicht, ob wir Italien schon einmal so dominiert haben wie in der zweiten Halbzeit.“

Ottmar Hitzfeld: „Es war kein großes, aber ein spannendes Finale. Spektakuläre Strafraumszenen sind ausgeblieben. Aber beide Teams haben sich im Turnierverlauf gesteigert.“

Stefan Effenberg: „Italien ist ein würdiger Weltmeister. Sie haben alle Probleme im Zusammenhang mit dem Skandal zur Seite geschoben.“

Lothar Matthäus: „Erst in den nächsten Tagen werden die Spieler begreifen, was sie für das Fußball-Land Italien geleistet haben.“



Text: FAZ.NET mit Material von dpa und sid
Bildmaterial: AP

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