Stimmen zu Zidanes Platzverweis

„Der blaue Engel hat sich in einen Teufel verwandelt“

Französische Zeitungen zu Zidanes Platzverweis

Französische Zeitungen zu Zidanes Platzverweis

10. Juli 2006 Französische Medien haben am Tag nach der Niederlage der „Equipe Tricolore“ im WM-Endspiel gegen Italien mit Fassungslosigkeit auf die Tätlichkeit von Zinedine Zidane reagiert. “Wie konnte das einem Mann wie Dir nur passieren?“ fragte etwa die größte Sport-Zeitung „L'Equipe“ am Montag.

Gleichwohl gab es auch ein „Danke!“ an die Mannschaft, die mit dem Einzug ins Finale viele Kritiker und Experten positiv überrascht hat. „Der blaue Engel hat sich in einen Teufel verwandelt“, schrieb die Tageszeitung „Le Parisien“ über den Kopfstoß von Zidane gegen den Italiener Marco Materazzi in der Verlängerung des Endspiels, das die Franzosen schließlich im Elfmeterschießen verloren.

„Wie konntest du dich so gehen lassen?“

Zuschauer des Finales im Hafen von Marseille: “Was sollen wir unseren Kindern erzählen?“

Zuschauer des Finales im Hafen von Marseille: "Was sollen wir unseren Kindern erzählen?"

L'Equipe nannte Zidanes Übergriff „töricht“. Das Vorgehen sei auch nur schwer zu verzeihen. „Zinedine, Du weißt, das Schwierigste ist jetzt nicht, zu erklären, warum die Mannschaft, Deine Mannschaft, das Finale verloren hat. Sondern den Millionen Menschen in aller Welt zu erklären, wie Du Dich so gehen lassen konntest bei Deinem Kopfstoß gegen Marco Materazzi zehn Minuten vor Ende der Verlängerung“, hieß es. „Was sollen wir unseren Kindern erzählen und allen denen, für die Du für immer zu einem Vorbild geworden bist?“

Zidanes Mannschaftskamerad Thierry Henry warb gleichwohl dafür, daran zu denken, was Zidane für den französischen Fußball getan habe. „Alles, was ich 'Zizou' gerne sagen möchte - und was ihm Frankreich und die Fußball-Welt auch sagen sollte - ist: 'Vielen Dank'.“ Auch Mitspieler Willy Sagnol warb dafür, Zidane zu danken. Wäre er nicht in das Trikot der Nationalmannschaft zurückgekehrt, hätte Frankreich das Endspiel nicht erreicht, sagte der Abwehr-Spieler. Und David Trezeguet sagte: „Zidane ist ein großer Spieler. Ihm gebührt trotzdem Respekt.“

„Ihm und uns tut es leid“

Verständnis brachte der französische Trainer Raymond Domenech für seinen Spielgestalter auf: „Schade, daß uns Zidane auch schon in den letzten zehn Minuten gefehlt hat. Es gibt halt Situationen, wo einem die Sicherungen durchgehen. Ich kann die Sache nicht entschuldigen, aber trotzdem ein bißchen verstehen. Es war aber eine schlechte, völlig überflüssige Aktion. Ihm und uns tut es leid.“

Versöhnliche Worte fand auch Franz Beckenbauer: „Irgendetwas muß man Zidane gesagt haben. Zidane ist eigentlich ein zurückhaltender und harmloser Mensch. Er hat seine Mannschaft geschwächt. Wir wissen, wie sensibel Franzosen sind, wenn sie ihren Kapitän nicht mehr sehen. Es ist jammerschade, daß er aufhört und wir ihn nicht mehr sehen werden. Bei Bayern München würde er noch mit offenen Armen empfangen.“

Italien hatte sich am Sonntagabend in Berlin zum vierten Mal nach 1934, 1938 und 1982 den Titel gesichert. Für Zidane endet seine Karriere bitter, da das WM-Finale sein letztes Spiel als Profi sein sollte. Er hatte bereits vor dem Turnier erklärt, nach der WM seine Laufbahn zu beenden.

Text: FAZ.NET mit dpa und sid
Bildmaterial: AP, dpa

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