Nachbericht: Kunst bei Ketterer

Augenzwinkern

Von Vita von Wedel

12. Mai 2008 Es waren die erstklassig besetzten Alten Meister, die in Ketterers Frühjahrsauktion in Hamburg das Publikum zu stürmischen Bietgefechten hinrissen und für mehr als ein Drittel des Gesamterlöses von 2,7 Millionen Euro sorgten. Adriaen van Utrechts museales Werk „Küchenstillleben mit erlegtem Wild, Früchten und Gemüse“ in dessen charakteristisch fester, plastischer Malweise entzückte vor allem einen südeuropäischen Sammler am Telefon, der es von geschätzten 50.000 bis 70.000 auf 102.000 Euro hob. Eine ganze Reihe von Spitzweg-Gemälden und Zeichnungen zur Feier seines 200. Geburtstags wurden erstaunlich wählerisch beboten. Einzig das den Katalogeinband zierende kleine Meisterwerk „Gnom Eisenbahn betrachtend“ weckte offenbar ausreichende Emotionen: Das wohl im Revolutionsjahr 1848 auf einen Zigarrenkistendeckel gemalte Bild zeigt den Gnom in seiner schützenden Höhle, sinnend ins Tal herunterschauend, in dem ein Zug mit fleißiger Rauchfahne auf eine ferne Stadt zueilt.

Romantischer Zwergenblick

Man mag an Friedrichs „Männer im Anblick des Mondes“ oder den „Wanderer über dem Nebelmeer“ denken, die den Betrachter mit ihrer Rückenansicht auf das konzentrieren, was in der bedenkenswerten Ferne liegt: Bei Friedrich war es die neue deutsche nachnapoleonische Zeit, bei Spitzweg ist es nun mit augenzwinkernder Melancholie das Dahinscheiden des Mythos unter dem Gefauche der Moderne. Auf 30.000 bis 40.000 Euro geschätzt, war es nach stürmischem Bieten im Saal und an den Telefonen einem Sammler aus dem fränkischen Raum schließlich fast verdoppelte, nämlich 58.000 Euro wert. Nach New York ging für 52.000 Euro die „Ausgießung des Heiligen Geistes“ des Bambergers Sebald Bopp (Taxe 15.000/20.000 Euro). Die überraschendsten Steigerungen verbuchten zwei Dresdner Ansichten nach Canaletto, die um 1800 entstanden und mit je 3000 bis 4000 Euro taxiert waren: „Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustenbrücke“ kletterte auf 46.000 Euro, „Der Neumarkt in Dresden vom Jüdenhof aus“ schwang sich sogar auf 49.000 Euro – sie bleiben, trotz ausländischen Interesses, in Deutschland.

Bei der Moderne stand die heftig expressive Öl-Temperaarbeit von Christian Rohlfs „Alter Mann und junges Mädchen“, um 1917, ganz vorn; sie wurde von einem griechischen Sammler von 25.000 Euro auf 36.000 Euro gesteigert. Kurz darauf sicherte er sich Franz von Stucks nur ein Jahr zuvor gemaltes Porträt seiner „Tochter Mary als Spanierin“ für 35.000 Euro (12.000/15.000). Gleich zu Beginn der Auktion hatte Beckmanns frühes Gemälde „Kaninchendiebe im Hermsdorfer Wald (Hühnerdiebe)“ für Spannung gesorgt: Gegen Auftragsbuch und internationale Telefone setzte sich ein anderer griechischer Sammler mit dem Gebot von 32.000 Euro (20.000/30.000) durch. Bei den Zeitgenossen schließlich blieb Immendorffs Linolschnitt und Acryl auf Leinwand „Café de Flore“ von 1991 mit 20.000 Euro innerhalb der Schätzung, ebenso Fritz Winters hervorragende Komposition „Vor Weiß“ von 1954, die bei 25.000 Euro zugeschlagen wurde.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Ketterer, Ketterer

 
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